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Wie viel Geld braucht ihr?

Die haben doch bestimmt reiche Eltern, sonst kann man sich sowas gar nicht leisten! Was wurde uns nicht schon alles nachgesagt. Gleichzeitig erhalten wir via Social Media oft die Frage: Wie viel kostet das eigentlich, so zu reisen wie ihr?

Die Antwort auf diese Frage lautet je nach Person, die man fragt, anders. Auf der Panamericana sind die Lebensentwürfe genauso unterschiedlich wie in jeder Stadt der Welt. Da gibt es Rentner, die sich ein 100’000-Franken-Wohnmobil auf LKW-Basis massschneidern lassen und mitsamt Waschmaschine jahrelang und sehr komfortabel reisen. Da gibt es Hippies, meist Argentinier, die mit irgendeinem Gefährt, das sie im Hinterhof des Onkels fanden, unterwegs sind und dabei Kunsthandwerk verkaufen. In Antigua, Guatemala, trafen wir ein Paar, das gemeinsam mit den zwei Katzen in einem 2CV umherreiste.  Dazwischen findet sich alles andere – und wir. Zwei normale Menschen mit einem alten aber sehr fahrtüchtigen und praktischen Camper, die lange auf diesen Traum der Langzeitreise gespart haben und nun von unterwegs aus arbeiten.

Auch wir fragten uns anfangs, wie viel Geld wir wohl monatlich wohl brauchen würden. Wir schrieben also einige Menschen an und erkundigten uns nach ihrem Budget. Viele wichen der Frage aus und verwiesen auf die ganzen Variablen wie: Benzinverbrauch des Autos, Verschiffungskosten (die nach Volumen des Fahrzeugs verrechnet werden), eigene Vorlieben, Wildcamping oder Campingplatz, Reiseroute, und so weiter.

Heute, nach bald zwei Jahren können wir mit gutem Gewissen sagen: Mit 2000 Franken im Monat ist man dabei, inklusive allem. Das heisst, wenn man ungefähr unterwegs ist wie wir. Wir kochen oft selbst, kaufen eigentlich nur auf dem Markt ein, unser Camper ist vergleichsweise klein, wir campen ab und zu wild, versichert sind wir durch eine internationale Krankenversicherung (das heisst, wir sind abgemeldet in der Schweiz) und wir reisen recht langsam. Wir gehen auch regelmässig zum Mechaniker, essen bewusst gut auswärts und sind insgesamt nicht knausrig oder immer auf den günstigsten Preis aus. Am Ende ist es immer die Balance, die es ausmacht.

In Lateinamerika haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, je nach Land nicht mehr als 20 – 30 Franken täglich auszugeben. Dazu gehört Essen, Einkäufe, Übernachten und die kleinen Dinge wie Maut, Grenzgebühren oder Kaffee. So behalten wir unsere täglichen Ausgaben mehr oder weniger im Griff. Dazu kommen grössere Ausgaben wie Benzin, Mechaniker, Versicherungen aller Art, Verschiffungen, Ausflüge. In den USA waren unsere Ausgaben natürlich viel höher. Aber da wir in Lateinamerika oft keine 2000 Franken pro Monat brauchen, gleicht sich das auf die Länge der Reise in etwa aus.

Brad und Sheena van Orden sind ein Paar aus den USA, das seine Ausgaben während der dreijährigen Weltreise im VW-Bus akribisch notiert hat. Auf ihrer Website drivenachodrive.com teilen sie alle Tabellen dazu. Sie verschifften ihren Bus mehrere Male von Kontinent zu Kontinent und reisten nicht nur durch Länder mit günstigen Lebenskosten. Ihre Reise kostete monatlich im Schnitt 3000 Franken, was überraschend wenig ist für die unglaubliche Strecke, die sie mitsamt Verschiffungen und Motorschaden hinter sich gebracht haben. Wer auf einem oder zwei Kontinenten bleibt, ist mit 2000 Franken monatlich sehr gut bedient.

Fahren mit 2000 monatlich gut und fröhlich in der Weltgeschichte herum: die Vanabundos.

Galapagos günstig auf eigene Faust bereisen

Galapagos. Da kommen einem zuerst Riesenschildkröten in den Sinn – und dann ziemlich schnell die Tatsache, dass die Inseln ohnehin nur im Cruise-Schiff zu bereisen sind. Für fünf Tage zahlt man da schnell mal 3000 Franken pro Person. Geld, das wir nicht haben. Geld, von dem wir auf dem Festland monatelang leben können. Doch je näher Ecuador kam, desto klarer wurde uns, dass die Inseln durchaus individuell erlebbar sind. Steigt man in einem Hostel in Quito ab, berichten die meisten Backpacker mit sonnenverbrannten Nasen und leuchtenden Augen von ihren Erfahrungen auf den Vulkaninseln.

So begannen wir, uns im Internet schlau zu machen. Und durchaus: es gibt viele bezahlbare Unterkünfte und Hostels auf den grossen Galapagosinseln. Flüge gibt es ab Quito oder Guayaquil für etwa 250 Dollar hin und zurück (vom Festland werden nur die Inseln Santa Cruz und San Cristobal angeflogen), wenn man klug und früh genug bucht. Wir waren etwas spontan und haben nur ein paar Tage vorher gebucht. Wir entschieden uns für einen Gabelflug: hin nach Santa Cruz und zurück von San Cristobal. Damit erspart man sich die zwei- bis dreistündige Bootsfahrt, die ziemlich ungemütlich ist und viele Menschen seekrank macht (so auch mich).

Wir reisten also nach Santa Cruz, deren Hafenort überraschend gross ist und verbrachten drei Nächte dort. Dann mit dem Boot nach Isabela für weitere drei Nächte. Ein kleiner Geheimtipp: Von Isabela aus hätten wir zwei der üblen Bootsfahrten nach San Cristobal nehmen müssen. Diese kosten pro Fahrt 30 Dollar und es hätte den ganzen Tag gedauert. Durch einen Zufall hörten wir aber von Direktflügen im Mini-Flugzeug, welche für Touristen je nach Verhandlung zwischen 120 und 170 Dollar kosten. Die Aussicht auf einen Flug im Neunplätzer und die Inseln von oben zu sehen, machte unsere Entscheidung einfach. Ich durfte sogar auf dem Co-Pilotensitz Platz nehmen. Das waren magische 45 Minuten. Und so verbrachten wir drei weitere Nächte in San Cristobal, bis es dann zurück nach Quito ging. Alle Unterkünfte, die wir besuchten, kosteten um die 20 Dollar pro Person. Teilweise haben sie auch offene Küchen – so kann man sich das Essen ab und zu selber zubereiten, wenn man Geld sparen will. Auswärts essen ist im Vergleich mit dem Festland ziemlich teuer, aber wenn man nicht wählerisch ist, findet man in lokalen Restaurants Almuerzos und Menus für 5 Dollar.

Ist man erst einmal auf Galapagos, gibt es unzählige Dinge zu tun. Einerseits kann man vieles auf eigene Faust und zu Fuss oder mit dem Wassertaxi erkunden: Strände wie aus dem Bilderbuch, mit Seehunden und anderen Tierchen schnorcheln, Wanderungen, Riesenschildkröten, Iguanas beobachten, Informationszentren besuchen. Auf der anderen Seite finden sich alle drei Meter Agenturen, die Touren aller Art anbieten. Wir haben zwei grössere Bootstouren gemacht: die Tuneles-Tour auf Isabela und die 360°-Tour auf San Cristobal. Beide hatten alles Nötige inbegriffen, dauerten fast den ganzen Tag und kosteten um die 120 Dollar pro Person. Auf den ersten Blick viel Geld, aber meine Güte, hat sich das gelohnt! Wir sahen unglaubliche Landschaften, erkundeten einsame Traumstrände und schnorchelten uns ins Wildlife-Delirium. Hätten wir die Hände ausgestreckt, hätten wir zwei Meter lange Haie und 1.80 Meter grosse Wasserschildkröten berühren können. Vom Boot aus sahen wir riesige Mantarochen und Delfine. Wir hatten so viele unglaubliche Begegnungen, dass ich wohl nie mehr in einen Zoo gehen kann.

