Kategorie: Inside Vanlife

Interviews von unterwegs

Als Liechtensteiner*in (wie auch ich, Gabriella, eine bin) ist man auf der Welt ziemlich einzigartig. Ich habe mich gefragt, was wohl die Auslandsliechtensteiner*innen so treiben, was sie beschäftigt und warum sie das Land verlassen haben. Deshalb besuchen wir auf der Reise so viele von ihnen, wie wir können. Veröffentlicht werden die Interviews im Liechtensteiner Vaterland.

Hier die ersten fünf:

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Der Kugelschreiber

Gabriella kämpft sich gerade durch eine 30-Tage-Challenge, in der sie jeden Tag eine Geschichte zu einem Gegenstand in unserem Camper schreibt. Hier eine davon, welche sich im letzten  März zugetragen hat:

Der Kugelschreiber

Ein normaler Dienstag im Osten Mexikos. Eine unbekannte Täterschaft verschafft sich Zugang zu einem Volkswagen-Camper mit Schweizer Kennzeichen. Sie entwendet die Kameratasche, welche zu ihrer Freude schön to go zwischen den Sitzen liegt. Das Diebesgut ist für immer über alle Berge, da kann auch Herr Alvarez (sic!) auf der Polizeistelle einige Stunden später nichts mehr ausrichten. Weiterlesen

Wir werden zugemüllt

Das ist einem ja gar nicht so bewusst, wenn man in der Schweiz lebt und alle Möglichkeiten der Welt hat. Und wenn man im Urlaub von einer Touristen-Destination zur nächsten hoppt. Dass die Möglichkeiten, sich normal zu ernähren, einfach sauklein sind!

Eine normale Ernährung definiere ich nach Michael Pollan (der sich lange schon mit dem Thema beschäftigt) so: Essen, das meine Grossmutter auch als solches angesehen hätte. Lebensmittel im Sinne des Wortes – ein Mittel zum Leben.

Wie oft schon setzten wir uns in den Van und dachten: Ach, wir finden bestimmt etwas unterwegs. Und dann fährst du, stundenlang, und das einzige, das sich an der Strasse säumt sind die verdammten Kioske, die Chips und Cola verkaufen. Und das noch zu einem solch günstigen Preis, dass der Mangobauer nebenan gar nicht mithalten kann.

Wir werden zugemüllt. Nicht nur unsere Körper mit dem ganzen viel zu billigen Zeug, dessen Inhaltsstoffe wahrscheinlich noch nie richtige Luft zum Leben gebraucht haben. Sondern eben auch den Planeten. Die Verpackungen werden immer kleiner, damit sich der ärmste Mensch der Welt die Chips noch leisten kann, weil er sich dann für zwei Minuten fühlen kann wie ein cooler Amerikaner. Diese Verpackungen landen dann irgendwo und müllen die Erde kaputt. Nachdem sie bei der Produktion schon Palmöl und Erdöl und das ganze andere Zeug verbraucht haben, die die Wälder und Meere zerstört.

Dann sitzt man hier, in Nicaragua oder Guatemala oder in Mexiko, wo das Klima wunderbar ist, um alles anzubauen, wo Reis und Bohnen zur Kultur gehören, und man sieht so viele übergewichtige Menschen an ihren Coca Colas nuckelnd und ihren Kinden Chips verfütternd, weil dieser Müll günstiger geworden ist als Reis und Bohnen. Plastik ist so günstig, dass selbst die Ärmsten es sich leisten können, die Mango im Säckli zu verkaufen (als hätten Mangos keine Schale!). Dass Coffeeshops gar keine richtigen Tassen mehr im Sortiment haben, sondern allen diese unsäglichen Becher hinstellen, die aus irgendeinem Grund zum Prestigesymbol geworden sind.

