So verschifft man einen Van an die US-Westküste

Viele fragen uns, warum wir unseren Van nicht an der US-Westküste kaufen, wenn wir dort unsere Reise starten. Wir haben – um ehrlich zu sein – wirklich nur sehr beschränkte Ahnung von Autos und deren Technik. Deshalb wollten wir den Van hier kaufen, parat machen, kennen lernen und schliesslich verschiffen. Zudem kann das meiste Equipment mitgegeben werden. Hier haben wir mal die wichtigsten Dinge aufgelistet, die man bei einer Roll-on-Roll-off Verschiffung beachten muss – und unsere eigenen Erfahrungen und Adrenalinkicks bei der Abgabe des Vans. Gegen eine Container-Verschiffung haben wir uns aus Kostengründen entschieden und auch, weil die Organisation ein grosses Stück aufwändiger wäre.

Die Organisation der Verschiffung

Einmal googeln und los gehts. In den einschlägigen Foren wird für eine Verschiffung in die USA oft Seabridge genannt. Diese haben wir angeschrieben und mussten mal erste Infos schicken. Entscheid, ob Ost- oder Westküste der USA, Dimensionen des Autos (für die Berechnung des Preises), Abschluss einer Seefrachtsversicherung (für Transportschäden oder falls der Kahn untergeht), et voilà. Viel mehr war dann auch nicht möglich im Januar 2016, weil wir an die US-Westküste verschiffen. Für diese Transporte sind die Reisedaten und die Frachtträger in der Regel erst sechs bis acht Wochen vor Verschiffung bekannt. Und so wurden wir einfach vorgemerkt ohne zu wissen, wann wir den Van zum Hafen bringen können. Erst im Mai wurde als die Daten bekannt und wir erhielten wir die Bestätigung der Verschiffung, die Zugangscodes zum Hafen und wir mussten nur noch einen Termin vor Ort für die Inspektion vereinbaren. Alles eigentlich sehr easy, auch dank den Dokumentationen von Seabridge.

Luz’ Grossraumtaxi heisst übrigens TOMBARRA, hat ein Leergewicht von 20’000 Tonnen und braucht vier Wochen bis nach Seattle. Platz hat er für 3‘000 Autos, Baumaschinen und Zugskompositionen. Allein der Anker wiegt 9 Tonnen!

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Die Kosten

Wir bezahlen für den Transport an die Westküste rund 2500 Euro, dieser Preis wird anhand des Auto-Volumens berechnet. Das heisst: Je kleiner das Auto, desto günstiger die Verschiffung. Dazu kommen ca. 600 Euro Hafengebühren. On top haben wir die Seefrachtversicherung für rund 500 abgeschlossen (berechnet sich nach dem Wert des Fahrzeuges). Schliesslich noch ca. 300 Euro für die Fahrt in den Norden. Wir verschifften ab Zeebrugge in Belgien, möglich ist aber auch Bremerhaven. Nur wurden dort alle Autos aufgebrochen in letzter Zeit. Und Belgien war eh näher. Den Flug zurück von Brüssel nach Basel gabs für 40 Euro.

Macht dann insgesamt rund 3500 Euro. Für einen Weg.

Die Packliste: was darf rein, was kommt ins Fluggepäck

Beim Durchlesen der Dokumente wurde schnell klar: Wenn man sich nicht an die Regeln hält und bei der Inspektion im Hafen durchfällt, bleibt der Bus stehen. Nur findet die Inspektion nicht im Beisein der Fahrer statt, sondern erst ein paar Stunden nach Abgabe des Fahrzeuges. Unmissverständlich wird man von der Transportfirma in den Unterlagen (in roten Buchstaben) darauf aufmerksam gemacht. Nun, eigentlich ist auch das nicht allzu schwierig, aber trotzdem war es das erste Mal. NICHT in den Van dürfen: Medis, Esswaren, Putzmittel, Brennstoffe, Drogen, Sprengstoffe. Zusätzlich muss alles blickleer verstaut werden, d.h. das Fahrzeug muss von Aussen den Anschein machen, leer verschifft zu werden.

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In der Standartdokumentation war zudem vermerkt, dass keine persönlichen Dinge, wie Kleider, Sportsachen, und dergleichen mitdürfen. Das wurde dann aber im Verlauf der Reiseorganisation durch ein zusätzliches Dokument geändert, weil die Bestimmungen gelockert wurden. Und so durften wir glücklicherweise den ganzen Campingstuff wie Tische, Stühle, Schlafsäcke aber auch Sportsachen wie Wanderschuhe, Taucherbrille, Schnorchel, Sneakers und dergleichen mitführen. Noch ein, zwei Mails (wir wollten wissen, ob wir unsere Ersatzwasserfilter und den Wasserkocher mitführen dürfen) und dann war alles geklärt. Spart definitiv viel Platz im Reisegepäck für den Flug nach Seattle!

Für uns haben wir entschieden: Die Dinge, die uns bei Diebstahl traurig machen würden, nehmen wir im Flieger mit. Der Rest ist mit dem Van unterwegs nach Seattle.

Die Fahrt nach Zeebrugge, Belgien

Am  14. Juni fuhren wir dann los Richtung Zeebrugge. Als Copilot mit dabei in dieser Mission: Alex. Ein gemeinsamer Freund von Gabriella und mir. Die ersten 800km also auf diesem Trip! In zwei Etappen ging es via Deutschland, Frankreich, Luxemburg nach Belgien. Die Fahrt verlief soweit unproblematisch, ausser dass der Bus unverhältnismässig viel Benzin brauchte. Das lag an der Einstellung des Luftgemisches, und das wird dann auch die erste Sache sein, die wir in den USA noch korrigieren lassen.