Generell muss das Portemonnaie schon recht locker sitzen auf Galapagos. Der Eintritt in den Park kostet für alle 100 Dollar, dann auf jeder Insel noch einmal zehn und das Wassertaxi, das einen zum grossen Boot bringt, kostet auch immer ein paar Cents. Aber besser man regt sich nicht auf und geniesst die Tatsache, dass man gerade Mitten im Pazifik auf ein paar einzigartigen Vulkaninseln sitzt. Der grosse Vorteil, den wir gegenüber einem Cruise sehen (neben dem finanziellen): Man ist selbstständig und muss nicht einem vorgegebenen Programm folgen. Ausserdem waren wir so zehn Tage auf Galapagos, doppelt so lange wie der Durchschnittscruise.  

Was wir gemacht haben:

Santa Cruz, Puerto Ayora
Las Grietas (gratis)
Darwin Research Center (gratis)
Tortuga Bay  (gratis)
Lavatunnel (gratis)
El Chato Schildkrötenreservat (fast gratis)
Puerto Ayora erkunden (gratis)

Isabela, Puerto Villamil
Tour zu den Tuneles
Concha de Perla (gratis)
Laguna Salinas (gratis)

San Cristobal, Puerto Baquerizo
360°-Tour inkl. Kicker Rock
Galapaguera (gratis)
La Loberia (gratis)
Playa Mann (gratis)
Puerto Chino (gratis)
El Ceibo Treehouse (fast gratis)
Beobachten von und schwimmen mit Seehunden überall (gratis)

 

Dieser Beitrag erschien auch auf 20minuten.ch. 

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Co-Pilotin, halbängstlich, halbaufgeregt: Gabs.

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Wasser wie aus dem Film: Galapagos.

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Grösser und paarungsfreudiger als gedacht: Galapagos-Schildkröten.

Jetzt sind sie auch noch vegan!

Als erstes möchte ich klarstellen, dass mir natürlich bewusst ist, wie gross die Projektionsfläche ist, die ich mit diesem Text aufstelle. Zwei Menschen in einem alten VW-Bus, bereits über 20 Monate unterwegs, sie ab und zu Yogalehrerin, er Musiker – und zu allem Überfluss leben sie jetzt auch noch vegan. Was noch schlimmer ist: Jetzt will sie uns ihre extreme Lebensweise wahrscheinlich auch noch aufbinden. Keine Angst! Das will ich nicht. Ich werde versuchen, so neutral wie möglich über unsere Erfahrungen zu sprechen, die natürlich nie neutral sein können, weil es sich ja um mein Leben handelt. Doch meine Absichten sind keine bösen.

Veganismus. Das Wort klang auch für uns noch sehr extrem und fremd. Das, obwohl ich Vegetarierin bin, seit ich selbst entscheiden darf, was ich zu mir nehme. Sandro hat sich bis vor einem Jahr noch die Cervelat nach Mexiko mitbringen lassen. Was in der Zwischenzeit passiert ist, lässt sich wohl am besten beschreiben mit: schrittweiser, ungewollter Entwöhnung.

Lieber kein Käse

Sandros Fleischkonsum hatte sich bereits auf ein seltenes Minimum reduziert. Und spätestens in Guatemala, wo das Fleisch am Stück in einem Holzhäuschen hängt und die Fliegen mit dem Palmblatt weggewedelt werden, war es um den guten Mann geschehen – auf die schlechte Art und Weise.

Ihnen muss ich ja nicht erklären, dass der Käse ausserhalb der Schweiz nicht zu gebrauchen ist. Da kauft man lieber gar keinen. Das ist es, was wir taten. Wozu zu viel Geld für einen Käse ausgeben, der ohnehin nach nichts schmeckt? Und wo der fehlende Käse anfangs noch ein klaffendes Loch in unserer Geschmackserinnerung hinterlassen hatte, war bald keines mehr.

Da blieben noch die Eier. Supermärkte meiden wir, so gut es geht, um die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Das Problem war dann irgendwann, dass die lokale Bevölkerung ihre Eier nur in 24er-Kartons kauft. Etwas zu viel für uns.

Pommes und Salat

Natürlich, neben all diesen praktischen Gründen, die zu unserer neuen Ernährungsweise führten, gab es parallel auch andere: Gedanken, die wir uns machten, zum Beispiel. Und Informationen, die wir uns miteinverleibten. Die Tatsache, dass wir uns besser fühlen. Ist ein Klischee, stimmt aber zu 100 %.

Schwierig ist es übrigens überhaupt nicht. Wir essen ohnehin recht simpel und frisch. Und auswärts haben wir noch immer irgendetwas gefunden. Ich kenne ja das Vegi-Notfall-Menü Pommes und Salat schon sehr gut, das funktioniert auch als Veganer. Auch die lokalen Spezialitäten lassen sich oft in veganen Versionen finden, wenn man sich die Zeit nimmt. Die haben wir ja glücklicherweise. Es gibt auch eine super App, mit der man vegetarische und vegan-freundliche Restaurants auf der ganzen Welt findet.

Und das als Argentinierin

Was noch lustig ist: jedes Land bisher brüstet sich damit, extrem viel Fleisch zu essen. Und dass es quasi unmöglich sei, als Veganer zu überleben. Doch wir fanden bereits in den kleinsten Dörfern und Vororten von grossen Städten vegane Restaurants. Gerade hier in Kolumbien ist es eine wahre Freude. In der Altstadt Cartagenas zum Beispiel kocht eine Handvoll Grossmütter bereits seit über 15 Jahren vegan-vegetarisch. In den meisten Städten haben sich irgendwo die Hare Krishna niedergelassen und kochen fantastische vegane Mittagsmenüs. In kleineren Orten sind es kleine lokale Familienrestaurants, in denen gesund gekocht wird – was hier so viel heisst wie Vegi-Zeug.  

Übrigens: Ich wuchs in einer argentinischen Familie auf. Wenn ich krank war und mit meiner Mama telefonierte, meinte sie immer: Iss doch bloss ein kleines Stückchen Fleisch, das wird dir gut tun! Als ich Vegi wurde, nahmen sie mich nicht sehr ernst. Wenn die gewusst hätten, was noch auf sie zukommt!

Essen als Veganer mengenmässig viermal so viel und kochen zwölfmal besser als vorher: die Vanabundos.

Essen als Veganer mengenmässig viermal so viel und kochen zwölfmal besser als vorher: die Vanabundos.

Eine analoge Überraschung

Nachdem uns in Mexico die Kameratasche aus dem Van geklaut wurde, blieb uns genau ein analoger Film übrig. Wir wussten nicht, was drauf war, und fuhren ihn fröhlich durch ganz Mittelamerika. Unser Besuch in der Schweiz ermöglichte es uns dann endlich, den Film entwickeln zu lassen. Und oh wie schön: Fotos von unseren ersten Wochen unterwegs rund um Seattle mit unseren Freunden Noëlle und Andi sind drauf und viele vom Burning Man Festival.

Hier alle Fotos, auf denen etwas zu erkennen ist bzw. keine Nippel gezeigt werden – wir schreiben das Jahr 2016:

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Kolumbien im Herzen

Auf Instagram stolperte ich letztens über eine Bar auf Bali, welche sich Pablo’s nennt. Im Logo Pablo Escobar, dargestellt wie ein christlicher Heiliger. Ich war irgendwie schockiert. Einige Wochen zuvor hatten wir eine höchst aufschlussreiche Free Walking Tour in Medellin mitgemacht. Die Schreckensherrschaft Escobars wurde zwar thematisiert, doch seinen Namen sprach der Guide nicht einmal laut aus. Er nannte ihn den bekannten Kriminellen dieser Stadt. Bis auf einige wenige (wie zum Beispiel der Mann, der bis heute täglich das Grab seines patrons fegt, weil er damals ein Haus geschenkt bekommen hatte), hegt kein Kolumbianer positive Gefühle zu diesem Teil der Vergangenheit des Landes. Praktisch jeder Bewohner Medellins hat schon einmal einen Toten gesehen und Familienmitglieder verloren. Sie könnten nicht weiter weg sein von dem Hype, der durch die Netflix-Serie ausgelöst wurde. Stellen Sie sich vor, man würde diesen Menschen erzählen, dass jemand in Bali eine Bar nach dem bekannten Kriminellen Medellins benannt hat.

Gleichzeitig wird das Klischee, Kolumbien bestehe aus nicht viel mehr als Drogen und Kriminellen, natürlich gestärkt. Eine Tatsache, derer sich die Einheimischen sehr bewusst sind. Wir werden oft darauf angesprochen. Sie sagen uns dann, wir sollen unseren Freunden und Familien erzählen, dass Kolumbien schöne Landschaften und Städte habe. Dass Botero und Marquez übrigens auch Kolumbianer gewesen seien. Sie laden uns zum Bier ein und bitten uns, von ihrer Gastfreundlichkeit zu berichten.

