Inside Vanlife – Die ersten 60 Tage

Wir leben nun schon fast 60 Tage auf der offenen Strasse. Die Zeit vergeht unglaublich schnell. Und mittlerweile haben sich Geist und Körper ziemlich gut auf die neue Lebensart eingestellt. Vieles ist gleich wie vorher, anderes völlig anders.

Entschleunigung

Eine absolute Trendaktivität in unseren hektischen Zeiten. Anstatt Entschleunigungs- und Achtsamkeitsratgeber zu lesen, kann man auch einfach in einen Camper ziehen und durch die Lande fahren. Was wir vorher in einen Feierabend versucht haben zu quetschen – waschen, kochen, putzen, essen, telefonieren, reden – passiert jetzt alles nach einander. Man geht eine oder zwei Stunden in den Waschsalon und kann da einfach nicht noch viel mehr machen als: waschen. Und das ist auch gut so. Wir nehmen uns viel mehr Zeit für alles und tun dies auch mit viel mehr Freude. Sandro liebt es zum Beispiel, ausgiebig das Geschirr abzuwaschen.

Draussen

Uns fiel erst nach einiger Zeit auf, wie viel Zeit wir früher drinnen verbracht haben. Jetzt, ob in der Natur oder in der Stadt: Wenn wir nicht gerade fahren oder schlafen, dann sind wir draussen. Die Welt ist zu unserem Wohnzimmer geworden, in dem sich ihre Schönheit und Vielfalt umso mehr bemerkbar macht. Wir dunkeln selten die Fenster ab und wachen mit dem Sonnenaufgang auf und gehen entsprechend auch schlafen, wenn es dunkel geworden ist. Das Leben spielt sich viel mehr im Zusammenspiel mit der Natur ab. Und das lohnt sich spätestens dann, wenn man auf der morgendlichen Joggingrunde auf Rehe trifft.

Entscheidungen

„Was machen wir eigentlich morgen?“ ist unser Running Gag. Wir wissen es selten. Die Tage entfalten sich nach Lust und Wetter. In unserem „alten Leben“ war klar: morgens aufstehen, zur Arbeit, Mittagessen, Arbeit, Feierabend, Essen, etc. Jetzt ist alles frei. Wir müssen nicht essen, nur weil 12 Uhr ist. Wir essen, wenn wir Hunger haben. Wir müssen viele Entscheidungen treffen, die vorher einfach vorgegeben waren. Darum ist die Frage nach dem Morgen manchmal ziemlich mühsam zu beantworten. Oder die nach der nächsten Tankstelle, dem nächsten Einkauf, der nächsten Wassertank-Kontrolle, der nächsten Dusche, der nächsten Übernachtung oder dem nächsten Café mit Internet. Oft ist es dann so, dass einer von beiden mehr Energie zur Entscheidungsfindung aufbringen kann, und dann eine trifft. Oder wir setzen uns bei einem Bier über die Strassenkarte und sprechen unsere Optionen durch. Oder wir bleiben noch eine Nacht wo wir sind, und fragen morgen wieder: „Was machen wir eigentlich morgen?“

Kommunikation

Man könnte meinen, dass der Handy-Empfang in den USA kein Problem ist. Aber wenn man nicht gerade in Städten oder grösseren Orten unterwegs ist, geht nichts. Das ist schön. Wir nehmen das Telefon oft tagelang nicht in die Hand und verschwenden auch keinen Gedanken daran. Auf der anderen Seite bleibt so doch manchmal die Kommunikation auf der Strecke. Und das ist schade. Wir müssen uns noch daran gewöhnen, nicht immer zu wissen, wie es den Lieben daheim geht und was sie gerade beschäftigt – auch wenn wir oft an sie denken.

Beziehungsprobe

Wir sind nicht nur seit fast zwei Monaten unterwegs, wir haben auch seit mehr als zwei Monaten an die 24 Stunden pro Tag miteinander verbracht. Wir können berichten: die Stimmung ist generell saugut. Wir sind selbst die grössten Fans unserer Reise und freuen uns täglich und stündlich über so gut wie alles. Die erste Autopanne haben wir auch überraschenderweise sehr abgeklärt und teammässig überstanden. Nur manchmal wird die Beziehungs-Idylle aus dem Gleichgewicht gebracht und das wäre für Aussenstehende – und für uns dann einige Stunden später – in den meisten Fällen recht lustig mitanzusehen. Zum Beispiel dann, wenn Gabriella fährt und Co-Pilot Sandro leise aber bestimmt mitteilt: „Du kannst sonst in den dritten Gang wechseln.“ Die Fetzen sind aber immer schnell wieder aufgewischt und wir lachen uns selbst aus.

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Da uns die regelmässigen Ortsberichterstattungen etwas eintönig vorkommen, haben wir die Rubrik Inside Vanlife ins Leben gerufen. Hier berichten wir über alles, was uns generell und metamässig beschäftigt und herausfordert und beantworten auch gerne Fragen zum Leben im Van.