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Ansonsten kamen wir planmässig am Mittwochabend in Ostende an, einem sympathischen kleinen Ferienort an der Nordküste von Belgien, nur 30km von Zeebrugge entfernt. Da wir genug Zeit hatten, erkundeten wir bereits den Hafen um Zeebrugge. Dank Google Maps und Street View hatten wir schon ein recht klares Bild vor Ort, und nachdem wir alles ausgecheckt haben, sind wir dann zurück ins Hotel gefahren, um dort die letzte Nacht zu verbringen.

Der grosse Tag: Truckwash und Verschiffung im Hafen

Morgen um 7 Uhr, perfektes Wetter, kein Wind, die Sonne scheint. Nur der Bus springt nicht an. Ein zweites Mal starten, ein drittes. Langsam regt sich der Bus. Beim vierten Mal springt er schliesslich an. Das hing wohl alles mit der falschen Einstellung am Motor zusammen. Wir bringen unseren ersten Adrenalinkick erfolgreich hinter uns und fahren gemütlich in Richtung Hafen.

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Im Truckwash (der Bus muss für die Verschiffung oben- und untenrum top sauber sein) vor dem Hafen betrete ich das Kabinenhäuschen, und ein freundlicher Mann um die 50 begrüsst mich. Ich sage ihm, dass wir unseren Bus verschiffen und für ihn war auch gleich alles klar: „Aha, Wallenius Wilhelmsen – very difficult. Where are you going?” „Seattle“ meinte ich. „Oh, that’s very difficult. Lots of problems whith shipping to Australia“. Nachdem wir uns kurz über Geografie unterhalten haben, war der Truckwasher dann auch entspannter und so fuhr ich den Bus in die Halle, wo er zuerst ordentlich eingeseift und rund 15 Minuten lang sauber gefegt wurde. Anschliessend fuhren wir dann noch auf eine Tankstelle, um den Innenraum zu reinigen. Wir wollten ja einen guten Eindruck bei der Inspektion hinterlassen. Freundlicherweise hat uns der Truckwash-Man – besorgt um mögliche Probleme, die wir haben könnten – eine Quittung ausgestellt mit dem Attest, auch die Innenreinigung, inkl. Teppichpflege gemacht zu haben. Dies helfe uns bei der Anmeldung im Speditionshäuschen. Wenn wir dieses Dokument vorweisen, dann könnte uns das helfen. Hat es auch.

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Nach dem Betreten des Inspektionshäuschens im Hafen von Zeebrugge hielt ich alle nötigen Unterlagen bereit. Pass, Fahrzeugausweis, Führerschein, die „Grüne Versicherungs-Karte“ (bis am Sonntag vor Abreise habe ich gar nicht gewusst, was das war, geschweige denn, dass ich eine solche besitze. Natürlich wusste ich auch nicht, wo sie sich befand – trotzdem noch gefunden, zum Glück), Verschiffungsunterlagen, und eben diesen Attest vom Truckwash. Es wurden Kopien angefertigt.

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Dann der Gang ans Fahrzeug – ein bisschen nervös war ich schon. Der gute Mann hat Augenschein genommen, gefragt, ob wir Food, Medikamente oder Benzin mitführten. Natürlich nicht. Er hat nochmals gefragt, den Bus von innen begutachtet (ich glaube, er hatte Freude) und nett gelächelt. Das sei es dann auch. Wir sollen noch die Nummernschilder entfernen, uns Zeit nehmen und dann die Schlüssel vorbeibringen. Gesagt, getan, und so verabschiedete ich mich von Luz mit ein paar letzten obligaten Fotos.

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Ein Taxi hat uns dann abgeholt und nach Brügge gefahren. Adios Luz! See you in Tacoma! Wer schauen möchte, wo sich Luz auf grosser See gerade befindet: Here you go!


 

Bonus-Story a.k.a. Adrenalinkick II

Nach Ankunft in Brügge und einer obligaten Pinkelpause setzen wir uns in den IC nach Antwerpen. Eingestiegen und Platz genommen fällt mir auf: Wo ist eigentlich mein Laptop? Schnurstracks aus dem Zug gesprungen, klapperten wir sogleich sämtliche Orte im Bahnhof ab, wo wir uns vor rund 20 Minuten befunden hatten. Und da lag mein Notebooktäschen: in der Bahnhofshalle. Noch am selben Ort, wo ich mein Gepäck vorher kurz abgestellt hatte. Der zweite Adrenalinkick für diesen Tag. Der nächste Zug fuhr in einer Stunde. Also setzten wir uns mit einem Beruhigungsbier draussen hin. Ich begutachtete das Corpus delicti. Hoppla!

Mit im Notebooktäschen waren ebenfalls: Unser neues iPad mini (das zukünftige GPS), mein Reisepass, alles Verschiffungsunterlagen. Na dann, Prost! So dann hoffentlich nicht auf der Reise.

1 Kommentare

  1. Oh Wow, das waren ja direkt mal heftige Adrenalinkicks! Vielen lieben Dank für den tollen Beitrag zu den Modalitäten bei Seabridge, wir hatten eigentlich auch ursprünglich vor, in die USA zu verschiffen, aber da unsere Hündin doch schon was älter ist, wollen wir ihr den langen Flug nicht antun. Jetzt geht’s für uns im September erstmal für ein Jahr Richtung Osten. 🙂
    Aber wir müssen gestehen, wir sind echt neidisch – Burning Man ist ein echt langgehegter Traum!
    Viele Grüße, Micha

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