Dabei müssten sie das gar nicht. Kolumbien hat sich auf der Liste unserer Lieblingsländer auf den ersten Platz zu Mexiko gesellt. Warum?

Die Menschen

Es ist ein Klischee, dass auf Reisen alle Menschen so nett sind. Aber in Kolumbien sind sie wirklich besonders herzlich und aufgeschlossen. Wir können das sagen, nach über eineinhalb Jahren unterwegs. Auf unseren Fahrten in Kolumbien werden wir alle paar Minuten angehupt, weil die Menschen sich über die fremden Nummernschilder, die ihr Land bereisen, ausserordentlich freuen. Sie winken aus den Autos, zeigen Daumen hoch und sprechen uns in Staus durch das Fenster an. Wo immer wir aufkreuzen, steht bald eine interessierte Gruppe von Menschen um den Bus und fragt uns über uns und unsere Reise aus. Bei unseren zwei Pannen halfen uns fremde Menschen ohne zu zögern. Sogar die Tankwarte wünschen uns täglich, dass Gott uns segne.

Die Vielfalt

Man hat alle zwei Stunden das Gefühl, in einem neuen Land zu sein. Kolumbiens Natur und Landschaften sind unglaublich vielfältig und atemberaubend schön. Die Karibikküste des Nordens, die tiefgrüne Kaffeeregion, die trockenen Paramo-Ebenen mit ihren Kakti oder der Amazonas: hinter fast jeder Kurve wartet die pure Pracht.

Die Dörfer

Aussergewöhnliche Schönheit findet sich auch in den Dörfern und Städtchen des Landes. Die Kolonial-Architektur ist einzigartig und sie wird glücklicherweise erhalten und gepflegt. Gerade wenn man glaubt, das hübscheste Dorf gefunden zu haben, findet man ein hübscheres. Einige unserer Lieblinge: Barichara, Guatapé, Jardin, Filandia, Mongui, Salento und unser absoluter Favorit Villa de Leyva (wohin wir dreimal zurückgekehrt sind).

Die Städte

Cartagena, Medellin, Bogota, Cali: wir liebten sie alle. Und das, obwohl Stadtbesuche mit dem Camper oft etwas mühsam sind. Aber das war es absolut wert. Cartagena war wunderbar als Startpunkt in Kolumbien: fast schon etwas zu herausgeputzt, aber lebendig und im Getsemani-Quartier lässt es sich super länger verweilen. Bogota macht auf den ersten Blick nicht unbedingt an: 10 Millionen Einwohner und dazu auf 3000 Metern über Meer. Doch alleine schon die Dichte an Weltklasse-Museen macht Bogota zu einer top Destination. In Cali lässt sich das authentische Leben in einer kolumbianischen Stadt erleben, ohne vielen anderen Touristen über den Weg zu laufen. Und Medellin: dorthin werden wir kommende Woche zum dritten Mal zurückkehren. Diese Stadt fühlt sich nach ewigem Frühling an mit der Coolness einer jeden Weltstadt.

Sicherheit

Da sich einige bestimmt fragen, wie wir so verrückt sein können, Kolumbien im Camper zu bereisen, weil es doch sicher mega gefährlich ist, möchte ich noch festhalten: Kolumbien gilt mittlerweile als sehr sicheres Reiseland. Wir fühlten uns überall wohl und hatten nie Probleme. Im Gegenteil.

Nicht ganz fünf Monate bereisen wir Kolumbien nun. Wir befinden uns gerade in Popayan, ziemlich weit im Süden. Ecuador ist nur noch einen Fahrtag entfernt. In einem Monat läuft unser (bereits einmal verlängertes Visum) aus. Nun könnten wir bereits den Sprung nach Ecuador machen. Doch gerade gestern entschieden wir, noch einmal nordwärts zu fahren. Es fühlt sich an, als wären wir noch nicht bereit, dieses wundervolle Land zu verlassen. Also drehen wir in den kommenden Wochen eine Ehrenrunde via Cali, Salento und Medellin – einige unserer vielen, vielen Lieblingsorte.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.

 

Die Freiheit, alles zu tun

Am Ende eines Jahres kann man sich fast nicht retten vor all den klugen Sprüchen in den Sozialen Medien: A new year, 365 blank pages. Doch sind die Tage des neuen Jahres wirklich so unvorgeschrieben, wie wir glauben wollen? Da ist der Job, welcher schon fast 300 davon ziemlich planbar macht. Ostern. Dann die Ferien im Sommer. Geburtstage, die gefeiert werden wollen.

Wie es sich anfühlt, tatsächlich vor 365 weissen Seiten zu stehen, erfahren wir gerade am eigenen Leib. Wir haben nichts geplant für 2018. Das meine ich ganz wörtlich: nichts. Da ist keine Route, keine Länderliste, die abgehakt werden muss, keine Sehenswürdigkeiten, die auf einer Bucket List stehen. Bis jetzt hat sich in diesem Jahr noch kein Besuch angemeldet. Festivals stehen auch nicht auf dem Programm. Als Selbstständige wissen wir nicht, wie unsere Auftragslage in diesem Jahr aussehen wird. Wir müssen keine Party schmeissen für Sandro, der kommende Woche 38 wird. Wir müssen auch an keinen Geburtstagsparties teilnehmen, weil wir ja in Südamerika hocken, weit weg von unserem Sozialleben in der Schweiz. Wir wissen nicht einmal genau, was wir morgen tun.

Was löst diese Beschreibung unseres 2018 in Ihnen aus? Denken Sie, dass es Ihnen Angst machen würde? Natürlich haben auch wir manchmal Angst vor dem Ungewissen, wir sind ja keine Hippies. Das Schweizer Sicherheitsdenken ist immer noch sicher verankert in unserem Bewusstsein, auch wenn es sich in den letzten anderthalb Jahren etwas gelockert hat. Vor allem finanziell stehen wir vor der Herausforderung, unser Leben auf Reisen so weiterzuführen wie bisher. Wir leben bereits seit einem halben Jahr von dem Geld, das wir als Selbstständige unterwegs verdienen und hoffen, das auch weiterhin so hinzukriegen.

Auf der anderen Seite steht die pure Aufregung! Wie oft geschieht das schon in einem Menschenleben? Dies ist vielleicht die einzige Chance, die wir haben, so ein Jahr voller echter leerer Seiten zu beschreiben. Quasi aus einem Nichts ein Alles zu machen. Wir können spontan und flexibel sein, wenn wir das denn wollen. Wir können uns auch jetzt hinsetzen und eine Route planen: Flüge checken für Galapagos und entscheiden, ob wir zu Machu Picchu laufen oder fahren.

Doch was wollen wir eigentlich? Mit dem Flow weiterziehen oder lieber schon die Eckpunkte voraussehen? Wir wissen es nicht, wir standen noch nie vor so einem Jahr. 2017 war einfach und verplant: voll von Besuchen aus der Schweiz und sinnbefreiten Visaregelungen in Mittelamerika. Diese ersten Wochen 2018 setzen wir uns deshalb bewusst mit uns selbst auseinander: Um herauszufinden, was wir eigentlich wirklich wollen, wenn wir die Freiheit haben, alles zu tun. Bis dahin geniessen wir weiterhin dieses wunderbare Kolumbien vom Dschungel bis in die Wüste und wieder zurück.

Übrigens kommen wir gerade vom Weihnachtsbesuch in der Schweiz. Nur zwei Dinge kamen uns daheim komisch vor: Dass überall Schweizerdeutsch gesprochen wird und dass die Menschen ziemlich gross sind. Hier in Lateinamerika waren wir es unbewusst gewohnt, die längsten zu sein. In Zürich gehen wir unter.

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Sie haben keinen Plan: Gabriella und Sandro.

Dieser Text erschien zuerst auf 20minuten.ch.

Schnee von gestern

Als wir im Dezember in der Schweiz zu Besuch waren, trafen wir uns mit einigen Freunden in einer Bar, gegenüber unserer alten Wohnung. Ich nahm mir fünf Minuten Zeit, um mit einem Bier an die frische Luft zu gehen und das Ambiente im Quartier zu geniessen. Es war ungefähr 21 Uhr, Dienstagabend. Und dann folgte ein zweiminütiges Spektakel.

