Kategorie: Mexico

Vom Erfolg unseres eBooks

Die Idee entstand, wie so vieles im Leben, aus reiner Notwendigkeit und purem Eigennutz. Niemals hätten wir uns und unsere Erfahrungen für wichtig genug empfunden, um ein eBook darüber zu schreiben. Auch wenn das Schreiben sozusagen unser Beruf ist. Wir dachten, mit dem Insty-Profil und einigen halbherzigen Blogposts würden wir die neugierigen Menschen daheim zur Genüge auf dem Laufenden halten. Problematisch wurde es erst, als es eben nicht mehr nur Mama und die Schwester waren, die das Zeug mit Interesse lasen, sondern viel, viel mehr. Schon bei 10K verbrachten wir einen nicht unwesentlichen Teil des Tages mit Fragen beantworten: Ist das nicht gefährlich? Wie findet man einen mega guten Camper? Wie könnt ihr euch das leisten? Du siehst, das sind keine Fragen, die man mal eben so mit nope oder yeah beantwortet. Und wenn man nett ist, so wie wir, dann nimmt man sich die Zeit auch gerne.

Natürlich hast du bereits auf das folgende Wort gewartet: aber. Aber: Irgendwann beantworteten wir dieselben Fragen wieder und wieder und wieder und obwohl wir versuchten, sie in Posts allgemeingültig zu beantworten, wurden sie dann eben nach einiger Zeit doch wieder übersehen. So beschlossen wir, als Zeitspar-Service an uns selber, ein eBook zu schreiben, in dem wir die 100 häufigsten Fragen unserer lieben Online-Gemeinschaft beantworten würden. Der Aufwand war mit Übersetzung ins Englische, Aufsetzen der Website, PayPal und Versand doch etwas grösser ausgefallen als geplant, aber wir können guten Gewissens sagen, dass es sich sehr gelohnt hat.

Einerseits können wir nun bequem an unser eBook weiterverweisen, denn mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit haben wir hereinflatternde Fragen bereits darin beantwortet. Andererseits hat es sich auch finanziell gelohnt. Aus Entscheidungsbequemlichkeit und einer kleinen Portion Verlegenheit heraus, entschieden wir uns dafür, das eBook auf Spendenbasis zu publizieren. Trotzdem, oder gerade deswegen, kam alles an Spenden herein zwischen 0 und 200 Schweizer Franken. Natürlich, die hohen Beträge waren meist Freunde oder Familie, aber Obacht: wir erhielten doch oft über 50 Franken von Wildfremden, was ziemlich crazy ist, wenn du mich fragst.

Zum Two-Years-On-The-Road-Jubiläum gabs dann eine zweite Version, natürlich viel besser und gescheiter, weil auch wir in dem Jahr dazwischen viel gescheiter und erfahrener geworden sind. Diesmal professioneller, mit einem top Cover und generell höherem Anspruch. Insgesamt wurden unsere eBooks (das erste ist nun nicht mehr verfügbar) über 1500-mal heruntergeladen. Davon haben sich etwa die Hälfte gratis bedient, und alle anderen spendeten pro Person an die 5 Franken im Schnitt. Das ist nicht nur toll für uns, sondern auch für die Projekte, an die 10 Prozent des Umsatzes geht.

Jetzt muss ich natürlich noch den Bogen spannen zum Titel. War das eBook denn nun erfolgreich? Nun, wenn wir eines gelernt haben in den letzten 27 Monaten unterwegs, dann, dass Zeit etwa 93 Prozent von allem ausmacht, was wirklich zählt. Stell dir vor, wie viel Zeit wir gespart haben! Halt Stop, ich rechne es kurz aus. Es sind: 475 Tage seit unserem Einjährigen, als das erste eBook veröffentlicht wurde. Wenn wir jeden Tag im Schnitt nur 15 Minuten gespart haben, was meist mehr war, dann haben wir 7’125 Minuten oder knapp 119 Stunden Lebenszeit gewonnen. Natürlich könnte man hier anfügen, dass wir diese Zeit bestimmt ins Schreiben der eBook gesteckt haben. Aber wir haben ein paar Franken zusätzlich verdient und ehrlicherweise arbeiten wir lieber konzentriert ein paar Tage oder Wochen, als 15 Minuten täglich. Also von hier aus gesehen war das eBook ein Grosserfolg.

