Mexico: Pazifikküste, Berge und Schmetterlinge

Wir wussten, dass unsere Zeit in Baja nicht ewig so weitergehen konnte. Zumindest nicht, wenn wir diese Panamericana-Reise ernsthaft irgendwann abschliessen wollten! So haben wir ziemlich spontan die Fähre aufs Mexikanische Festland gebucht. Am 11. Januar fuhren wir also nach La Paz, um die 16-stündige Überfahrt nach Mazatlan anzutreten. Wir waren ziemlich aufgeregt, denn vor uns lag viel Unbekanntes. Die Fahrt war ruhig, wir durften im Van schlafen und Gabs wurde nicht mal seekrank. Wir waren die einzigen Nicht-Truckfahrer und Nicht-Matrosen auf der TCM-Fähre, die etwas günstiger ist als Baja-Ferries, welche eher auf Touristen ausgerichtet ist mit Schlafkabinen und so weiter. In Mazatlan angekommen: Viele Menschen, viel Grün und viel Verkehr. Wir kamen uns vor wie in einem neuen Mario-Kart-Level!

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Schnell haben wir bemerkt, dass es auf dem Festland zwei Arten von Strassen gibt: Die Cuota, die ziemlich teuer ist, und die Libre, die gratis ist. Wir wollten ohnehin lieber der Küste entlang fahren, als im Innern des Landes. Immer mal wieder haben wir Dörfer besucht und sind jeweils für ein, zwei, drei Nächte geblieben. Die ersten beiden Nächte haben wir auf einem einsamen Campingplatz in der Nähe von San Blas verbracht und haben uns hauptsächlich im Grün gewälzt.

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Sayulita haben wir aus Gründen ausgelassen und sind dafür nach San Francisco gefahren, welches von allen liebevoll San Pancho genannt wird. Dieses kleine Dorf mit nur einer Strasse hat alles: herzige kleine Cafés, leckere und günstige Imbissmöglichkeiten, einen wunderschönen Strand, alles bunt bemalt und voller Menschen, die barfuss unterwegs sind. Ein lokaler Schreiner hat uns für keine 300 Pesos einen wunderhübschen Holztisch verkauft, für den wir unseren ohnehin ziemlich ungeliebten Campingtisch gerne ausgemustert haben. Luz hatten wir in einer Seitengasse abgestellt und dort würden wir auch die Nacht verbringen. An diesem Abend haben wir ungefähr jede Bar von San Pancho von innen gesehen, als wir zurück zu unserem lieben Van schlenderten. Gleich daneben hatte sich ein kanadisches Campergefährt hingepflanzt, hinter dem es sich die drei jungen Besitzer mit Gitarren und Bier gemütlich gemacht hatten. Wir holten sogleich unsere Rasseln aus dem Auto und spielten mit. Natürlich ging es nicht lange, bis die Polizei da stand: „Woher seid ihr? Wisst ihr, wo ihr hier seid? Genau, Mexico. Nicht Kanada.“ Um weiteren Stress zu vermeiden, verabschiedeten wir uns und gingen schlafen. War ohnehin Zeit gewesen. Die Sonne stand noch nicht hoch am nächsten Morgen. Doch trotz etwas Kopfweh, standen wir fidel auf, holten uns einen Kaffee und verabschiedeten uns von diesem hübschen Flecken Erde.

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Die zwei darauffolgenden Nächte verbrachten wir an einem wunderhübschen, fast leeren Strand in La Fortuna. Das Dorf ist süss und die einzigen nicht Einheimischen sind die zwei Dutzend Snowbirds, die sich täglich ab 11 Uhr morgens einen reinstellen. Sehr friedlich. Es ging weiter, denn wir wussten, dass die Van-WG, mit der wir Weihnachten verbracht hatten, irgendwo in der Nähe war. Internet gibt es an der Küste nicht wirklich, also fuhren wir einfach mal drauflos. Und wie es der Zufall wollte, begegneten wir einem Mitbewohner tatsächlich auf der Strasse in Manzanilla. Wäre das nicht passiert, wir wären weitergefahren. Also sollte es wohl so sein. Wir verbrachten eine oder zwei Nächte im Ort für sagenhafte 50 Pesos pro Nacht (2.50 Franken) und besuchten die riesigen Krokodile im nahegelegenen Fluss.

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La Fortuna

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Der Ort des Zufalls: Manzanilla.

Weiter ging es nach La Ticla. Einem Dorf, das wohl ausschliesslich wegen der guten Surfwellen besucht wird. Sonst nimmt man den langen Weg eher nicht auf sich. Aber: herzig! Nach zwei oder drei Nächten dort machten wir uns ohne die WG auf nach Ixtapa, wo ein Interviewpartner und Auslandsliechtensteiner auf uns wartete. Dieser ist Hotelmanager und um zu seinem Haus zu gelangen, mussten wir zwei Schranken passieren. Wir befanden uns mitten im Hoteldistrikt von Ixtapa, hübsch herausgeputzt, alles weiss, ausser wir. Und fiel erst jetzt auf, wie verdammt dreckig Luz in der Zwischenzeit geworden war. Nichts zum schämen, aber auch nicht gerade zum stolz sein.

In der Schwesterstadt Zihuatanejo verbrachten wir zwei schlimme Nächte: eine auf einem wirklich überteuerten, hässlichen Campingplatz. Und eine weitere im Städtchen drin bei 4000° Celsius. Wir verabschiedeten uns endgültig von der WG und machten uns schliesslich auf in Richtung Mexico City. Vorher wollten wir aber noch das Reservat der Monarchfalter besuchen. Diese fliegen jedes Jahr von Kanada und den USA nach Mexico, um zu überwintern und Räupchen zu machen. Lustigerweise fliegen die Falter alle zum Ort, zu zehntausenden.

Den unglaublichen Weg, welchen die Monarchfalter zurücklegten, konnten wir am Ende ziemlich gut nachvollziehen, denn wir hatten die Strecke etwas unterschätzt.  Wir fuhren bestimmt zwei Mal weit über 3000m über zwei Tage. Dörfer gab es so gut wie keine (ergo auch nicht wirklich etwas Gescheites zu essen), Schlafplätze genauso wenig (wir übernachteten zum ersten Mal auf einer Pemex-Tankstelle, diesmal bei 5000°). Dafür war das letzte Dorf vor dem Reservat das hübscheste, was wir seit langem gesehen hatten: Angangueo <3.

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Das beste würde aber erst noch kommen. Luz klettert also mal wieder auf über 3000 Meter über Meer, die Benzinpumpe motzt schon fast so laut wie der Kühler und wir fahren und fahren – in die Schweiz. Meine Güte! Die Winterresidenz der Monarchfalter gleicht dem Bünderland mehr als das Bündnerland in gewissen Gegenden sich selbst. Es war kühl und es gab dunkelgrüne Nadelwälder und Lichtungen und der Nebel, er hätte auch auf dem Weg zum Morteratschgletscher hängen können, wir hätten keinen Unterschied bemerkt. Sandro war unglaublich beschwingt, er liebt die Schweizer Berge. Und hier so unverhofft auf einen Flecken Heimat zu stossen, da waren ihm die Falter schnell ziemlich egal. Zu Fuss ging es dann trotzdem die 20 Minuten hoch zu den Schwärmen und es war: fantastisch. Was sonst. Wir verbrachten noch eine Nacht in der Nähe und machten uns am nächsten Tag auf ins heiss erwartete Mexico City.

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