Trinkhalme sind wie Krieg

Plastik-Trinkhalme sind wie Krieg: böse, überflüssig und es gibt viel zu viel davon. Im Internet findet man Zahlen zum Verbrauch. 40 Milliarden Stück pro Jahr alleine in Deutschland. 50 Millionen täglich in den USA. Wollen wir mal versuchen, das auf die Welt hochzurechnen? So weit kann ich gar nicht zählen. Dass in den USA zu jedem Pups ein Halm mitgegeben wird, kann ich bestätigen. Auf meiner Reise durch Mexiko und nun Guatemala ist es nicht besser. Das Schlimme in diesen Ländern ist aber vor allem der Müll, der an vielen Orten herumliegt. Trinkhalme sind immer dabei. Am Meer, am Strassenrand, überall, wo Kokosnüsse getrunken werden (und das ist wirklich überall).

Nun versuche ich schon seit längerem, weniger Abfall zu verursachen. Trinkhalme stehen ganz oben auf der Liste, denn sie sind nicht einmal nützlich. Was war das für ein Mensch, der sich damals (1888, ich habs gegoogelt – in diesem Jahr hat ein Mann das Patent für den modernen Trinkhalm angemeldet) gedacht hat: Oh, trinken ist so mühsam, ich brauche Hilfe dafür! Ich habe natürlich auch das gegoogelt. Der gute Mann hiess Marvin C. Stone und er hat eigentlich nur darauf reagiert, dass die Menschen damals aus Strohhalmen getrunken haben und das einen ekligen Geschmack hinterliess. Nach Stroh. Warum sie sich das freiwillig antaten, wer weiss das schon.

Auf jeden Fall habe ich beschlossen, dass Plastikhalme keinen Platz mehr in meinem Leben haben. In der Schweiz war das kein Problem, da ist der Service meist so unfreundlich, dass er gar nicht darüber nachdenkt, dir zum mühsam eingeschenkten Getränk noch einen weiteren Gefallen zu tun. Nun auf der Reise ist es aber gar nicht so einfach. Es ist, als wären die Halme Guerilla-Kämpfer, die sich hinter jeder Ecke verstecken, um dich in jedem Moment der Unachtsamkeit zu überrumpeln. Und wenn man mal daran denkt, das Getränk ohne Halm zu bestellen, dann kann man davon ausgehen, dass die liebe Frau das ohnehin nicht vorhatte. Es ist ein Fluch.

Auch schön: Mit einem offensichtlich ausländischen Auto anhalten, locker zum Kokosnussstandbetreiber schlendern und ihm einen Glasbehälter hinhalten, um das Wasser dort hineinzufüllen, anstatt einen Halm zu verbrauchen. Natürlich ist das vorbildlich, aber man kommt sich halt schon vor wie der letzte Gringo.

Aber so ist das mit Prinzipien: manchmal sind sie schwer durchzusetzen und nervig, aber man fühlt sich jedes Mal gut, wenn man sie vertreten hat. Auch bei so (vermeintlich) kleinen Dingen wie Trinkhalmen.

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Wasser aus zwei Kokosnüssen. Beim Abfüllen fragte mich die liebe Frau, ob ich einen Halm dazu möchte.