Bist du jetzt mega heiss auf unser eBook geworden? Hier lang bitte. 
Dieser Text erschien auch auf RonOrp

Wie viel Geld braucht ihr?

Die haben doch bestimmt reiche Eltern, sonst kann man sich sowas gar nicht leisten! Was wurde uns nicht schon alles nachgesagt. Gleichzeitig erhalten wir via Social Media oft die Frage: Wie viel kostet das eigentlich, so zu reisen wie ihr?

Die Antwort auf diese Frage lautet je nach Person, die man fragt, anders. Auf der Panamericana sind die Lebensentwürfe genauso unterschiedlich wie in jeder Stadt der Welt. Da gibt es Rentner, die sich ein 100’000-Franken-Wohnmobil auf LKW-Basis massschneidern lassen und mitsamt Waschmaschine jahrelang und sehr komfortabel reisen. Da gibt es Hippies, meist Argentinier, die mit irgendeinem Gefährt, das sie im Hinterhof des Onkels fanden, unterwegs sind und dabei Kunsthandwerk verkaufen. In Antigua, Guatemala, trafen wir ein Paar, das gemeinsam mit den zwei Katzen in einem 2CV umherreiste.  Dazwischen findet sich alles andere – und wir. Zwei normale Menschen mit einem alten aber sehr fahrtüchtigen und praktischen Camper, die lange auf diesen Traum der Langzeitreise gespart haben und nun von unterwegs aus arbeiten.

Auch wir fragten uns anfangs, wie viel Geld wir wohl monatlich wohl brauchen würden. Wir schrieben also einige Menschen an und erkundigten uns nach ihrem Budget. Viele wichen der Frage aus und verwiesen auf die ganzen Variablen wie: Benzinverbrauch des Autos, Verschiffungskosten (die nach Volumen des Fahrzeugs verrechnet werden), eigene Vorlieben, Wildcamping oder Campingplatz, Reiseroute, und so weiter.

Heute, nach bald zwei Jahren können wir mit gutem Gewissen sagen: Mit 2000 Franken im Monat ist man dabei, inklusive allem. Das heisst, wenn man ungefähr unterwegs ist wie wir. Wir kochen oft selbst, kaufen eigentlich nur auf dem Markt ein, unser Camper ist vergleichsweise klein, wir campen ab und zu wild, versichert sind wir durch eine internationale Krankenversicherung (das heisst, wir sind abgemeldet in der Schweiz) und wir reisen recht langsam. Wir gehen auch regelmässig zum Mechaniker, essen bewusst gut auswärts und sind insgesamt nicht knausrig oder immer auf den günstigsten Preis aus. Am Ende ist es immer die Balance, die es ausmacht.

In Lateinamerika haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, je nach Land nicht mehr als 20 – 30 Franken täglich auszugeben. Dazu gehört Essen, Einkäufe, Übernachten und die kleinen Dinge wie Maut, Grenzgebühren oder Kaffee. So behalten wir unsere täglichen Ausgaben mehr oder weniger im Griff. Dazu kommen grössere Ausgaben wie Benzin, Mechaniker, Versicherungen aller Art, Verschiffungen, Ausflüge. In den USA waren unsere Ausgaben natürlich viel höher. Aber da wir in Lateinamerika oft keine 2000 Franken pro Monat brauchen, gleicht sich das auf die Länge der Reise in etwa aus.

Brad und Sheena van Orden sind ein Paar aus den USA, das seine Ausgaben während der dreijährigen Weltreise im VW-Bus akribisch notiert hat. Auf ihrer Website drivenachodrive.com teilen sie alle Tabellen dazu. Sie verschifften ihren Bus mehrere Male von Kontinent zu Kontinent und reisten nicht nur durch Länder mit günstigen Lebenskosten. Ihre Reise kostete monatlich im Schnitt 3000 Franken, was überraschend wenig ist für die unglaubliche Strecke, die sie mitsamt Verschiffungen und Motorschaden hinter sich gebracht haben. Wer auf einem oder zwei Kontinenten bleibt, ist mit 2000 Franken monatlich sehr gut bedient.