Ein 20-jähriger Typ im Hiphop-Look kommt gestresst um die Ecke, und stellt sich vor die Eingangstüre der Bar. Er hatte offensichtlich etwas Kokain geschnüffelt. Er sieht mich an und fragt:


Leo: Hey, hey, meinsch ich cha go pisse da ine?

Sandro: Kä ahnig, ich trink es bier mites paar Fründe da ine, villich gasch go fröge?

Nei – NEI! Chani nöd, ich muess ebe – eigentlich, gar nöd go pisse. Ich blüete. Min Schwanz blüetet, Mann, ich muess churz go luege… (er kommt einen Schritt näher und setzt sich neben mich)

Was? Vo wo chunsch denn?

Us Kosovo. Wohne tueni in Schwamedinge.

Nei, nei, vo wo chunsch jetzt grad?

Mann, bin im Eros-Klub xii, zwei Nutte gvöglet! Zwei, Mann!

Ja aber, wie isch denn das passiert? (und zeige auf seinen Penis)

Bim wichse! Mann, am Schluss, isch wichtig, weisch. Hät sie mir eis gwichset. Sie hät en Ring aghaa, vedammt. Für zwei Läppe Mann. Voll de Fail!

Hä, was für en Ring?

En Fingerring, Mann! Wie bisch denn du druff?

Eh, okay, aber…

He, hee. Wotsch e Linie? Verchauf der e Linie!

Nei merci, alles beschtens, trink da mis Bier. Wie heissisch eigentlich?

Leo, Leo, Mann.

Ich bi de Sandro.

Hey Mann, vo wo chunsch denn du?

Bin uf Bsuech, jetzt gad us Kolumbie zrugg.

Hey Mann, geil Mann. Wotsch kä Linie? Chumm, da nehmemer si, ich schänk dr eini, da gad ufem Tisch, Mann!

Du nei isch guet, ich gah jetzt dänn wieder ad Wärmi.

Hey Mann, wie bisch du denn druff?

Gar nöd, alles easy!

Weisch no wie ich heisse?

Nei, sorry, grad wieder vergässe.

Leo. Leo wiä Deo.

Alles klar, he, demfall. Ich gah wieder ine.

Hey hau doch ab Mann, was isch mit dir falsch? Hey nei! (und zieht fluchend von dannen)


Wir werden oft gefragt, ob Kokain in Kolumbien wirklich so ein grosses Thema ist. Klar ist nach unserem Besuch auf jeden Fall: Zürich hat das grösste Koks-Problem von allen.

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Liebt kolumbianischen Kaffee mehr als alle anderen Exportschlager: Sandro.

Lieblingsorte in Medellin

Street Art in Colombia.

Kolumbien ist ein fantastisches Land und aussergewöhnlich gut hat uns Medellin gefallen. Wir waren zweimal da und haben insgesamt fast drei Wochen dort verbracht. Sandro besuchte täglich vier Stunden lang die Spanischschule Centro Catalina, eine Partnerschule von Boa Lingua. Aus diesem Grund haben wir uns eine Wohnung im Quartier El Poblado, in der Nähe der Schule, gesucht. Hier ein paar Tipps, die wir wärmstens weiterempfehlen können für all diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, in dieser coolen Stadt ein paar Tage oder Wochen zu verbringen.

Das Quartier mit all seinen Cafés und Parks ist wunderbar zu Fuss zu erkunden, vor allem auch, weil das Wetter meist frühlingshaft warm ist. Am Abend lohnt es sich, eine leichte Jacke mitzunehmen.

Restaurants und Co.
Café Zorba
Perfekt für einen netten Abend bei Drinks und Kerzenlicht. Zorba ist cool, die Pizzen erst recht. Sie haben sogar zwei Varianten mit Macadamia-Frischkäse, welche absolut fantastisch sind.

Pergamino Café
Voll von Digitalen Nomaden und Hipstern aller Art, aber der Kaffee dort ist einfach der beste. Ausserdem ist es einfach, sich vom geschäftigen Treiben an den Laptops mitreissen zu lassen und selber für ein paar Stunden konzentriert produktiv zu sein. Wer (gute!) Mandelmilch-Lattes liebt wie Gabs, muss hier hin.

Helecho & Marietta
Zwei kleine, aber superfeine, plantbased Restaurants mit Mittagsmenu. Wir besuchten beide mehrere Male, weil es wohl teurer gewesen wäre, selbst zu kochen. Für umgerechnet 3-5 Dollar pro Person gibts einen frischen Saft, Suppe, Salat, Hauptgang und manchmal Dessert.

Einkaufen
El Poblado ist voll von Shops mit lokalem Design. Ich würde sogar sagen, dass man wohl nirgends eine so gute Qualität (handgemacht, in Medellin gefertigt) für solche Preise bekommt. Seien es Kleidung, Naturkosmetik, Schmuck – die Auswahl ist hip und macht wirklich Lust. Es lohnt sich wirklich, sich einige Stunden Zeit zu nehmen und einfach herumzuschlendern.

Zum Lebensmitteleinkauf gingen wir am liebsten in den neu eröffneten Ceres Organic Market. Dort kriegt man täglich frische Bioprodukte, sehr viel Unverpacktes und man kann ich sogar seine eigene Peanutbutter an der Maschine selber machen.

Tattoo
Wer Lust hat, sich ein permanentes Souvenir zuzulegen, dem möchten wir herzlich die liebe Soy Pirata empfehlen. Ihre Tattoo-Designs sind filigran und mit viel Liebe gefertigt. Ausserdem hat sie eine dieser neuartigen Maschinen, die keinen Lärm machen. Tätowiert wird bei ihr daheim, nur 20 Minuten zu Fuss von El Poblado entfernt.

Tours
Free Walking Tour
Diese Tour führt einen über vier Stunden durch das Zentrum Medellins, wo sich eher wenige Touristen hin verirren. Für uns ist sie ein absolutes Muss, wenn man in der Stadt ist. Die Geschichtenerzähler sind richtig gut und man geht danach mit dem Gefühl nach Hause, dass man die Stadt wirklich kennt und versteht.

Comuna 13
Dieses Quartier war noch vor zehn Jahren unbetretbar und einer der gefährlichsten Flecken der Erde. Bis die Stadt öffentliche Rolltreppen installierte, um der Bevölkerung dort in den steilen Abschnitten das Leben zu erleichtern. Mit dieser Idee, welche nicht nur Befürworter hatte, kamen die Touristen. Die Comuna 13 ist voll von Weltklasse-Streetart, weshalb sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt. Wir haben zwar eine Tour gemacht, würden aber aus jetziger Sicht einfach mit dem Taxi hinfahren und auf eigene Faust herumspazieren.

In Zusammenarbeit mit Boa Lingua

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Auf der berühmten Rolltreppe durch die Comuna 13 unterwegs. Schlürft ein Mango-Eis, lokale Spezialität in der Siedlung.

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Ausblick von der Comuna 13 auf Medellin.

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Und hier: eines der unzähligen Wandkunstwerke in der Comuna 13!

Das kommt Sandro Spanisch vor

Die Geschichte geht so: Sandros Vater ist spanischer Herkunft, aber Sandro hat nie wirklich Spanisch sprechen gelernt. Höchste Zeit also, diese Lücke auf der Reise zu schliessen – zumal wir uns praktisch nur in spanischsprachigen Ländern bewegen. Und was bietet sich hier am besten an? Einfach darauf lossprechen und schauen, was passiert. Durch Sandros passiven Wortschatz und Gespür für Sprachen ging das in diesem letzten Jahr on the road ganz passabel, und seine Skills haben sich seit Mexico schon merklich verbessert. Trotzdem kam es dann und wann immer wieder zu lustigen Momenten, wenn es halt mal nicht so mit dem Spanisch klappen wollte. Ein paar lustige Szenen wollen wir dir nicht vorenthalten:

Sandro am Bankschalter:

An einem Bankschalter in Cartagena, beim Begleichen einiger Rechnungen für die Hafengebühren, ging Sandro schnurstracks zum Schalter und erklärte der Dame Folgendes: Quisiera pagar mis fracturas – zu Deutsch: ich möchte gerne meine Knochenbrüche bezahlen. Er hatte fracturas mit facturas verwechselt.

Sandro beim Aufladen der Prepaid-Karte fürs Handy:

Auch hier war wieder ein unschuldiges r Schuld. Cargar heisst aufladen, cagar hingegen heisst kacken. Hola, quiero cagar mi movil – Ich würde gerne mein Handy scheissen.

