Hängengeblieben in Zipolite

Ok, heute noch. Aber morgen gehen wir wirklich!

Wir so. Jeden Tag. Angefangen hat alles mit der langen Fahrt von Mexico City nach Oaxaca City. Eigentlich begann es mit einer missglückten Google-Suche und einem äusserst unfähigen Taxifahrer in Mexico City, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall fuhren wir also nach Oaxaca City, wo unsere Freunde Laura und Rafi schon auf uns warteten. Ein hübsches Städtchen, doch das Meer hatte eine stärkere Anziehungskraft nach zwei Wochen in der grossen Stadt.

Wir stellten uns also für eine Nacht in irgendeine Strasse und hofften, die getrunkenen Gin Tonics in der kurzen Nacht wegschlafen zu können. Um drei Uhr erwache ich allerdings völlig verstört, als das Auto auf einmal zu fahren beginnt. Jemand hatte sich an unseren Surfbrettern zu schaffen gemacht und Sandro fand es eine gute Idee, einfach wegzufahren. Zwei Ecken weiter hielt er an und wir schliefen weiter. War uns so zwar noch nie passiert, aber irgendwann musste es ja geschehen. Das Problem: Oaxaca City ist ein verdammtes Nest. Zwei Stunden später erwache ich erneut und stehe fast im Bett, weil Sandro mit dem Fuss voll gegen die Hinterscheibe getreten hat. Da war doch tatsächlich einer an den Velos dran! Dieses Mal parkieren wir nicht um, sondern schlafen irgendwie gar nicht mehr richtig ein. Der schönste Moment war, als um halb sieben Uhr morgens tatsächlich der Müllwagen neben uns parkierte und für zwanzig Minuten lang einen unglaublichen Lärm veranstaltete. Wir gaben auf.

Eine Stunde später packten wir unsere Freunde ein und fuhren los in Richtung Zipolite, einem kleinen Ort am Ozean. Die Fahrt dauerte an die sieben Stunden über zwei, drei ziemlich grosse Berge. Das Highlight des Trips: An einem kleinen Rastplatz mitten im Wald hielten wir an, um unsere mitgebrachten Bagels zu essen. Ein Paar mit einem Hund fragt, ob sie vielleicht mitfahren könnten. Sie hatten sich am Tag zuvor auf einem Pilz-Trip verlaufen und mussten die Nacht im Wald verbringen. Leider hatten wir keinen Platz mehr. Aber lustig: Etwa einen Monat später erzählt uns jemand in Zipolite, er habe gelesen, dass dort oben ein Paar auf Pilzen für eine Nacht vermisst war – das waren dieselben!

Einige Stunden später kamen wir also in Zipolite an, nichts weniger als das Paradies! Die folgenden Tage und Wochen verschwinden in einer grossen rosaroten Wolke von Zufriedenheit. Laura und Rafi sind noch eine Woche da. Wir spielen Brettspiele und geniessen die gemeinsame Zeit. Ich werde richtig, richtig krank und liege bei über 30°C im Schatten schlotternd im Bett. Am zweiten Tag messen wir mal meine Temperatur: lockere 39.3°C. An Tag vier fühle ich mich fähig, den Bus gegen die Hängematte einzutauschen. Von dieser bin ich schliesslich für die weiteren drei Wochen kaum zu lösen (notabene wieder kerngesund).

Wir lernen andere Van-Reisende kennen und werden zur kleinen Familie. Wir kochen zusammen und spielen mit den Kids und lachen und lachen und lachen. Es wird unmöglich, sich von diesem Ort zu lösen. Wir schlafen mit offenen Türen, erwachen um 6.30 Uhr mit der Sonne. Ich mache jeden Morgen Yoga und werde von der Katze begrüsst. Wir trinken einen Mate und warten, bis die liebe Freundin mit den Schoggi-Gipfeln vorbeikommt. Zum Mittag essen wir Früchte und gegen Abend kommen die Damen vorbei mit frischen Tamales und Quesadillas und allem, was das Herz begehrt. Sandro geht jeden Tag rennen. Wir lesen unglaublich viel. Wir spielen mit der Katze und verarzten einen Hund. Wir gehen ins lokale Freiluftkino. Wir schnorcheln und sehen Dutzende Delfine. Wir setzen uns jeden Tag in den Sand und schauen der Sonne beim Untergehen zu. Am Abend sind wir meist um 21 Uhr im Bett. Wir machen, zusammengefasst, souverän gar nichts.

Irgendwann legen wir den absoluten Abfahrtstermin fest. Wir kochen Essen vor, damit wir während der Fahrt nicht hungern müssen. Noch währenddessen entscheiden wir uns, nochmal einen Tag zu bleiben. Und noch einen. So wird schliesslich aus Montag Freitag. Und wenn wir nicht hätten in Chetumal sein müssen für das Belize-Visum, wir wären noch immer da.

Wir fahren schweren Herzens los und verabschieden uns von unseren neugewonnenen Freunden. Nach drei Stunden ein Stau. Strassen-Blockade. War ja klar. Sieben Stunden lang stehen wir – und regen uns nicht eine Sekunde darüber auf. Zipolite hat uns weichgekocht. So entspannt waren wir wohl noch nie. Wie lange wir am Ende da waren? Einen Monat!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

IMG_3028

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

IMG_3159 IMG_3035 IMG_3033

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

IMG_3126

Einer von zwei Ausflügen in einem Monat: der Markt in Pochutla.