Fahren mit 2000 monatlich gut und fröhlich in der Weltgeschichte herum: die Vanabundos.

8 Tipps zum Wild- und Urban-Camping

Du hast einen Camper, aber kein Geld? So übernachtest du gratis in der Stadt und auf dem Land.

Dieser Text erschien zuerst auf redbull.com

Frag einfach

Klingt offensichtlich, muss man aber erst mal machen! Wenn dir ein Fleckchen Erde für eine oder zwei Nächte zusagt, kannst du dich nach dem Besitzer umsehen. Wenn du offen und nett auf ihn zugehst, ist es meist kein Problem – egal wo auf der Welt. Vorteil: Sicherheit. Anwohner fragen ist auch eine gute Möglichkeit, um abzuchecken, ob ein angepeilter Ort sicher ist.

Ressourcen anzapfen

iOverlander und freecampsites.net sind zwei gute Apps bzw. Websites, in die Camper aus aller Welt gute Wildcampingplätze eintragen.

Genau hinschauen

Camping in der Stadt kann zunächst etwas angsteinflössend sein. Aber wenn du dich mal daran gewöhnt hast und gut schläfst, ist es ziemlich cool. Du hast dir also einen tollen Strassenparkplatz in einer Stadt gewählt und planst, dein Haus auf Rädern nach Einbruch der Dunkelheit aufzusuchen und darin zu schlafen. Sieh dich zuerst nochmal um: Stehst du auch nicht unter einer Strassenlampe? Die sind nämlich zu vermeiden, wenn du nicht im Spotlight stehen willst (um nicht erkannt zu werden, aber auch, um überhaupt schlafen zu können). Wenn du keine Toilette im Camper hast, dann halte schon einmal nach einem Café oder so Ausschau, das du dann am Morgen aufsuchen kannst.

Rein mit allem

Es gibt (fast) nichts Schlimmeres, als im Van zu liegen und nicht schlafen zu können, weil man Angst hat, dass die Velos oder die Surfbretter, die aussen angemacht sind, geklaut werden können. Tatsache ist: Es ist eine berechtigte Angst. Stelle deshalb sicher, dass dein Zeug wirklich sicher befestigt ist, oder finde eine andere Lösung und lege die Bretter zum Beispiel jeweils über Nacht hinein. Du wirst viel ruhiger schlafen.

Cockpit offen lassen

Wenn du einen Van hast, dann finde eine Möglichkeit, einen Sichtschutz zwischen Cockpit und Wohnraum zu installieren. Wenn du dann noch die Fenstervorhänge zumachst und das Licht ausschaltest, wird niemand vermuten, dass hinten jemand drinliegt.

Obacht bei Hitze

Wenn es in der Nacht zu heiss ist, um Fenster und Türen zu schliessen, ist es meist sinnvoller, sich einen sicheren Übernachtungsplatz zu organisieren. Denn wenn es zu heiss zum schlafen ist, die Löcher aber aus Sicherheitsgründen zu bleiben müssen, macht es wirklich keinen Spass mehr.

Auf Achse bleiben

So wunderbar ein Übernachtungsplatz auch ist: Bewege dich immer mal wieder weiter. Vor allem in Städten. Anwohnern fällt gut und gerne auf, wenn da seit zwei Nächten ein Van vor ihrem Haus steht. Besser regelmässig wieder die Strasse oder Nachbarschaft wechseln, wenn man in einer Stadt ist. Das erhöht auch die Sicherheit.

Halte Ausschau

Sei aufmerksam, wo du andere Camper ausserhalb von öffentlichen Campingplätzen siehst. In den USA beispielsweise übernachten viele Reisende auf Walmart-Parkplätzen, wo sie fast im ganzen Land geduldet werden. In Lateinamerika sind Tankstellen mit Nachtparkplätzen für LKW-Fahrer eine gute Möglichkeit.

Du findest diese Tipps nützlich, hast aber noch einige offene Fragen? In unserem eBook beantworten wir die 100 häufigsten Fragen zu uns, der Reise und unserem Van! Lies hier alle 100 Fragen, die beantwortet werden. Das eBook ist spendenbasiert zu haben.