Sandro im Restaurant:

Ruf dem Kellner Schrimp zu und schaue, was passiert. Oder: der feine Unterschied in der Aussprache zwischen camarero (Kellner) und camaron (Schrimp) – buen provecho!

Nach einem Jahr lustiger Anekdoten war es nun an der Zeit, Sandros Spanisch auf ein nächstes Level zu hieven – quasi weg von der Strasse. Wir machten zwei Wochen lang Halt in Medellin und Sandro besuchte zwei Wochen lang jeweils nachmittags das Centro Catalina, die dortige Partnerschule von Boa Lingua. Die vier Stunden Privatunterricht pro Tag haben sich gelohnt: Er konnte viele Unsicherheiten aus dem Weg räumen und die ein oder andere Baustelle in der Grammatik (Stichwort Subjuntivo) schliessen. Es gefiel ihm so gut, am liebsten wäre er länger geblieben.

Aber leider müssen wir weiter, nämlich in Richtung Schweiz, zumindest über Weihnachten.

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In Zusammenarbeit mit Boa Lingua.

24/7 zusammen – wie hält man das als Paar aus?

Wenn wir Freunde zu Besuch haben oder wenn ich mit einer Freundin telefoniere, kommt diese eine Frage immer mal wieder: Wie haltet ihr das aus, ständig zusammen zu sein? Ist es nicht viel zu eng in eurem Bus? Habt ihr überhaupt noch etwas zu besprechen?

So lange miteinander unterwegs zu sein klingt tatsächlich sehr viel schlimmer, als es ist. Ja, wir haben jeden einzelnen Tag und fast jede Nacht (ausser als meine Schwester zu Besuch war – da haben wir Frauen im Bus und Sandro im Zelt geschlafen) zusammen verbracht. Und nein, wir streiten nicht ständig. Hier kommen unsere Erkenntnisse in Sachen Paarbeziehung und Langzeitreise.

  • Wir reden so viel miteinander wie nie. Einerseits, weil Kommunikation extrem wichtig ist. Andererseits, weil wir Dinge erleben, die im Gespräch viel besser verarbeitbar sind. Beim Fahren hören wir zwar oft Podcasts, aber die meiste Zeit verbringen wir in Unterhaltung über Pläne, Erlebtes und Dinge, die wir sehen. Wir staunen zusammen.
  • Die Gefahr, als Paar zu einer einheitlichen Masse zu verschwimmen, ist natürlich gross. Umso wichtiger ist es, dass jeder sein eigenes Leben lebt. Also beispielsweise eigene Telefonate mit Daheim führt und nicht immer zu Zweit. Sandro zieht sich fast täglich zurück, um Gitarre zu spielen oder zu joggen.
  • Alle denken, wir stehen uns im Bus auf den Füssen herum. Tatsächlich verbringen wir vergleichsweise sehr wenig Zeit im Bus. Campen heisst in erster Linie, Zeit im Freien zu verbringen. Und dort läuft man eigentlich nie Gefahr, sich eingeengt zu fühlen.
  • Die meisten kennen das aus Beziehungen: Man streitet, Türen werden geknallt, einer schläft auf dem Sofa. Das Türenschlagen ist für uns leider nur begrenzt möglich bei der schlecht geölten Schiebetür. Und ein Sofa haben wir auch keins. Wir sind also sozusagen gezwungen, uns vor dem Schlafengehen zu versöhnen. Und wenn wir das mal nicht geschafft haben, schweigen wir uns eben nebeneinanderliegend an. Was meist ohnehin so lächerlich ist, dass wir uns doch noch versöhnen.
  • Über die kleinen Dinge streiten wir eigentlich nicht mehr. Wir haben beide unsere Rollen, in die der andere nicht reinredet. Sandro schaut, dass wir immer Bargeld dabei haben, regelt Besuche beim Mechaniker, plant Routen, macht morgens Kaffee. Ich halte die Vorräte voll, lese alles Wissenswerte über das Reiseland, aktualisiere Podcasts und schreibe Texte wie diesen hier. Alles, was wir gemeinsam machen, besprechen wir.
  • Wir haben das Glück, ein ziemlich ähnlicher Schlag von Mensch zu sein. Wir mögen die meisten Sachen, die der andere mag und haben vergleichbare Routinen. Auch streiten wir beide nicht gerne. Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine Ausnahmesituation, als Paar so unterwegs zu sein. Wir haben schon viele Paare im Streit erlebt, die so unterwegs sind wie wir. Da fliegen die Fetzen quasi aus der Wohnwagentüre auf den Campingplatz und alles, was einem als Nachbar bleibt, ist, im richtigen Moment mit einem kühlen Bier bereitzustehen. Wir sitzen alle im selben Boot.

Eigentlich ist es wie überall im Leben. Wer seine Erwartungshaltungen im Griff hat und sich selbst gut genug kennt, um nicht alles am Partner auszulassen, wird es auch auf der Langzeitreise wunderbar gemeinsam deichseln. Schlussendlich ist es ein Geschenk, mit dem Lieblingsmenschen so viel Zeit verbringen zu dürfen. Wenn ich daran denke, wie oft wir aneinander vorbeigelebt haben, als wir beide noch Vollzeit arbeiteten – bin ich jetzt durchaus dankbar, diese Erlebnisse gemeinsam zu machen.

Seit einem Monat befinden wir uns nun in Kolumbien, dem wohl schönsten Land bisher für Überlandreisende. Hier bleiben wir bis 2018. Und dazwischen geht es auf einen Weihnachtsbesuch in die Schweiz. Auf den Winter freuen wir uns nicht wirklich, dafür umso mehr auf unsere Liebsten!

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8 Tipps zum Wild- und Urban-Camping

Du hast einen Camper, aber kein Geld? So übernachtest du gratis in der Stadt und auf dem Land.

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Frag einfach

Klingt offensichtlich, muss man aber erst mal machen! Wenn dir ein Fleckchen Erde für eine oder zwei Nächte zusagt, kannst du dich nach dem Besitzer umsehen. Wenn du offen und nett auf ihn zugehst, ist es meist kein Problem – egal wo auf der Welt. Vorteil: Sicherheit. Anwohner fragen ist auch eine gute Möglichkeit, um abzuchecken, ob ein angepeilter Ort sicher ist.

Ressourcen anzapfen

iOverlander und freecampsites.net sind zwei gute Apps bzw. Websites, in die Camper aus aller Welt gute Wildcampingplätze eintragen.

Genau hinschauen

Camping in der Stadt kann zunächst etwas angsteinflössend sein. Aber wenn du dich mal daran gewöhnt hast und gut schläfst, ist es ziemlich cool. Du hast dir also einen tollen Strassenparkplatz in einer Stadt gewählt und planst, dein Haus auf Rädern nach Einbruch der Dunkelheit aufzusuchen und darin zu schlafen. Sieh dich zuerst nochmal um: Stehst du auch nicht unter einer Strassenlampe? Die sind nämlich zu vermeiden, wenn du nicht im Spotlight stehen willst (um nicht erkannt zu werden, aber auch, um überhaupt schlafen zu können). Wenn du keine Toilette im Camper hast, dann halte schon einmal nach einem Café oder so Ausschau, das du dann am Morgen aufsuchen kannst.

Rein mit allem

Es gibt (fast) nichts Schlimmeres, als im Van zu liegen und nicht schlafen zu können, weil man Angst hat, dass die Velos oder die Surfbretter, die aussen angemacht sind, geklaut werden können. Tatsache ist: Es ist eine berechtigte Angst. Stelle deshalb sicher, dass dein Zeug wirklich sicher befestigt ist, oder finde eine andere Lösung und lege die Bretter zum Beispiel jeweils über Nacht hinein. Du wirst viel ruhiger schlafen.

Cockpit offen lassen

Wenn du einen Van hast, dann finde eine Möglichkeit, einen Sichtschutz zwischen Cockpit und Wohnraum zu installieren. Wenn du dann noch die Fenstervorhänge zumachst und das Licht ausschaltest, wird niemand vermuten, dass hinten jemand drinliegt.

Obacht bei Hitze

Wenn es in der Nacht zu heiss ist, um Fenster und Türen zu schliessen, ist es meist sinnvoller, sich einen sicheren Übernachtungsplatz zu organisieren. Denn wenn es zu heiss zum schlafen ist, die Löcher aber aus Sicherheitsgründen zu bleiben müssen, macht es wirklich keinen Spass mehr.

