Wir werden zugemüllt

Das ist einem ja gar nicht so bewusst, wenn man in der Schweiz lebt und alle Möglichkeiten der Welt hat. Und wenn man im Urlaub von einer Touristen-Destination zur nächsten hoppt. Dass die Möglichkeiten, sich normal zu ernähren, einfach sauklein sind!

Eine normale Ernährung definiere ich nach Michael Pollan (der sich lange schon mit dem Thema beschäftigt) so: Essen, das meine Grossmutter auch als solches angesehen hätte. Lebensmittel im Sinne des Wortes – ein Mittel zum Leben.

Wie oft schon setzten wir uns in den Van und dachten: Ach, wir finden bestimmt etwas unterwegs. Und dann fährst du, stundenlang, und das einzige, das sich an der Strasse säumt sind die verdammten Kioske, die Chips und Cola verkaufen. Und das noch zu einem solch günstigen Preis, dass der Mangobauer nebenan gar nicht mithalten kann.

Wir werden zugemüllt. Nicht nur unsere Körper mit dem ganzen viel zu billigen Zeug, dessen Inhaltsstoffe wahrscheinlich noch nie richtige Luft zum Leben gebraucht haben. Sondern eben auch den Planeten. Die Verpackungen werden immer kleiner, damit sich der ärmste Mensch der Welt die Chips noch leisten kann, weil er sich dann für zwei Minuten fühlen kann wie ein cooler Amerikaner. Diese Verpackungen landen dann irgendwo und müllen die Erde kaputt. Nachdem sie bei der Produktion schon Palmöl und Erdöl und das ganze andere Zeug verbraucht haben, die die Wälder und Meere zerstört.

Dann sitzt man hier, in Nicaragua oder Guatemala oder in Mexiko, wo das Klima wunderbar ist, um alles anzubauen, wo Reis und Bohnen zur Kultur gehören, und man sieht so viele übergewichtige Menschen an ihren Coca Colas nuckelnd und ihren Kinden Chips verfütternd, weil dieser Müll günstiger geworden ist als Reis und Bohnen. Plastik ist so günstig, dass selbst die Ärmsten es sich leisten können, die Mango im Säckli zu verkaufen (als hätten Mangos keine Schale!). Dass Coffeeshops gar keine richtigen Tassen mehr im Sortiment haben, sondern allen diese unsäglichen Becher hinstellen, die aus irgendeinem Grund zum Prestigesymbol geworden sind.

Wir haben uns so an den Scheiss gewöhnt, den wir heute Essen nennen, dass wir gar nicht mehr wissen, was essen bedeutet. Das macht mich traurig. Denn ich sehe, wie die Menschen auf dieser Seite der Welt oft gar keine andere Wahl haben. Weil sie es nicht besser wissen. Weil es ihnen niemand sagt. Im Gegenteil, man wirft ihnen diese Frechheit von Essen vor und macht noch Profit damit. Aber es sind nicht nur diese Länder. Das Problem ist überall.

Warum hat man nur beim Veganer das Gefühl, er meint es wirklich ehrlich gut mit einem? Warum steckt dort immer Essen drin, von dem man die Herkunft kennt und Liebe noch dazu? Warum sind in veganen Restaurants immer alle so nett? Weil der Veganer sich mit seinen Lebensmitteln beschäftigt und sie nicht nur als Nebensache sieht. Er sieht sie als das, was sie sind: Mittel, die uns Leben geben. Deshalb nimmt er sie ernst und damit auch die Körper der Menschen, die sein Restaurant besuchen. Gleichzeitig achtet er auch meist noch darauf, nicht zu viel Müll zu produzieren und saisonal zu kochen. Was erhält der Veganer dafür? Einen gesellschaftlichen Stempel und blöde Witze.

Ich habe nur einen Wunsch. An Kaffeehäuser, an Restaurants, an Lebensmittelproduzenten, an Kiosks, an Tankstellen, an dich und an mich: mehr Liebe. Denn wer liebt, lässt nicht zu, dass seine Geliebten zugemüllt werden.