Wildcamping in Costa Rica.

Wildcamping in Costa Rica.

Dort sind doch alle kriminell!

Nach einigen Monaten unterwegs von Nord- nach Südamerika haben wir ein Muster festgestellt. Egal wohin wir unterwegs sind, wir werden immer davor gewarnt. In den USA warnte man uns eindringlich vor Mexiko (O-Ton von einer eigentlich netten Frau: “Die sind alle kriminell!”), die Mexikaner warnten uns jeweils vor dem nächsten Bundesstaat und erst recht vor Guatemala, die Guatemalteken vor El Salvador, und so weiter. Anfangs nimmt man die Warnungen ernst und fährt mit einem komischen Gefühl weiter. Aber je öfter wir sie hören, desto weniger beunruhigen sie uns, denn es ist tatsächlich noch nie etwas eingetreten. Weiterlesen

Interviews von unterwegs

Als Liechtensteiner*in (wie auch ich, Gabriella, eine bin) ist man auf der Welt ziemlich einzigartig. Ich habe mich gefragt, was wohl die Auslandsliechtensteiner*innen so treiben, was sie beschäftigt und warum sie das Land verlassen haben. Deshalb besuchen wir auf der Reise so viele von ihnen, wie wir können. Veröffentlicht werden die Interviews im Liechtensteiner Vaterland.

Hier die ersten fünf:

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Der Kugelschreiber

Gabriella kämpft sich gerade durch eine 30-Tage-Challenge, in der sie jeden Tag eine Geschichte zu einem Gegenstand in unserem Camper schreibt. Hier eine davon, welche sich im letzten  März zugetragen hat:

Der Kugelschreiber

Ein normaler Dienstag im Osten Mexikos. Eine unbekannte Täterschaft verschafft sich Zugang zu einem Volkswagen-Camper mit Schweizer Kennzeichen. Sie entwendet die Kameratasche, welche zu ihrer Freude schön to go zwischen den Sitzen liegt. Das Diebesgut ist für immer über alle Berge, da kann auch Herr Alvarez (sic!) auf der Polizeistelle einige Stunden später nichts mehr ausrichten. Weiterlesen

Alles zu Mexico

Nun sind wir schon fast einen Monat nicht mehr in Mexico. Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Wir haben uns zutiefst in das Land verliebt und wären fast nicht in der emotionalen Lage gewesen, die Grenze zu überqueren. Jetzt, mit etwas Abstand, wird einem klarer, warum das so ist. Darum hier eine kleine, persönliche Zusammenfassung zu unserem halben Jahr in Mexico.

Aufenthaltsdauer Mensch
Wer nach Mexico einreist, erhält problemlos 180 Tage Aufenthalt. Wir haben die Dauer fast komplett ausgereizt. Tatsächlich sind wir ungefähr eine Woche vor Ablauf zum Migrationsamt und haben gefragt, ob wir nicht verlängern könnten. Man teilte uns nett mit, dass es keinen legalen Weg gibt, das zu tun. Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, aus- und einige Tage später wieder einzureisen. Aus heutiger Sicht sind wir froh, dass es nicht funktioniert hat, sonst wären wir wohl stracks zurück nach Zipolite gefahren und nie wieder von der Hängematte aufgestanden. Weiterlesen

Wir sind die Freelancer, die du brauchst!

Die Zeit ist gekommen. Wir haben wir die Schnauze voll vom ständigen Leben unter Palmen, am Meer und an der Sonne und können uns nichts Besseres vorstellen, als die Tage am Laptop zu verbringen – ein Satz, den noch nie jemand gesagt hat. Und doch steckt für uns ein wenig Wahrheit darin.