Auf Achse bleiben

So wunderbar ein Übernachtungsplatz auch ist: Bewege dich immer mal wieder weiter. Vor allem in Städten. Anwohnern fällt gut und gerne auf, wenn da seit zwei Nächten ein Van vor ihrem Haus steht. Besser regelmässig wieder die Strasse oder Nachbarschaft wechseln, wenn man in einer Stadt ist. Das erhöht auch die Sicherheit.

Halte Ausschau

Sei aufmerksam, wo du andere Camper ausserhalb von öffentlichen Campingplätzen siehst. In den USA beispielsweise übernachten viele Reisende auf Walmart-Parkplätzen, wo sie fast im ganzen Land geduldet werden. In Lateinamerika sind Tankstellen mit Nachtparkplätzen für LKW-Fahrer eine gute Möglichkeit.

Du findest diese Tipps nützlich, hast aber noch einige offene Fragen? In unserem eBook beantworten wir die 100 häufigsten Fragen zu uns, der Reise und unserem Van! Lies hier alle 100 Fragen, die beantwortet werden. Das eBook ist spendenbasiert zu haben.

Wildcamping in Costa Rica.

Wildcamping in Costa Rica.

Pannen auf dem Weg nach Südamerika

Nicht, dass wir uns nicht schon daran gewöhnt hätten, mit Verspätungen, langsamen Prozessen und Unerwartetem umzugehen. Nach über 14 Monaten unterwegs bringt uns nichts mehr so schnell aus der Ruhe. Denn am Ende hat noch alles irgendwie funktioniert.

In Panama verbrachten wir die Zeit vor der Verschiffung nach Kolumbien hauptsächlich an der Pazifikküste. Las Lajas ist der längste Strand Zentralamerikas: 20 Kilometer nur Palmen und Sand, quasi unbewohnt. Wir stellten uns vor das einzige Hostel weit und breit und erholten uns von Strassenlärm und zu vielen Menschen. Friedlich. Bis auf die eine Nacht, in der wir um 2 Uhr morgens geweckt wurden, weil in Mexiko ein Erdbeben einen potenziellen Tsunami ausgelöst haben könnte. Glücklicherweise war die Hostelbar noch offen: Wir schnappten uns ein Bier und verfolgten die Nachrichten. Um uns hatten wir keine Angst, aber wir hatten wirklich keine Lust, dass eine etwas höhere Welle unseren Bus überschwemmt. Einige Stunden später wurde die Warnung aufgehoben und wir gingen bei Sonnenaufgang wieder schlafen.

In Panama City starteten wir sofort mit dem Papierkram um die Verschiffung. Als erstes stand ein Besuch bei der Polizei zur Inspektion an. Wartezeit: 90 Minuten. Inspektionszeit: vier Sekunden. Wir befuhren den Puente de los Americas; die Brücke, die Nord- mit Südamerika verbindet. Wir besuchten den Panama-Kanal und stellten aufgeregt fest, dass unser Büssli ja schon einmal hier gewesen war, bei der Verschiffung von Europa an die US-Westküste vor über einem Jahr.

Colon liegt etwa 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt und ist Hauptumschlagsplatz für Container und Frachten aller Art. Da unser Auto nicht in einen normalen Container passt, haben wir uns entschieden ihn via Roll-on-Roll-off zu verschiffen. Das heisst, man stellt das Auto in den Hafen, er wird auf den Frachter gefahren und dann wieder runter. Das Problem: Die Schlüssel stecken während der mindestens drei Tage in den Häfen am Auto – jeder kann ihn betreten. Zu diesem Zweck hatten wir uns noch in Las Lajas von einem netten pensionierten Holländer namens Rudi eine provisorische Trennwand hinters Cockpit bauen lassen. Die Türen hinten wurden mit Vorhängeschlössern versehen.

Wir holten Dokumente und Stempel bei vier verschiedenen Stationen am Hafen ab. Am Ende wurde der Wagen noch von einem Drogenhund und einem Inspektor durchsucht. Bei dieser Gelegenheit entdeckte der Mann einen Federhut, den wir noch von unserem letztjährigen Besuch am Burning Man Festival herumfuhren. Es un pollo? Ist das ein Huhn? Er klang nicht einmal überrascht. Dieser Inspektor hatte wohl schon einiges in seinem Leben gesehen, da kam ihm ein Huhn im Schrank nicht völlig absurd vor.

Den Flieger von Panama City nach Cartagena verpassten wir. Einen Tag vorher hatte es einen Stromausfall am Flughafen von Panama City gegeben, darum warteten jetzt doppelt so viele auf ihre Weiterreise. Dazu kamen all die Leute, deren Flugzeug nach Mexiko nicht abhob, da es abermals ein Erdbeben gegeben hatte. Wir warteten geduldig in unserer Schlange, wohl etwas zu geduldig. Am Check-in-Schalter angekommen, war unser Flug bereits beim Boarden. Wir hatten allerdings grosses Glück und bekamen noch die letzten beiden Sitze für den Abendflug. Zehn Stunden am Flughafen von Panama City: Nicht gerade ein Wunschtraum, aber es gibt Schlimmeres.

Nun sind wir schon eine Woche in Cartagena. Das Schiff hatte wegen der Hurricanes in der Karibik Verspätung, darum erreichte unser Bus Kolumbien erst gestern. Wir hoffen, ihn übermorgen (mitsamt Inhalt) abholen zu können. Kostenpunkt: um die 1300 Dollar, exklusive Flüge und Hotel. Und dann: Wartet ein neuer, riesiger Kontinent auf uns!

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Am Flughafen in Panama City. 

Selbstständig machen auf Reisen

14 Monate werden wir bereits unterwegs sein, wenn unser Bus Ende September auf einen riesigen Tanker gefahren und von Panama City nach Cartagena in Kolumbien verfrachtet wird. Der Preis für diesen einen Tag auf See wird demjenigen von Europa in die USA (vier Wochen) ziemlich nahe kommen. Eine Investition, sozusagen. In unsere Reise, die sich ab dann auf dem Südamerikanischen Kontinent abspielen wird.

Nach all den Grenzübergängen in ziemlich knapper Zeit und eher kurzen Routen in Mittelamerika, freuen wir uns auf Weite und Aufenthaltsdauern von 90 Tagen pro Land. Doch um ehrlich zu sein: Wir verspüren gerade keine grosse Lust auf das Abenteuer Verschiffung. Der Aufwand, das Geld, Behörden – all das wegen eines klitzekleinen, unbefahrbaren Abschnitts zwischen Panama und Kolumbien von 110 Kilometern, der sich Darien Gap nennt.

Es hat wohl damit zu tun, dass wir gerade einen sehr schönen Reise-Rhythmus gefunden haben. Wir sind vergleichsweise langsam unterwegs, bleiben oft eine Woche am selben Ort, lesen und lernen viel. Dazu arbeiten wir seit einigen Monaten von unterwegs – da wir nun, anstatt der geplanten eineinhalb Jahre, mindestens zweieinhalb Jahre bis Argentinien unterwegs sein werden.

Die Frage nach der Finanzierung einer solchen Reise ist eine oft gestellte. Natürlich haben wir gespart, doch diese Ersparnisse waren auf eineinhalb Jahre ausgelegt. Nun finden wir gerade heraus, wie es ist, sich selbstständig zu machen – und das auf einem anderen Kontinent. Zum einen haben wir ein eBook geschrieben, in welchem wir die 100 häufigsten Fragen zu unserer Reise beantworten. Dies lief trotz Spendenbasis ziemlich gut an. Zum anderen freelancen wir als Journalisten und im Text- und Contentbereich, was sich aus der Distanz als nicht ganz einfach erweist. Doch langsam kommt die Sache ins Rollen. Und: Es macht Spass! Wir lieben es, Cafés aufzusuchen und einige Stunden zu arbeiten. Die einzige Herausforderung ist natürlich die Internetverbindung an abgelegenen Orten. Gerade befinden wir uns im panamesischen Las Lajas. Dieser 20 Kilometer lange Strand ist völlig leer, es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Wir haben ein Hostel gefunden, welches uns vor dem Haus campen lässt – und dabei den Jackpot ergattert: fantastisches Wifi! Das hier sind wirklich Traumbedingungen, was natürlich alles andere als selbstverständlich ist.

