Was stimmt nicht mit mir?

Wir sind so verwöhnt. Es wäre uns, nach kurzer Recherche, nicht in den Sinn gekommen, dass wir für das eine oder andere Land auf dieser Reise ein Visum brauchen könnten. Der Schweizer Pass ist einer der besten der Welt, und was für den Schweizer gilt, das gilt in den allermeisten Fällen auch für die Liechtensteinerin. Nichts, was man hinterfragen würde. Nun wurden wir glücklicherweise schon vor einiger Zeit von anderen Reisenden darüber informiert, dass ich als Liechtensteinerin ein Visum für Belize brauche. Sandro der Schweizer nicht. Alles klar.

In Mexico City fahren wir also zur Botschaft von Belize. Die Dame am Schalter ist hinter einem Spiegel versteckt, wir sehen nicht, mit wem wir es zu tun haben. Sie versteht Liechtenstein nicht und verlangt meinen Pass. Nach 15 Minuten schiebt sie den Pass durch den Schlitz zurück mit einem Zettel, auf dem steht, was alles zu tun ist, um ein Visum zu erhalten. Bankauszüge, Hotelreservationen, Flugdaten, Kosten. Alles klar.

Sie schiebt mündlich nach, dass es etwa 25-30 Tage dauert, bis das Visum ausgestellt wird. Wir seien aber nur für zwei Wochen in der Stadt. Da ich mit einem Spiegel spreche, sehe ich ihre Reaktion nicht. Ich frage, ob wir die Sache hier lostreten können und das Visum dann vielleicht im Konsulat in Chetumal abholen können, wo wir in einigen Wochen sein werden. Das wäre sehr kompliziert, höre ich den Spiegel sagen. Wir haben es offensichtlich mit einem unkooperativen Spiegel zu tun. Alles klar.

Wir bedanken uns beim Spiegel und fahren zurück zu unserer Wohnung. Die erste Frage, die mir in den Kopf schiesst: Was stimmt denn nicht mit mir? Warum kann Sandro einfach zur Grenze spazieren und ich muss jetzt irgendwie herausfinden, wie ich trotzdem reinkomme? Ich hätte genauso gut in der Schweiz (3 Kilometer weiter) oder Österreich (15 Kilometer weiter) aufwachsen können. Wo liegt denn der Unterschied? Natürlich, es gibt keinen Unterschied. Der einzige Unterschied ist ein Stück Papier und die Idee einer Staatsbürgerschaft. Könnte ich den Argentinischen Pass zücken, wenn ich jemals einen beantragt hätte? Habe ich aber nicht, weil der Liechtensteinische ohnehin besser ist. Wären meine Eltern in Argentinien geblieben, hätte ich diese Wahl erst gar nicht gehabt. Es ist alles reiner Zufall.

Diese Geschichte ist Peanuts gegen das, was gerade in den USA abläuft. Und in Europa. Mir ist das natürlich bewusst. Aber wenn selbst ich mir die Frage stelle, was falsch mit mir ist, wie muss es dann all den Menschen gehen, die an Grenzen festsitzen und nicht weiterkommen? Wie unwillkommen müssen sie sich fühlen? Wir sind verwöhnt und es ist wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind. Es ist nicht normal, dass wir einfach ohne Hindernisse in ein anderes Land einreisen, in die Ferien fahren, dürfen. Für so viele Menschen ist das alles andere als selbstverständlich. Ich werde nie wieder so locker meinen Pass zeigen und das Gefühl haben, alles sei supereasy. Denn ich habe nichts dafür getan, dass es easy ist. Ich hatte einfach nur Glück.

Soviel dazu. Zum Organisatorischen, falls das noch jemanden interessiert: Wir fahren in den nächsten Wochen nach Chetumal und werden sehen, dass wir vor dem 20. März auf dem Konsulat antanzen. Dann hoffen wir, dass ich das Visum innerhalb von 30 Tagen erhalte. Denn am 21. April werden wir aus Mexico ausreisen müssen, dann sind unsere 180 Tage in diesem fantastischen Land gezählt. Ansonsten müssten wir dann schleunigst nach Guatemala fahren. Wir werden sehen.

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Ich komme in Frieden.

 

1 Kommentare

  1. Hallo zusammen, vor 20 Jahren musste man auch als Schweizer ein Visum für Belize haben. 😃

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