Wie ich mich in diesem Jahr verändert habe

Selten erhält man die Möglichkeit, ein vergangenes Jahr so klar zu sehen, wie wenn man ein Jahr weg war. Nicht nur das Jahr, die Erlebnisse, an sich, sondern auch sich selbst, als Person.

Ich glaube nicht, dass sich mein Charakter sehr verändert hat in dieser Zeit. Er hat sich höchstens geschärft. Mein Tun aber, meine Einstellung zu gewissen Dingen, das hat sich massiv verändert.

Zum Beispiel habe ich mich ein Jahr lang nicht geschminkt (mit Ausnahme der Hochzeit und Las Vegas). Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht. Nicht ein kleinstes Bisschen. Nicht einmal, als mich ein Online-Magazin letztens nach einem Autorinnenportrait gefragt hat. Wir haben die Kamera geschnappt und mich so fotografiert, wie mein Kopf gerade ausgesehen hat.

Meine Augenbrauen waren zu dem Zeitpunkt zufällig vor drei Tagen wieder gezupft worden. Das hätten auch easy drei Wochen sein können. Haare sehe ich allgemein nicht mehr als Bedrohung an. Eher als etwas, das halt an einem wächst: manchmal ist man erstaunt wie schnell, manchmal wie langsam.

Ich stand seit einem Jahr nicht mehr auf einer Waage. Wir besassen schon vorher keine, aber beim allmonatlichen Elternbesuch gehörte die Gewichtskontrolle dazu. Keinen Schimmer, wie viel ich wiege. Keine Ahnung, wie mir das jemals etwas ausmachen konnte. Ich habe gelernt, auf den Körper zu hören, anstatt auf die Waage. Wenn ich merke, ich sollte mich bewegen, bewege ich mich.

Seit einem Jahr beschäftige ich mit Essen und Kochen. Das habe ich vorher nie. Im Gegenteil, Essen zubereiten war mir ein Graus. Jetzt, wo ich die Zeit habe, mich mit Lebens-Mitteln zu beschäftigen und es auch tatsächlich tue, geht täglich ein Licht auf. Ich habe gelernt, richtiges Essen zu finden und zu kochen. Ich backe Kurkuma-Brot! Ich braue Jun Tea und ziehe Sprösslinge für den Salat. Ein richtiger Ehrgeiz, der sich entwickelt hat.

Ich habe in diesem Jahr viel weniger geweint als sonst. 

Seit einem Jahr habe ich keinen Wecker mehr gestellt – und stehe trotzdem spätestens um 7 Uhr auf.

Im letzten Jahr las ich um etwa 1000% mehr Bücher als die Jahre zuvor.

Das vergangene Jahr hat mich vor allem eines gelehrt: Vertrauen. Alles kommt gut, einfach nicht immer so, wie man es sich gerade vorstellt.

Oh, und Dankbarkeit. Meine Güte, bin ich dankbar für all das!

20046576_10211982969983987_1164538216105598145_n

Das „Autorinnenbild“. Übrigens für folgenden Artikel zu den Nachteilen des Vanlife, auf ze.tt.