Selbstständig machen auf Reisen

14 Monate werden wir bereits unterwegs sein, wenn unser Bus Ende September auf einen riesigen Tanker gefahren und von Panama City nach Cartagena in Kolumbien verfrachtet wird. Der Preis für diesen einen Tag auf See wird demjenigen von Europa in die USA (vier Wochen) ziemlich nahe kommen. Eine Investition, sozusagen. In unsere Reise, die sich ab dann auf dem Südamerikanischen Kontinent abspielen wird.

Nach all den Grenzübergängen in ziemlich knapper Zeit und eher kurzen Routen in Mittelamerika, freuen wir uns auf Weite und Aufenthaltsdauern von 90 Tagen pro Land. Doch um ehrlich zu sein: Wir verspüren gerade keine grosse Lust auf das Abenteuer Verschiffung. Der Aufwand, das Geld, Behörden – all das wegen eines klitzekleinen, unbefahrbaren Abschnitts zwischen Panama und Kolumbien von 110 Kilometern, der sich Darien Gap nennt.

Es hat wohl damit zu tun, dass wir gerade einen sehr schönen Reise-Rhythmus gefunden haben. Wir sind vergleichsweise langsam unterwegs, bleiben oft eine Woche am selben Ort, lesen und lernen viel. Dazu arbeiten wir seit einigen Monaten von unterwegs – da wir nun, anstatt der geplanten eineinhalb Jahre, mindestens zweieinhalb Jahre bis Argentinien unterwegs sein werden.

Die Frage nach der Finanzierung einer solchen Reise ist eine oft gestellte. Natürlich haben wir gespart, doch diese Ersparnisse waren auf eineinhalb Jahre ausgelegt. Nun finden wir gerade heraus, wie es ist, sich selbstständig zu machen – und das auf einem anderen Kontinent. Zum einen haben wir ein eBook geschrieben, in welchem wir die 100 häufigsten Fragen zu unserer Reise beantworten. Dies lief trotz Spendenbasis ziemlich gut an. Zum anderen freelancen wir als Journalisten und im Text- und Contentbereich, was sich aus der Distanz als nicht ganz einfach erweist. Doch langsam kommt die Sache ins Rollen. Und: Es macht Spass! Wir lieben es, Cafés aufzusuchen und einige Stunden zu arbeiten. Die einzige Herausforderung ist natürlich die Internetverbindung an abgelegenen Orten. Gerade befinden wir uns im panamesischen Las Lajas. Dieser 20 Kilometer lange Strand ist völlig leer, es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Wir haben ein Hostel gefunden, welches uns vor dem Haus campen lässt – und dabei den Jackpot ergattert: fantastisches Wifi! Das hier sind wirklich Traumbedingungen, was natürlich alles andere als selbstverständlich ist.

Ihr seht, da ist nicht nur die Verschiffung, um die wir uns in der kommenden Woche kümmern müssen und werden. Da ist auch ein kleines Freelance-Business, das aufgebaut werden will. Es ist aufregend und lehrreich und natürlich, manchmal verunsichernd. Doch jetzt ist die Ausgangslage ideal: wir haben die Zeit, die Musse, tiefe Lebenskosten und alle Freiheiten der Welt.

Noch vor einem Jahr hätten wir nicht gedacht, dass wir uns unterwegs so intensiv mit diesen Fragen beschäftigen würden. Selbstverständlich gehört diese vermeintliche Unsicherheit auch ein Stück weit dazu. Aber alleine die Tatsache, dass wir diesen Schritt wagen, gibt uns ein gutes Gefühl. Weil wir tun, anstatt nur darüber nachzudenken – und zwar weit ausserhalb unserer Komfortzone.

Dieser Text erschien zuerst in 20 Minuten

Lieblingskommentar:

Andi Fire: Stimmt,aber bitte nicht pleite nach Hause kommen und die Sozialwerke in Anspruch nehmen.