Kolumbien im Herzen

Auf Instagram stolperte ich letztens über eine Bar auf Bali, welche sich Pablo’s nennt. Im Logo Pablo Escobar, dargestellt wie ein christlicher Heiliger. Ich war irgendwie schockiert. Einige Wochen zuvor hatten wir eine höchst aufschlussreiche Free Walking Tour in Medellin mitgemacht. Die Schreckensherrschaft Escobars wurde zwar thematisiert, doch seinen Namen sprach der Guide nicht einmal laut aus. Er nannte ihn den bekannten Kriminellen dieser Stadt. Bis auf einige wenige (wie zum Beispiel der Mann, der bis heute täglich das Grab seines patrons fegt, weil er damals ein Haus geschenkt bekommen hatte), hegt kein Kolumbianer positive Gefühle zu diesem Teil der Vergangenheit des Landes. Praktisch jeder Bewohner Medellins hat schon einmal einen Toten gesehen und Familienmitglieder verloren. Sie könnten nicht weiter weg sein von dem Hype, der durch die Netflix-Serie ausgelöst wurde. Stellen Sie sich vor, man würde diesen Menschen erzählen, dass jemand in Bali eine Bar nach dem bekannten Kriminellen Medellins benannt hat.

Gleichzeitig wird das Klischee, Kolumbien bestehe aus nicht viel mehr als Drogen und Kriminellen, natürlich gestärkt. Eine Tatsache, derer sich die Einheimischen sehr bewusst sind. Wir werden oft darauf angesprochen. Sie sagen uns dann, wir sollen unseren Freunden und Familien erzählen, dass Kolumbien schöne Landschaften und Städte habe. Dass Botero und Marquez übrigens auch Kolumbianer gewesen seien. Sie laden uns zum Bier ein und bitten uns, von ihrer Gastfreundlichkeit zu berichten.

Dabei müssten sie das gar nicht. Kolumbien hat sich auf der Liste unserer Lieblingsländer auf den ersten Platz zu Mexiko gesellt. Warum?

Die Menschen

Es ist ein Klischee, dass auf Reisen alle Menschen so nett sind. Aber in Kolumbien sind sie wirklich besonders herzlich und aufgeschlossen. Wir können das sagen, nach über eineinhalb Jahren unterwegs. Auf unseren Fahrten in Kolumbien werden wir alle paar Minuten angehupt, weil die Menschen sich über die fremden Nummernschilder, die ihr Land bereisen, ausserordentlich freuen. Sie winken aus den Autos, zeigen Daumen hoch und sprechen uns in Staus durch das Fenster an. Wo immer wir aufkreuzen, steht bald eine interessierte Gruppe von Menschen um den Bus und fragt uns über uns und unsere Reise aus. Bei unseren zwei Pannen halfen uns fremde Menschen ohne zu zögern. Sogar die Tankwarte wünschen uns täglich, dass Gott uns segne.

Die Vielfalt

Man hat alle zwei Stunden das Gefühl, in einem neuen Land zu sein. Kolumbiens Natur und Landschaften sind unglaublich vielfältig und atemberaubend schön. Die Karibikküste des Nordens, die tiefgrüne Kaffeeregion, die trockenen Paramo-Ebenen mit ihren Kakti oder der Amazonas: hinter fast jeder Kurve wartet die pure Pracht.

Die Dörfer

Aussergewöhnliche Schönheit findet sich auch in den Dörfern und Städtchen des Landes. Die Kolonial-Architektur ist einzigartig und sie wird glücklicherweise erhalten und gepflegt. Gerade wenn man glaubt, das hübscheste Dorf gefunden zu haben, findet man ein hübscheres. Einige unserer Lieblinge: Barichara, Guatapé, Jardin, Filandia, Mongui, Salento und unser absoluter Favorit Villa de Leyva (wohin wir dreimal zurückgekehrt sind).

Die Städte

Cartagena, Medellin, Bogota, Cali: wir liebten sie alle. Und das, obwohl Stadtbesuche mit dem Camper oft etwas mühsam sind. Aber das war es absolut wert. Cartagena war wunderbar als Startpunkt in Kolumbien: fast schon etwas zu herausgeputzt, aber lebendig und im Getsemani-Quartier lässt es sich super länger verweilen. Bogota macht auf den ersten Blick nicht unbedingt an: 10 Millionen Einwohner und dazu auf 3000 Metern über Meer. Doch alleine schon die Dichte an Weltklasse-Museen macht Bogota zu einer top Destination. In Cali lässt sich das authentische Leben in einer kolumbianischen Stadt erleben, ohne vielen anderen Touristen über den Weg zu laufen. Und Medellin: dorthin werden wir kommende Woche zum dritten Mal zurückkehren. Diese Stadt fühlt sich nach ewigem Frühling an mit der Coolness einer jeden Weltstadt.

Sicherheit

Da sich einige bestimmt fragen, wie wir so verrückt sein können, Kolumbien im Camper zu bereisen, weil es doch sicher mega gefährlich ist, möchte ich noch festhalten: Kolumbien gilt mittlerweile als sehr sicheres Reiseland. Wir fühlten uns überall wohl und hatten nie Probleme. Im Gegenteil.

Nicht ganz fünf Monate bereisen wir Kolumbien nun. Wir befinden uns gerade in Popayan, ziemlich weit im Süden. Ecuador ist nur noch einen Fahrtag entfernt. In einem Monat läuft unser (bereits einmal verlängertes Visum) aus. Nun könnten wir bereits den Sprung nach Ecuador machen. Doch gerade gestern entschieden wir, noch einmal nordwärts zu fahren. Es fühlt sich an, als wären wir noch nicht bereit, dieses wundervolle Land zu verlassen. Also drehen wir in den kommenden Wochen eine Ehrenrunde via Cali, Salento und Medellin – einige unserer vielen, vielen Lieblingsorte.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.