Acht Monate leben wir nun schon on the road. Eine Zeit, in der wir viel miteinander diskutiert und hinterfragt haben. Diese Reise ist bereits ganz anders, als wir sie uns vorgestellt hatten: Wir sind viel langsamer unterwegs, machen Lieblingsorte zum temporären Zuhause und geniessen die Ambivalenzen, die sich dadurch ergeben (Stadt – Land, Wald – Meer, Kälte – Wärme, supersozial – absolut unkommunikativ). Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass wir fähig sein wollen, diese Art von Leben weiterhin zu führen, abgesehen von dieser Reise von Nord- nach Südamerika. Damit meinen wir nicht die Palmen (wobei wir sie natürlich nicht ablehnen!), sondern die Spontaneität, die Möglichkeit, dort zu sein, wo wir gerade am liebsten sein wollen (und wenn es die Schweiz ist) und dabei das zu tun, was wir lieben und gut können. Weiterlesen

Augenöffner

Eine der äusserst schönen Seiten dieser Reise ist, dass wir sehr viel Zeit haben zum Lesen. Oft haben wir keine Internetverbindung, sind irgendwo weit weg von Städten und Menschen und dann gibt es nichts besseres, als in einem Buch zu versinken (bzw. im Kindle bzw. im iPad).

Ich weiss gar nicht mehr, wie ich auf „Half the Sky – How to change the World“ von Nicholas D. Kristof und Sheryl Wudunn gekommen bin und warum ich es genau runtergeladen habe. Irgendwie habe ich das Gefühl, es hat mich gefunden. Der Titel ist etwas irreführend, aber wohl bewusst so gewählt, damit sich jeder angesprochen fühlt.

Es geht um Frauen und um Menschenrechte. Vor allem geht es darum, dass Millionen Frauen auf dieser Welt fehlen. Weil ihre Leben in vielen Kulturen weniger wert sind und sie darum weniger medizinische Versorgung erhalten. Weil sie beim Gebären sterben oder derart verletzt werden, dass es bald danach geschieht. Weil sie abgetrieben werden, bevor sie zur Welt kommen. Weil sie verkauft und zwangsprostituiert werden, bis sie an AIDS oder an Kummer sterben oder sich selbst das Leben nehmen. Weiterlesen

Einbruch und Visa-Probleme in Chetumal

Vielleicht ist uns das alles passiert, weil wir gar nicht wirklich hier sein wollten. Viel lieber wären wir noch in Zipolite, wo alles gut ist, oder in den Bergen in San Cristobal, wo es fast alles gibt, was wir lieben. Nach Chetumal sind wir nur gekommen, um mein (Gabs‘) Visum für Belize zu erledigen. Vieles in uns hat sich dagegen gesträubt, aus Bürokratie-Gründen hierher zu kommen.

Wie auch immer. Auf jeden Fall kommen wir nach einer ziemlich langen 6-Stunden-Fahrt in Chetumal an und verhungern fast. Wir haben beide schon ein komisches Gefühl beim Hineinfahren. Wir suchen uns ein lokales Café und parkieren Luz um die Ecke. Weil wir ihn aber gerne in Sichtweite haben, steht Sandro nach fünf Minuten auf, um ihn auf den freigewordenen Parkplatz vor dem Café zu fahren. Er kommt zurück und sagt: „Komisch, die Fahrertür war offen. Ist aber nichts passiert.“ Ich hab wohl sowas gesagt wie „ok“ und wir essen und spazieren noch etwas herum. Zurück beim Auto bemerke ich, dass das Innere des Handschuhfachs auf dem Boden liegt. Hier drinnen war jemand. Wir feiern noch eine halbe erfolgreiche Sekunde, da wir denken, die Diebe wären nur auf unsere kaputte Kamera und das Handy im Handschuhfach hineingefallen. Aber als Sandro sagt: „Shit, die Kameratasche ist weg“, ist klar, dass das alles andere als lustig ist.  Weiterlesen

Hängengeblieben in Zipolite

Ok, heute noch. Aber morgen gehen wir wirklich!

Wir so. Jeden Tag. Angefangen hat alles mit der langen Fahrt von Mexico City nach Oaxaca City. Eigentlich begann es mit einer missglückten Google-Suche und einem äusserst unfähigen Taxifahrer in Mexico City, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall fuhren wir also nach Oaxaca City, wo unsere Freunde Laura und Rafi schon auf uns warteten. Ein hübsches Städtchen, doch das Meer hatte eine stärkere Anziehungskraft nach zwei Wochen in der grossen Stadt.