Ihr seht, da ist nicht nur die Verschiffung, um die wir uns in der kommenden Woche kümmern müssen und werden. Da ist auch ein kleines Freelance-Business, das aufgebaut werden will. Es ist aufregend und lehrreich und natürlich, manchmal verunsichernd. Doch jetzt ist die Ausgangslage ideal: wir haben die Zeit, die Musse, tiefe Lebenskosten und alle Freiheiten der Welt.

Noch vor einem Jahr hätten wir nicht gedacht, dass wir uns unterwegs so intensiv mit diesen Fragen beschäftigen würden. Selbstverständlich gehört diese vermeintliche Unsicherheit auch ein Stück weit dazu. Aber alleine die Tatsache, dass wir diesen Schritt wagen, gibt uns ein gutes Gefühl. Weil wir tun, anstatt nur darüber nachzudenken – und zwar weit ausserhalb unserer Komfortzone.

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Lieblingskommentar:

Andi Fire: Stimmt,aber bitte nicht pleite nach Hause kommen und die Sozialwerke in Anspruch nehmen.

Alles zu Nicaragua

Aufenthaltsdauer

Vom 90-Tage-Kontingent der CA4-Länder blieben uns für Nicaragua: etwas mehr als vier Wochen.

Route

El Paraiso – Leon- Las Penitas – Granada – Laguna de Apoyo – Masaya – Managua – Granada – Playa Maderas – San Juan del Sur – Ometepe

Ein paar Notizen 

Der Grenzübergang war eher chaotisch, und zwischenzeitlich standen wir auch mal ohne Pässe da, weil ein Grenzbeamter den Pass von Liechtenstein noch nie gesehen hatte, schnurstracks abmarschierte ohne verlauten zu lassen, wie lange diese Abklärungen dauern würden. Es ging dann aber alles fix über die Bühne, Gabs setzte sich ans Steuer und wir fuhren direkt nach Leon. Dort haben wir uns bei der Feuerwehr auf dem Parkplatz eingemietet – für 3 Franken pro Nacht. Easy. Das Kolonialstädtchen ist recht hektisch, hübsch, und irgendwie haben wir uns gleich wohlgefühlt, dort Freunde aus den USA getroffen und lustige Kinofilme geschaut (Baywatch, Super Woman).

Am Strand von Las Penitas haben wir ein paar Tage übernachtet, am eBook gearbeitet und die Weiterreise geplant. Die führte uns zum Beispiel zweimal nach Granada, einer Disney-Land-Kolonialstadt wo wir auf dem Parkplatz des Roten Kreuzes übernachtet haben (für zwei Franken pro Nacht = mehr Budget für coole Cafés), oder an die Laguna de Apoyo, einem fantastischen Flecken Erde direkt an einem Vulkankratersee mit dem klarsten Wasser, das wir jemals ausserhalb der Karibik gesehen haben.

Zudem durften/konnten/mussten  wir:

– das erste Mal in unserem Leben in einen aktiven Vulkankrater schauen (Masaya)
– im Bus zwei Tage in einer Autogarage auf einer Autohebebühne übernachten (in Managua, wo wir neue Stossdämpfer einbauen liessen)
– Fieber haben (Sandro in Playa Madeiras einen Tag, Gabs auf der Isla de Omepete länger als drei)
– den Bus auf einem kleinen Schiff auf die Vulkan-Insel Ometepe und wieder zurück verschifft
– hat Gabi in Playa Madeiras ein Opossum in einer Mülltonne befreit und es so vor dem sicheren Tod in der Büchse bewahrt <3

Und in San Juan del Sur haben wir einfach Zmittag gegessen.

Sicherheit

Auch in Nicaragua fühlten wir uns sicher – unsere Route führte uns auch immer an Plätze, wo wir nicht wildcampierten, also eigentlich immer mit Securitypersonal über Nacht easy verweilen konnten. Es wird von „unzähligen korrupten Polizeikontrollen berichtet“ – wir haben keine einzige gesehen.

Wasser

Uns wurde abgeraten, im nördlichen Teil von Nicaragua Leitungswasser zu trinken. Zudem erhielten wir den Hinweis, das Gemüse und Obst besonders gründlich zu waschen sei, weil es in der Regenzeit vermehrt zu Verschmutzungen der landwirtschaftlichen Flächen kommen könnte und ebenfalls das Grundwasser davon betroffen sei. Deshalb haben wir die bewährten 20-Liter-Behälter an Tankstellen gekauft und in unseren Wassertank abgefüllt. Für 2-3 Franken kommt man hier problemlos an Wasser. Erwischt hat uns der Käfer aber trotzdem, wir konnten aber nicht herausfinden, was es schlussendlich genau war.

Preise

Die nicaraguanische Währung ist der Cordoba. Das Preisniveau war in etwa mit Honduras und El Salvador vergleichbar und damit immer noch recht günstig. Das Warenangebot ist etwas grösser als in den beiden Länder zuvor – hier meinen wir vor allem das Supermarktangebot. Benzin ist günstig – rund ein Franken pro Liter.

Fazit

Nicaragua ist ein fantastisches Overlander-Land, das einfach zu bereisen ist. Hübsche Kolonialstädte, fantastische Strände (in der low season hat man überall viel Platz, vor allem an den Stränden) und sehr einfache Möglichkeiten, Vulkane zu besichtigen. Während fast 10 Tagen mussten wir uns von unseren Magen-Darm-Zirkus erholen, was unsere Reisepläne etwas beeinträchtigt hat. Besonders gut gefallen hat uns der progressive Vibe: das erste Mal sahen wir junge Paare zusammen auf der Strasse, sehr lebendige Fester mit feierlichen Reden zum Aufbruch im Land und die vielen Ökostromwindanlagen – ein absolut vorbildlicher Schritt, den Nicaragua hier im Rahmen des CO2-Veringerungs-Abkommens macht. Das einzig Komplizierte war dann die Ausreise nach Costa Rica – dies nur deshalb, weil der Grenzübergang sich auf ca. 2km erstreckt und es sehr schwierig ist, an die richtigen Checkpoints zu kommen. Für 5 Dollar spart man sich mit einem Helferlein eine Menge Zeit und Nerven.

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Ometepe.

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Adios Ometepe.

Wie Instagram die Camperreise bereichert

Früher traf man sich auf dem Campingplatz. Später in Foren. Heute ist Instagram die wohl grösste Plattform für Menschen, die im eigenen Fahrzeug verreisen und darin leben. Welche Rolle kann die App spielen, wenn man sie bespielt?

Nächste Destinationen: El Salvador und Honduras. Ein noch weitgehend blinder Fleck in unserer Wahrnehmung. Ist es nicht ziemlich gefährlich dort? Was gibt es zu sehen, zu essen, zu erleben? Mal schauen, wo andere Panamericana-Reisende waren. Ich öffne Instagram und scrolle durch die Profile von Menschen, die wir unterwegs kennengelernt haben und solchen, deren Gesicht und Gefährt uns nur durch die App bekannt geworden sind. Da gibt es solche, die beide Länder auf schnellstem Weg durchfahren und andere, die Wochen und Monate dort verbracht haben. Letztere zeigen Fotos von kühlen Bierflaschen vor eindrücklichen Sonnenuntergängen, dem Meer und allerlei Dschungelgetier. Die Übernachtungsplätze sehen schön aus. Ich denke: Wenn die da waren, dann müssen wir uns keine Sorgen machen. Weiterlesen

Kleine Tipps und Tricks

Viele Leute meinen, wir wissen gar nicht mehr, welcher Tag gerade ist. Die Wahrheit ist: Wir wissen es wohl noch besser als vorher! Dass wir immer in den Kalender schauen sollten, wurde uns bewusst, als wir eines samstags von San Francisco aus auf dem Highway 1 in Richtung Süden fuhren. Natürlich hatte halb Kalifornien dieselbe Idee an diesem schönen Sommertag.

Seitdem achten wir immer darauf, nicht am Wochenende zu fahren. Das hat den Vorteil, dass man dem Wochenendverkehr entgeht, aber auch zu vielen Menschen an Stränden, auf Wanderwegen oder in Städten. Weiterlesen

Dort sind doch alle kriminell!

