Outside Vanlife – Kurzbesuch in der Schweiz

Wir wussten bereits am Anfang der Reise, dass wir Ende September nach nur 2.5 Monaten für einige Tage in die Schweiz reisen würden. Gute Freunde hatten im Frühling angekündigt zu heiraten und diese Party konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Vorfreude war sehr gross und wir konnten es kaum erwarten, unsere Lieben wieder in die Arme zu schliessen.

Wir haben sehr bewusst nur fünf Tage daheim verbracht, um es bei einem Besuch zu belassen und nicht das Gefühl von „heimkommen“ aufkommen zu lassen. Die Besuche waren alle gut durchgeplant, sodass wir jede/n kurz sehen konnten.

Die Schweiz zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. Das Wetter war fantastisch. Fast so, als wollte sie uns bei sich behalten.

Und wir haben die Zeit genutzt, wie nie in unserem Leben. Wir haben jede Minute ausgekostet. Sind überall zu lange geblieben. Sind nur in einer Nacht vor 5 Uhr schlafen gegangen. Und es war jede zu wenig geschlafene Sekunde wert. Am Ende war ich erschöpft wie nie in meinem Leben. Doch so glücklich, so viele grandiose Menschen in meinem Leben zu wissen. Ich wusste nicht mehr, ob die Tränen vor Müdigkeit oder vor Traurigkeit oder vor Liebe flossen. Wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Diese emotionalen Höhenflüge haben mich (nachdem ich den Schlaf wieder einigermassen aufgeholt hatte) extrem zum Nachdenken gebracht. Einerseits ist da dieser Drang, in die Welt zu ziehen. Andererseits kann keine Reisebekanntschaft Freunde und Familie daheim ersetzen. Es ist so viel wert, aus dem Haus gehen zu können, und spontan bei Freunden auf ein Bierli reinzuschneien. Ich habe das schon immer sehr geschätzt. Doch jetzt, aus der Ferne betrachtet, ist das ein wahnsinniges Privileg. Auch dass die Familie nur eine Stunde entfernt wohnt: Das ist für uns jetzt ein kleiner Katzensprung.

Mir war in den ersten Wochen aufgefallen, dass viele Freunde wohl Skrupel hatten, sich zu melden. Hauptsächlich weil sie dachten, ich hätte auf der Reise „Besseres“ zu tun. Ich bin froh, dass ich nochmal in der Schweiz war, um ihnen zu sagen: „Ich hatte noch nie so viel Zeit für euch, als jetzt!“ Auch wenn ich weit weg bin. Ich will am Leben meiner Liebsten teilhaben. Und ich will, dass sie an meinem Leben teilhaben. Und da ist sehr viel mehr los, als es auf diesem Blog zu sehen ist.

Manchmal schmerzt es, wenn ich darüber nachdenke, dass mein Gottabub schon im Kindergarten ist, wenn ich zurückkomme. Oder dass das noch ungeborene Baby von Freunden dann schon laufen kann. Oder dass meine Oma fast 90 sein wird. Oder dass ich nicht einfach auf ein Bier reinschneien kann zu jemandem, der mich wirklich kennt, und dem ich nicht zuerst erklären muss, was Liechtenstein ist.

Doch das Gefühl, das dann einsetzt, ist viel wichtiger: Dankbarkeit. Ich kann mich so glücklich schätzen, ein Umfeld zu haben, das ich ehrlich vermisse. Ich muss vor nichts davon rennen. Und ich fühle mich sicher in meiner Abwesenheit und weiss, dass alle immer da sind. Das gibt mir viel Energie und Bodenhaftung für diese Reise.

Wir schlafen nachts alle unter demselben Mond. Das ist eine wunderschöne Vorstellung.

2 Kommentare

  1. Ach Gabriella, hör doch auf mich hier zu Tränen zu rühren! Unterschreibe jede Zeile von dir. Als ausgewanderter Hardcore-Familienmensch kenne ich die Schmerzen leider nur zu gut und es wird mich wahrscheinlich genau auch deswegen wieder nach Hause ziehen. Beide Welten haben ihre Vor- und Nachteile, das ist klar. Aber Familie, und genau eben dieses Gefühl was du hier so treffend beschreibst, ja Familie gibt es nur einmal. Zwar alle unter dem selben Mond, aber eben doch zu weit weg…

    Danke für den Blogbeitrag. Sehr sehr treffend.
    Alles Gute.
    Sandra

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