Wir stellten uns also für eine Nacht in irgendeine Strasse und hofften, die getrunkenen Gin Tonics in der kurzen Nacht wegschlafen zu können. Um drei Uhr erwache ich allerdings völlig verstört, als das Auto auf einmal zu fahren beginnt. Jemand hatte sich an unseren Surfbrettern zu schaffen gemacht und Sandro fand es eine gute Idee, einfach wegzufahren. Zwei Ecken weiter hielt er an und wir schliefen weiter. War uns so zwar noch nie passiert, aber irgendwann musste es ja geschehen. Das Problem: Oaxaca City ist ein verdammtes Nest. Zwei Stunden später erwache ich erneut und stehe fast im Bett, weil Sandro mit dem Fuss voll gegen die Hinterscheibe getreten hat. Da war doch tatsächlich einer an den Velos dran! Dieses Mal parkieren wir nicht um, sondern schlafen irgendwie gar nicht mehr richtig ein. Der schönste Moment war, als um halb sieben Uhr morgens tatsächlich der Müllwagen neben uns parkierte und für zwanzig Minuten lang einen unglaublichen Lärm veranstaltete. Wir gaben auf. Weiterlesen

2 Wochen in Mexico City

Es ist Ende Januar. Die Vorstellung, mit dem Bus durch die Stadt zu fahren, war schon zu Beginn nicht eines unserer Lieblingsthemen. Deshalb war es klar, dass wir Mexico City grossräumig umfahren, um Luz auf einem Campground, rund 40km ausserhalb, für die Dauer unseres Aufenthaltes zu parkieren. Selbstverständlich erwischten wir die falsche Aus-, respektive Einfahrt und Schwupps: Welcome to Mexico City Traffic! Da steckten wir nun, in Mitten hupender Autobusse, Pendler, Transporter, Taxis, und, und, und. Wir manövrierten uns aber recht souverän nach rund einer Stunde durch den zähen Verkehr und schafften es unbeschadet auf die Autobahn Richtung Camping.

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Campingplatz in Teotihuacan und ein Dalmatiner.

Dort quartierten wir Luz für zwei Wochen ein (140 Pesos pro Tag, das sind ca. 7 Franken/Dollar), packten unsere Siebensachen und machten uns auf in Richtung Airbnb, das wir in Roma Norte, einem hippen Quartier im Zentrum von Mexico, gebucht hatten. Weiterlesen

Mexico: Pazifikküste, Berge und Schmetterlinge

Wir wussten, dass unsere Zeit in Baja nicht ewig so weitergehen konnte. Zumindest nicht, wenn wir diese Panamericana-Reise ernsthaft irgendwann abschliessen wollten! So haben wir ziemlich spontan die Fähre aufs Mexikanische Festland gebucht. Am 11. Januar fuhren wir also nach La Paz, um die 16-stündige Überfahrt nach Mazatlan anzutreten. Wir waren ziemlich aufgeregt, denn vor uns lag viel Unbekanntes. Die Fahrt war ruhig, wir durften im Van schlafen und Gabs wurde nicht mal seekrank. Wir waren die einzigen Nicht-Truckfahrer und Nicht-Matrosen auf der TCM-Fähre, die etwas günstiger ist als Baja-Ferries, welche eher auf Touristen ausgerichtet ist mit Schlafkabinen und so weiter. In Mazatlan angekommen: Viele Menschen, viel Grün und viel Verkehr. Wir kamen uns vor wie in einem neuen Mario-Kart-Level! Weiterlesen

Neues Jahr, gleicher Ort

Feliz año nuevo! Es ist nicht schwer zu erraten, wo wir gerade sind: nämlich immer noch am selben Ort. Seit über zwei Monaten geniessen wir nun schon El Pescadero bei Todos Santos im Süden von Baja California. Die vergangenen beiden Wochen über Weihnachten und Neujahr haben wir mit Freunden aus der Schweiz hier verbracht. Sie alle sind oder waren für längere Zeit Vanreisende und es fühlte sich sehr schön an, mit Gleichgesinnten in die Zukunft und auf das kommende Jahr 2017 zu schauen.