Nach einigen Monaten unterwegs von Nord- nach Südamerika haben wir ein Muster festgestellt. Egal wohin wir unterwegs sind, wir werden immer davor gewarnt. In den USA warnte man uns eindringlich vor Mexiko (O-Ton von einer eigentlich netten Frau: “Die sind alle kriminell!”), die Mexikaner warnten uns jeweils vor dem nächsten Bundesstaat und erst recht vor Guatemala, die Guatemalteken vor El Salvador, und so weiter. Anfangs nimmt man die Warnungen ernst und fährt mit einem komischen Gefühl weiter. Aber je öfter wir sie hören, desto weniger beunruhigen sie uns, denn es ist tatsächlich noch nie etwas eingetreten. Weiterlesen

Alles zu Honduras

Aufenthaltsdauer

Leider nur knapp zehn Tage. Da man insgesamt nur 90 Tage Aufenthalt in Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador erhält, mussten wir auf diesem Teil der Route etwas Gas geben.

Route

San Ignacio – Gracias – Lago de Yojoa – Tegucigalpa – Danli – El Paraiso

Ein paar Notizen 

Weil Honduras auf dem Weg nach Nicaragua sowieso durchquert werden muss, haben wir uns dafür entschieden, nicht direkt östlich nach El Salvador durchzubolzen, sondern über den Süden von Honduras nach Nicaragua zu fahren – wenn man schon mal da ist. Zudem hatten wir keinen Bock, an einem Tag von El Salvador auszureisen, in Honduras ein- und auszureisen und direkt nach Nicaragua zu fahren – ein Grenzübergang pro Tag ist genug.  Auch hier: nach El Salvador waren wir etwas entspannter was die „Gefährlichkeit“ dieses Landes betrifft. Fakt ist, dass sich die oft zitierte Mord-Statistik vor allem auf zwei, drei Orte im Norden (Richtung Karibik) beschränkt.

Wir fuhren nach dem eher langwierigen Grenzprozedere direkt nach Gracias. Die Fahrt zeigte uns Honduras bereits von einer sehr schönen Seite: weite, hügelige Landschaften, Pinienwälder, Strassen in bestem Zustand – so macht Roadtrippen Spass. Nach einer recht langen Anfahrt kehrten wir in der Finca Bavaria in Gracias ein. Der Stellplatz ist bei Overlandern beliebt, weil er direkt im Herzen des Kolonialstädtchens liegt. In Gracias haben wir vier Tage verbracht und waren vor allem für unser eBook produktiv. Dabei haben wir uns in der Regel vormittags in einem Kaffeeturmhaus und den Rest des Tages sonstwie im Städtli verbracht. Gracias wird nicht von so vielen Touristen besucht und wir spürten, dass wir etwas auffielen. Wir erlebten dort einige Stromausfälle, was in Sachen eBook schreiben etwas mühsam war, uns aber auch zwang, Pausen einzulegen. Am letzten Tag war das auch der Grund, weshalb wir nicht nochmals ins Turmkaffee gingen: kein Strom, also kein Internet.

Wir entschlossen uns, direkt in die nahe gelegenen Thermalbäder zu fahren. Ein richtiger Entscheid, denn wir hatten die ganze Anlage für uns! Wir chillten und setzten unsere Dusch-Zeitrechnung wieder zurück auf 0. Kaum Kaffee bestellt nach dem Bade, fuhren vier Schulbusse ein: Horden von Schülern stürmten die Bäder – wir suchten das Weite. Das nächste Ziel war der Lago de Yojoa: ein beliebter Ausflugsort. Der idyllisch gelegene See liegt am Fusse von diversen Minen und wird deshalb oft noch von Schwermetallen belastet – mit Baden haben wir also nicht gerechnet. Eine gemütliche vierstündige Anfahrt bis zum See, einkaufen unterwegs und ab zum ersten Campground, inmitten des Dschungels. Sah aus wie in Disneyland: Wanderwege, alle Bäume beschriftet, viele schöne Brüggli über Flüsse – hübsch! Aber eher für ältere Semester, wie wir finden. Hier auf diesem Platz wurden wir nach dem Regen von tausenden fliegenden Ameisenfaltern gejagt: nur mit dem T-Shirt fuchtelnd gelang es uns, in den Bus zurückzukehren: ein paar Dutzend Viecher schafften es trotzdem in den Van und wir hatten etwas Arbeit im Nahkampf.

Am nächsten Tag spazierten wir 300 Meter zurück auf dem Weg und fanden einen etwas attraktiveren Ort zum übernachten: eine riesige Wiese, geschützt von einem Wärter, direkt vor einer lokalen Brauerei. Recht hip und für Backpacker ausgestaltet, haben wir uns gleich wohlgefühlt. Zurück zum Luz, Sachen gepackt: adieu et merci, ab zum Bier! Wir genossen den easy Vibe, das gute Essen und die feinen Biere – natürlich. Werkelten weiter am eBook und planten die nächsten Tage. Eine weitere vierstündige Fahrt stand vor uns und führte an der Hauptstadt Tigucicalpa vorbei: sollte. Wir haben es wiedermal geschafft, wie in Mexico City und Guatemala City, die falsche Ausfahrt zu erwischen und durchquerten die Stadt zweimal, bis wir endlich rausfanden. Danach gings nach Danli – einem Vorort, wo viele Grenzgänger übernachten bevor sie nach Nicaragua einreisen.

Benzin, Strassen und Autofahren

Auch hier gilt praktisch dasselbe wie für El Salvador: Benzin hat ess überall, im gleichen preislichen Segment, die Strassen sind top. Honduras ist viel grösser als El Salvador und bietet deshalb etwas spektakulärere Weitsichten bei den schönen Passfahrten, die ziemlich an die Schweizer Berge erinnern! Verkehr absolut moderat.

Sicherheit

Die Sicherheitsleute stehen weiterhin überall gut präsent vor Lokalen, Tankstellen, Geldautomaten. Aber ansonsten, weil man es sich ja gewöhnt ist, gibt es nichts weiteres zu berichten. Wir fühlten uns sehr wohl!

Wasser

Trinkwasser zu kaufen ist praktisch an jeder Ecke möglich. Leitungswasser ist okay für Abwasch oder Duschen – aber kann nicht unbehandelt getrunken werden..

Preise

Die hondurianische Währung heisst Lempira. Das Preisniveau ist mit El Salvador vergleichbar und damit recht günstig. In Gracias assen wir jeweils für umgerechnet 2 Dollar pro Teller zu Mittag inklusive Getränk (siehe Foto unten).

Fazit

Honduras hat viel mehr zu bieten, als was wir hätten sehen und erleben können! Wir haben uns wegen der 90-Tage-Regel nur eine Woche im Land aufgehalten und dies eigentlich nur an zwei Orten – die haben uns aber fantastisch gefallen. Die Ruinen von Copan haben wir ausgelassen, weil es nicht auf dem Weg lag und wir nach Mexiko und Guatemala doch schon mehr als eine Handvoll Ruinen gesehen hatten.

Fotos haben wir leider fast keine gemacht. Wie immer, wenn wir ganz im Moment leben. Gäbe es Instagram nicht, würden wir wohl nie welche schiessen. Schreiben ist einfach viel eher unser Medium, sorry!

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Vegi und fein. Zwei Franken für dieses Tablett.

 

So ist das Leben im Van wirklich

#Vanlife ist das Trendwort des Jahres. Doch wie viel hat das wahre Leben mit jenem auf Instagram zu tun? Antworten nach einem Jahr on the road in Nord- und Mittelamerika.

(diesen Artikel schrieb Gabriella im Juli 2017 für das Online-Magazin ze.tt)

Ein Jahr ist es her, seit mein Freund und ich unseren Bulli am Hafen in Seattle abgeholt haben, um ihn nach Südamerika zu fahren. Diese Zeilen schreibe ich nach 25’000 Kilometern aus Nicaragua. Ungefähr so viel haben wir noch vor uns, wenn wir irgendwann in Patagonien ankommen wollen. Daheim in der Schweiz wartet nichts auf uns: die Jobs haben wir gekündigt, Wohnung und Möbel abgegeben. Weiterlesen

Wie ich mich in diesem Jahr verändert habe

Selten erhält man die Möglichkeit, ein vergangenes Jahr so klar zu sehen, wie wenn man ein Jahr weg war. Nicht nur das Jahr, die Erlebnisse, an sich, sondern auch sich selbst, als Person.

Ich glaube nicht, dass sich mein Charakter sehr verändert hat in dieser Zeit. Er hat sich höchstens geschärft. Mein Tun aber, meine Einstellung zu gewissen Dingen, das hat sich massiv verändert. Weiterlesen