Wir haben uns so an den Scheiss gewöhnt, den wir heute Essen nennen, dass wir gar nicht mehr wissen, was essen bedeutet. Das macht mich traurig. Denn ich sehe, wie die Menschen auf dieser Seite der Welt oft gar keine andere Wahl haben. Weil sie es nicht besser wissen. Weil es ihnen niemand sagt. Im Gegenteil, man wirft ihnen diese Frechheit von Essen vor und macht noch Profit damit. Aber es sind nicht nur diese Länder. Das Problem ist überall.

Warum hat man nur beim Veganer das Gefühl, er meint es wirklich ehrlich gut mit einem? Warum steckt dort immer Essen drin, von dem man die Herkunft kennt und Liebe noch dazu? Warum sind in veganen Restaurants immer alle so nett? Weil der Veganer sich mit seinen Lebensmitteln beschäftigt und sie nicht nur als Nebensache sieht. Er sieht sie als das, was sie sind: Mittel, die uns Leben geben. Deshalb nimmt er sie ernst und damit auch die Körper der Menschen, die sein Restaurant besuchen. Gleichzeitig achtet er auch meist noch darauf, nicht zu viel Müll zu produzieren und saisonal zu kochen. Was erhält der Veganer dafür? Einen gesellschaftlichen Stempel und blöde Witze.

Ich habe nur einen Wunsch. An Kaffeehäuser, an Restaurants, an Lebensmittelproduzenten, an Kiosks, an Tankstellen, an dich und an mich: mehr Liebe. Denn wer liebt, lässt nicht zu, dass seine Geliebten zugemüllt werden.

Trefft ihr viele andere Reisende?

Ja, wir haben schon viele Van-Reisende getroffen. Es kommt immer etwas auf den Ort an. Gewisse Campingplätze sind so bekannt, dass alle dort landen, die gerade in der Nähe sind. Andere Male sind wir auch wochenlang unterwegs, ohne jemanden zu treffen. Wir freuen uns immer über Austausch und noch mehr, wenn wir gewisse Leute zufällig wieder treffen. Am schönsten ist es, wenn man sich gut versteht und auch eine Weile zusammen auf dem Platz bleibt. Dann entstehen schöne Nachbarschaftsfreundschaften, die wir unglaublich schätzen.

Instagram gibt einem die Möglichkeit, die Reisen der anderen weiterhin mitzuverfolgen: Was machen eigentlich die beiden? Und wo ist der gerade dran? Sandro stöbert auch regelmässig in den Blogs von unseren neuen Freunden herum.

Nachdem wir die ersten Schweizer Paare getroffen hatten, fiel uns auf, dass sich die allermeisten untereinander kennen und austauschen. Da kommt man sich manchmal (auf eine wunderbare Art und Weise) vor, als wäre man immer noch daheim: Der ist schon weitergefahren nach Nicaragua! Nein, nein, die verschiffen erst im August nach Kolumbien! Jener hatte imfall einen Motorschaden! Ah, die beiden sind zurück in die Schweiz zum Skifahren!

Insgesamt kann man sagen, dass wir unter Overlandern oft zu den Jüngsten gehören. Wir dachten schon oft, dass es uns freuen würde, mehr Leute in unserem Alter zu treffen. Nicht dass wir die Älteren nicht mögen – die Themen sind einfach andere. Sie haben oft ihr Leben lang hart gearbeitet und erfüllen sich jetzt den Traum von der Panamericana. Wir hingegen wollen diesen Traum nicht ans Ende setzen. Darum ist es immer inspirierend zu sehen, wie Gleichaltrige das lösen.

Dieser Beitrag stammt aus unserem eBook Leben und Reisen im VW-Bus – 100 Fragen und Antworten nach einem Jahr unterwegs in Nord- und Mittelamerika, welches am 18. Juli erscheint.

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Pizza-Party mit unseren Nachbarn am Lago Atitlan.

Hallo aus Honduras (unser erstes Video!)