Seit einigen Tagen wohnen wir also wieder am Strand Los Pedritos, wo alle Camper Halt zu machen scheinen. Als wir zum ersten Mal hier waren, fanden wir vielleicht fünf andere Vans vor – mittlerweile ist es ein richtiges Vandorf geworden. Viele sind Surfer, andere reisen auch der Panamericana entlang. Auf jeden Fall ist es sehr friedlich hier. Die Buckelwale sind gerade sehr aktiv und wir sehen sie täglich aus dem Wasser hüpfen. Genauso die Rochen und lustige silberne Fischli.

Wir wissen aber, dass wir nicht ewig hierbleiben können. Und langsam kitzelt es uns auch schon wieder unter den Reifen. Das Festland ruft! Bald werden wir Luz von La Paz nach Mazatlan verschiffen und bis mindestens Mitte April den Rest von Mexiko erkunden – viel länger dürfen wir ohnehin nicht in diesem schönen Land bleiben, denn unser Touristenvisum ist „nur“ 180 Tage gültig. Wir freuen uns besonders, da in dieser Zeit einige Besuche von Daheim anstehen.

Unsere Tage am Strand verbringen wir beide hauptsächlich damit, das kommende Jahr zu besprechen und so etwas wie einen Plan zu machen. Das ist nicht ganz einfach, da wir es sehr geniessen, spontan sein zu können und wie hier in El Pescadero einfach zu bleiben, wenn es uns gefällt. Doch es gibt Dinge, für die lohnt es sich zu planen. Zum Beispiel wollen wir in diesem Jahr sicher einen oder zwei Arbeitseinsätze leisten. Ob auf Kaffeefarmen oder in Schulen oder bei Schildkrötenorganisationen steht noch offen. Vielleicht hast du ja eine gute Idee oder kennst einen Ort in Mittelamerika, den wir aufsuchen könnten?

Daneben besuchen wir nach wie vor Auslands-Liechtensteiner und interviewen diese für das Liechtensteiner Vaterland. Die ersten beiden Interviews aus den USA sind bereits publiziert (leider nur in Print). Eine schöne Art und Weise, etwas Heimatgefühl aufkommen zu lassen, unterwegs zu arbeiten und auch etwas Geld zu verdienen. Wir merken generell, dass wir ziemlich produktiv sind und viel lesen und lernen.

Gabriellas Portrait über Slab City ist übrigens mittlerweile auf One Day Portray erschienen. Ein ziemlich sonderbarer Ort, den wir im Oktober besucht haben. So besonders, dass er mehr verdiente, als nur einen Blogbeitrag. 

Es geht uns also gut! Und sobald wir wieder unterwegs sind, gibt es hier hoffentlich mehr zu lesen.

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Hier sind wir wieder

Hallo alle! Schön, wieder da zu sein. Luz stand einen Monat lang auf dem Parkplatz vom Yandara Yoga Institute hier im Süden von Baja California, Mexiko. Gabs hat sich ihrem Advanced Yoga Teacher Training und dem Life-Coach-Kurs gewidmet und Sandro hat sein Demo-Album aufgenommen.

Was für ein Monat! Es war eine wunderschöne Erfahrung, Teil der Yandara-Community zu sein und wir haben es sehr genossen, an diesem fantastischen Ort wachsen zu dürfen. Die Wüste ist magisch, die Wale schwammen jeden Tag vor der Haustür vorbei und die Sterne sieht man nirgends so gut wie hier!

Es ist schwierig, alles in Worte zu fassen. Wir haben auch kein einziges Foto gemacht. Aber in den kommenden Wochen werdet ihr die Früchte sehen, die in den letzten Wochen gesät wurden.

Wir bleiben über Weihnachten und Neujahr in der Gegend und werden die Tage mit Freunden verbringen, die bald ankommen. Darauf freuen wir uns sehr! Wir fühlen uns schon ziemlich zuhause hier in Pescadero. Was für ein Ort für Leute wie uns!

Inside Vanlife – Mehr als eine Reise

Bald sind wir schon ein Dritteljahr unterwegs. Die ersten drei Monate in den USA waren geprägt vom Eingewöhnen und von Plänen, die wir schon Wochen und Monate zuvor gemacht hatten. Kaum in Mexiko angekommen, stellte sich eine ziemlich schöne und inspirierende Ruhe und Gelassenheit ein.

