Schnee von gestern

Als wir im Dezember in der Schweiz zu Besuch waren, trafen wir uns mit einigen Freunden in einer Bar, gegenüber unserer alten Wohnung. Ich nahm mir fünf Minuten Zeit, um mit einem Bier an die frische Luft zu gehen und das Ambiente im Quartier zu geniessen. Es war ungefähr 21 Uhr, Dienstagabend. Und dann folgte ein zweiminütiges Spektakel.

Ein 20-jähriger Typ im Hiphop-Look kommt gestresst um die Ecke, und stellt sich vor die Eingangstüre der Bar. Er hatte offensichtlich etwas Kokain geschnüffelt. Er sieht mich an und fragt:


Leo: Hey, hey, meinsch ich cha go pisse da ine?

Sandro: Kä ahnig, ich trink es bier mites paar Fründe da ine, villich gasch go fröge?

Nei – NEI! Chani nöd, ich muess ebe – eigentlich, gar nöd go pisse. Ich blüete. Min Schwanz blüetet, Mann, ich muess churz go luege… (er kommt einen Schritt näher und setzt sich neben mich)

Was? Vo wo chunsch denn?

Us Kosovo. Wohne tueni in Schwamedinge.

Nei, nei, vo wo chunsch jetzt grad?

Mann, bin im Eros-Klub xii, zwei Nutte gvöglet! Zwei, Mann!

Ja aber, wie isch denn das passiert? (und zeige auf seinen Penis)

Bim wichse! Mann, am Schluss, isch wichtig, weisch. Hät sie mir eis gwichset. Sie hät en Ring aghaa, vedammt. Für zwei Läppe Mann. Voll de Fail!

Hä, was für en Ring?

En Fingerring, Mann! Wie bisch denn du druff?

Eh, okay, aber…

He, hee. Wotsch e Linie? Verchauf der e Linie!

Nei merci, alles beschtens, trink da mis Bier. Wie heissisch eigentlich?

Leo, Leo, Mann.

Ich bi de Sandro.

Hey Mann, vo wo chunsch denn du?

Bin uf Bsuech, jetzt gad us Kolumbie zrugg.

Hey Mann, geil Mann. Wotsch kä Linie? Chumm, da nehmemer si, ich schänk dr eini, da gad ufem Tisch, Mann!

Du nei isch guet, ich gah jetzt dänn wieder ad Wärmi.

Hey Mann, wie bisch du denn druff?

Gar nöd, alles easy!

Weisch no wie ich heisse?

Nei, sorry, grad wieder vergässe.

Leo. Leo wiä Deo.

Alles klar, he, demfall. Ich gah wieder ine.

Hey hau doch ab Mann, was isch mit dir falsch? Hey nei! (und zieht fluchend von dannen)


Wir werden oft gefragt, ob Kokain in Kolumbien wirklich so ein grosses Thema ist. Klar ist nach unserem Besuch auf jeden Fall: Zürich hat das grösste Koks-Problem von allen.

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Liebt kolumbianischen Kaffee mehr als alle anderen Exportschlager: Sandro.

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