Müllfreies Reisen

In der Schweiz wird Müll nicht wirklich als Problem gesehen. Man trennt, die Abfuhr kommt pünktlich dienstags vorbei und überall wird in den frühen Morgenstunden der Müll der letzten 24 Stunden weggefegt. Auf Reisen kann es dann durchaus zum Kulturschock kommen.

Wir sehen unterwegs täglich, wie Müll aus Autofenstern geschmissen wird, wie er nach der Flut am Strand liegen bleibt, wie alles mehrfach in Plastiksäckchen abgepackt wird. Die meisten Länder verfügen vielleicht über eine Müllabfuhr, aber nicht über Verbrennungsstationen. Und so landet der Müll, wenn auch korrekt entsorgt, auf Deponien. Und von dort aus tragen sie Regen, Vögel und der Wind hinaus in die Natur.

Das einzige und mindeste was wir tun können, um dem entgegenzuwirken ist: weniger Müll produzieren. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. In einer Gesellschaft, in der es günstiger ist, Einweg-Plastikteller zu benutzen, anstatt abzuwaschen, ist es sogar eine Herausforderung.

Hier einige Tipps und Utensilien, die uns unterwegs helfen, weniger Müll zu produzieren. Aber selbstverständlich sind sie auf jede Lebenssituation anwendbar.

Müllfrei einkaufen ftw!

Müllfrei kochen ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Mehrweg & Behälter

Zuallererst: Nachhaltigkeit mit Dingen erreichen zu wollen, ist natürlich nicht komplett ironiefrei. Mir geht es jedoch darum, bewusster zu konsumieren und gerade dem Einwegwahnsinn entkommt man nur, wenn man Mehrwegbehälter besitzt – und diese unter Umständen auch extra dafür kauft. Besser ist natürlich immer Second-hand.

Folgendes haben wir in unserem Repertoire: To-Go-Kaffeebecher, Tupperware, Einmachgläser, Beutel und Stofftaschen in jeder Grösse, Wasserflaschen, Metall-Trinkhalm. Wir haben natürlich einiges an Platz in unserem VW-Bus. Wer mit dem Rucksack reist, könnte sich zum Beispiel eine Wasserflasche, einen grösseren Jutebeutel und einen To-Go-Kaffeebecher mitnehmen. Letzterer funktioniert auch gut, um Essen zu transportieren.  

Taschen ftw!

Behälter ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Nein sagen

Sin bolsa, por favor (ohne Säckchen, bitte) ist der Satz, den wir wohl am regelmässigsten benutzen hier in Lateinamerika. Auf dem Markt verschwinden die Tomaten schon fast auf magische Weise in einer Geschwindigkeit im Plastik, da muss man schon vorbereitet sein und von Anfang an mit der mitgebrachten Tasche wedeln.

Vor einigen Wochen bedankte sich ein Verkäufer gar bei uns dafür, dass wir das Säckli nicht wollten, mit: Danke, dass ihr unsere Umwelt nicht verschmutzt! Es ist zudem sinnvoll, auf lokalen Märkten einzukaufen, wo man noch Nein sagen kann zum Plastik – in Supermärkten ist vieles ja schon vorher abgepackt. Damit unterstützt man gleichzeitig die lokale Landwirtschaft und Bevölkerung.

Wir versuchen auch, in jedem Land sofort das Wort für Strohhalm zu lernen (obwohl alles Spanisch sprechende Länder sind, ist das Wort immer verschieden), um es proaktiv in der Bar abzubestellen. Kokosnüsse lassen wir meist in unsere eigene Flasche abfüllen oder wir bringen unseren eigenen Metall-Trinkhalm mit.

Metallhalm ftw!

Coconut ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Materialauswahl

Glas-, Papier- und Kartonverpackungen dem Plastik vorziehen. Am besten ist natürlich Unverpacktes. Solche Läden gibt es meist in grösseren Städten (auch in Asien und Lateinamerika) und lassen sich online leicht finden. In diesen Geschäften finden sich oft auch unverpackte Seifen und dergleichen.

Wer hat schon einmal eine Zahnbürste am Strand gesehen? Jeder. Dabei gibt es mittlerweile wunderbare Alternativen zur Plastikzahnbürste – zum Beispiel aus Bambus. Selbst wenn diese ungewollt in der Natur landen sollten, verrotten sie.

Spaziergänge mit Mission

Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, gerade Strandspaziergänge mit Müllsammeln zu verbinden. Meist liegt irgendwo ein Plastiksack oder ein grösserer Behälter herum, den wir dann beim Spazieren füllen. Und auf Laufrunden betreiben wir den neuen – und endlich mal sinnvollen – Trend #plogging: Joggen und Müllsammeln. Das trainiert gleich den ganzen Körper. Ein kleiner Beitrag für den Müll, den wir bereits in unseren Leben produziert haben.

#plogging ftw!

Verständnis

Es ist leicht, wütend zu werden, wenn man sieht, wie Menschen ihren Abfall nach Parties am Strand liegen lassen. Oder wenn sie Styroporteller aus dem Autofenster werfen. Das Problem ist, dann müsste man sich ständig aufregen, und das ist nicht sehr gesund. Wir haben gelernt, dass es genauso wichtig ist, Verständnis für die lokale Bevölkerung zu haben. Oft wissen sie es nicht besser oder sie haben es nie gelernt. Oder sie haben wichtigere Probleme, um die sie sich kümmern müssen. Das einzige, was wir tun können, ist selbst unser bestes zu geben und zu hoffen, dass unsere Mitmenschen mit der Zeit nachziehen.

Zu guter Letzt ist es auch sehr wichtig, Verständnis mit sich selbst zu haben. Natürlich vergessen wir oft, den Strohhalm abzubestellen und manchmal sind unsere Beutel nach dem Marktbesuch so voll, dass wir für die letzten Kartoffeln doch noch einen Plastiksack dazunehmen müssen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sondern darum, sich bewusst zu machen, was um einen herum passiert und sein möglichstes zu tun. Wenn das jede*r täte, wie würde unsere Welt dann wohl aussehen?

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Matter, die ihn auf English auf ihrem Blog veröffentlichten.