Wir sprechen oft über das alte Leben in Zürich und darüber, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen. Manchmal haben wir das Gefühl, uns an der Nase nehmen zu müssen und besser den Moment zu geniessen, als schon an die Zeit danach zu denken.

Vor einigen Tagen aber hatten wir genau darüber ein sehr schönes und langes Gespräch beim täglichen Morgen-Maté. Warum sollten wir diese Reise so getrennt vom Leben in Zürich betrachten? Warum müssen wir jetzt das eine machen und wenn wir zurück sind etwas anderes? Warum beginnen wir nicht heute, unser Leben so zu gestalten, dass es uns während und nach unserer Reise wirklich gefällt? Wer sagt, dass diese Reise jemals zu Ende sein wird? Welche Möglichkeiten gibt es in dieser Hinsicht?

Uns wurde bewusst, dass wir bereits Mitten im neuen Leben stehen. Wir haben unsere Jobs und Wohnung aufgegeben, weil wir sie mehr gebraucht haben – wir haben nichts Neues mehr gelernt und inspirierend war es auch nicht wirklich.

Für diese Reise haben wir uns entschieden, um Zeit zu haben. Um einige Schritte zurückzunehmen und zu sehen, was wir machen wollen, wenn mal kein Druck da ist.

Und jetzt, nach nur schon so kurzer Zeit, fühlen wir, wie uns das Leben in eine bestimmte Richtung zieht. Einerseits im Bus immer südwärts, andererseits auf persönlicher Ebene. Letztere – das ist die wohl grösste Erkenntnis aus unserem Morgen-Gespräch – soll sich in Zukunft nicht mehr in Arbeit und Freizeit teilen. Das ist schon jetzt so. Wir arbeiten an verschiedenen Fronten immer mal wieder on the Road, aber wir entscheiden, wann und wie und wo. Wenn wir Lust auf ein langes Gespräch zum Frühstück haben, dann führen wir das und arbeiten am Nachmittag. Wir haben Zeit, uns in allem weiterzubilden, was uns schon immer interessiert hat. Wir lesen und lesen und lesen so viel wie noch nie. Wir halten kleine Workshops mit uns selbst, wenn wir Klarheit in einem Thema brauchen oder es diskutieren wollen. Wir hinterfragen alles, was wir bis jetzt im Leben gelernt haben. Wir begeben uns in jeden Flow, der sich anbietet. Wir diskutieren, planen und verwerfen. Wir spielen! Wir beginnen jetzt damit, das Leben zu führen, das wir in Zukunft führen wollen. Egal, wo wir sind.

Während unserem Gespräch mussten wir oft lachen. Ich meine, was ist das für ein Superklischee: Da verreisen sie mit dem VW-Bus, duschen nur noch einmal pro Woche und kommen schon nach wenigen Monaten mit Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit und mimimi altes und neues Leben. Tja, das passiert einfach, wir können und wollen nichts dagegen tun. Denn es fühlt sich sehr befreiend an! Und: probiert es selbst aus. Es ist nicht einfach, sein Leben so auf den Kopf zu stellen, aber jeden Tag im Büro zu sitzen ist es auch nicht.

Wir lieben es, jeden Tag dazuzulernen. Darum sind wir ab Samstag aus Weiterbildungsgründen für einen Monat offline. Wir fahren mit Luz in ein Yoga-Institut hier im Süden von Baja. Gabs wird dort eine weitere Ausbildung als Yoga-Lehrerin und Life-Coach absolvieren und Sandro konzentriert sich auf seine Musik, Statistik und Spanisch.

Bis dahin, machts gut! <3

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Welcome to Tijuana!

Mexico. Ob man schon da war, oder nicht, dieses Land ruft Bilder hervor. Von Kakteen, von Wüstenlandschaften, von Strohhüten, von Farben, von Tacos und Burritos und von Männern mit dichten schwarzen Schnäuzen. Guten Gewissens können wir bereits jetzt vermelden: Die Bilder in deinem Kopf sind alle wahr. Weiterlesen