Pannen auf dem Weg nach Südamerika

Nicht, dass wir uns nicht schon daran gewöhnt hätten, mit Verspätungen, langsamen Prozessen und Unerwartetem umzugehen. Nach über 14 Monaten unterwegs bringt uns nichts mehr so schnell aus der Ruhe. Denn am Ende hat noch alles irgendwie funktioniert.

In Panama verbrachten wir die Zeit vor der Verschiffung nach Kolumbien hauptsächlich an der Pazifikküste. Las Lajas ist der längste Strand Zentralamerikas: 20 Kilometer nur Palmen und Sand, quasi unbewohnt. Wir stellten uns vor das einzige Hostel weit und breit und erholten uns von Strassenlärm und zu vielen Menschen. Friedlich. Bis auf die eine Nacht, in der wir um 2 Uhr morgens geweckt wurden, weil in Mexiko ein Erdbeben einen potenziellen Tsunami ausgelöst haben könnte. Glücklicherweise war die Hostelbar noch offen: Wir schnappten uns ein Bier und verfolgten die Nachrichten. Um uns hatten wir keine Angst, aber wir hatten wirklich keine Lust, dass eine etwas höhere Welle unseren Bus überschwemmt. Einige Stunden später wurde die Warnung aufgehoben und wir gingen bei Sonnenaufgang wieder schlafen.

In Panama City starteten wir sofort mit dem Papierkram um die Verschiffung. Als erstes stand ein Besuch bei der Polizei zur Inspektion an. Wartezeit: 90 Minuten. Inspektionszeit: vier Sekunden. Wir befuhren den Puente de los Americas; die Brücke, die Nord- mit Südamerika verbindet. Wir besuchten den Panama-Kanal und stellten aufgeregt fest, dass unser Büssli ja schon einmal hier gewesen war, bei der Verschiffung von Europa an die US-Westküste vor über einem Jahr.

Colon liegt etwa 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt und ist Hauptumschlagsplatz für Container und Frachten aller Art. Da unser Auto nicht in einen normalen Container passt, haben wir uns entschieden ihn via Roll-on-Roll-off zu verschiffen. Das heisst, man stellt das Auto in den Hafen, er wird auf den Frachter gefahren und dann wieder runter. Das Problem: Die Schlüssel stecken während der mindestens drei Tage in den Häfen am Auto – jeder kann ihn betreten. Zu diesem Zweck hatten wir uns noch in Las Lajas von einem netten pensionierten Holländer namens Rudi eine provisorische Trennwand hinters Cockpit bauen lassen. Die Türen hinten wurden mit Vorhängeschlössern versehen.

Wir holten Dokumente und Stempel bei vier verschiedenen Stationen am Hafen ab. Am Ende wurde der Wagen noch von einem Drogenhund und einem Inspektor durchsucht. Bei dieser Gelegenheit entdeckte der Mann einen Federhut, den wir noch von unserem letztjährigen Besuch am Burning Man Festival herumfuhren. Es un pollo? Ist das ein Huhn? Er klang nicht einmal überrascht. Dieser Inspektor hatte wohl schon einiges in seinem Leben gesehen, da kam ihm ein Huhn im Schrank nicht völlig absurd vor.

Den Flieger von Panama City nach Cartagena verpassten wir. Einen Tag vorher hatte es einen Stromausfall am Flughafen von Panama City gegeben, darum warteten jetzt doppelt so viele auf ihre Weiterreise. Dazu kamen all die Leute, deren Flugzeug nach Mexiko nicht abhob, da es abermals ein Erdbeben gegeben hatte. Wir warteten geduldig in unserer Schlange, wohl etwas zu geduldig. Am Check-in-Schalter angekommen, war unser Flug bereits beim Boarden. Wir hatten allerdings grosses Glück und bekamen noch die letzten beiden Sitze für den Abendflug. Zehn Stunden am Flughafen von Panama City: Nicht gerade ein Wunschtraum, aber es gibt Schlimmeres.

Nun sind wir schon eine Woche in Cartagena. Das Schiff hatte wegen der Hurricanes in der Karibik Verspätung, darum erreichte unser Bus Kolumbien erst gestern. Wir hoffen, ihn übermorgen (mitsamt Inhalt) abholen zu können. Kostenpunkt: um die 1300 Dollar, exklusive Flüge und Hotel. Und dann: Wartet ein neuer, riesiger Kontinent auf uns!

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Am Flughafen in Panama City. 

1 Kommentare

  1. Hi zusammen,
    Ich „verfolge“ euch eine ganze Weile… und ich freue mich riesig von euch zu lesen.
    Nun beginnt ein Abenteuer Südamerika da kann ich auch mitreden. Habe 5 jahre geschäftlich den ganzen kontinent besucht.
    Ein quartiert in 4-5 sterne, aber immer unterwegs mit dem „normalen“ volk!
    Es las cosas mejor!!!
    Viel glück und geniesst es, meine Erinnerungen kann mir niemand nehmen und es ist mega scön!!!

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