Uns fiel auf, dass viele von euch vielleicht schon einiges von uns gelesen und Fotos gesehen haben – aber nicht wissen, wie wir bewegt aussehen, oder gar wie unsere Stimmen klingen! Darum gibts hier unser erstes bescheidenes Video aus Honduras. Auf Schweizerdeutsch (bzw. in Gabs‘ Liechtensteiner Dialekt), weil das gerade natürlicher war. Wir fahren jetzt nach Nicaragua, hasta luego!

Alles zu Guatemala

Aufenthaltsdauer

Guatemala ist das erste der CA-4 Länder, das wir bereisten. Insgesamt darf man im Staatenverbund von Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua 90 Tage verbringen. Dasselbe gilt für das Auto.

Route

Antigua – Rio Dulce – Flores – Tikal – Guatemala City – Chicacao – Lago Atitlan – Chichicastenango – Antigua Weiterlesen

Adios, graue Polster!

Lange haben wir auf Guatemala gewartet. Wir wussten, dass das der richtige Ort ist, um einen schönen Stoff für unsere Polster zu finden. Ein wichtiges Unterfangen. Denn lange Zeit mussten wir täglich dieses, eher trostlose, hellgrau anschauen.

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In Guatemala angekommen, wurde jede Einheimische genau beäugt: Welches Muster trägt sie? Welche Farben? Könnten wir uns das für den Van vorstellen? Wir suchten uns durch Stoffpyramiden auf Märkten und besuchten viele Orte. In Panajachel am Lago Atitlan wurden wir fast fündig, doch die wollten 35 Quetzales (5 Franken) für den Meter. Etwas zu viel für uns.

In Chichicastenango, am grössten Markt Mittelamerikas, entdeckten wir schliesslich ein Geschäft, das an die 200 Stoffe ausgestellt hatte. Die Wahl fiel nicht leicht. Vor allem, weil der neue Stoff zu unseren bereits vorhandenen, und unsäglich grünen, Decken passten musste.

Glücklich über unsere zehn Meter Stoff (für die Hälfte des Preises in Panajachel) fuhren wir zurück zu unserem Campingplatz am Lago Atitlan. Im Dorf nebenan (San Marcos) war uns bereits eine Dame aufgefallen, die für die Hippies im Ort lustige Westen und dergleichen näht. Sie nahm unsere Polster morgens um 7 Uhr in Empfang und war am selben Tag um 17 Uhr bereits fertig. Und das für 280 Quetzales, inklusive Zipper.

Das war die kleine Geschichte zum neuen Interieur. Wenn wir irgendwo auf der Reise noch einmal über hübschen Stoff stolpern, werden wir wohl ein zweites Set machen lassen.

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10 Dinge, die wir heute besser wissen

Diese Liste erschien zuerst (leicht gekürzt) im Friday Magazin unter dem Titel So fühlt sich Aussteigen wirklich an. Wir wurden gefragt, die zehn wichtigsten Erkenntnisse und Tipps für die Langzeitreise aufzulisten. Bitteschön:

1. Startdatum festlegen
Das war die schwierigste und wichtigste Entscheidung von allen. Es ist so essentiell, ein Abreisedatum zu fixen. Vorher bringt Planen nicht viel und das Leben hat ganz viele Chancen, dazwischen zu funken. Wir wären wohl heute noch in Zürich in der Hoffnung, noch mehr Geld sparen zu können.

2. Ballast abwerfen
Wir haben unsere (wirklich tolle) Wohnung gekündigt und das Meiste verkauft oder weggegeben. Trotzdem haben wir noch einige Sachen bei unseren Eltern eingelagert. Heute würden wir nicht mit der Wimper zucken, wenn jemand das Zeug aus Versehen abfackelt. Seit wir mit unserem Mini-Haus auf Rädern unterwegs sind, haben wir gemerkt, wie wenig man wirklich zum Leben braucht. Und je weniger man hat, desto weniger will man besitzen.

3. Zeit nutzen
Für uns ist diese Reise sehr viel mehr als eine Reise. Es ist Zeit, die wir uns nehmen, um zu tun was wir wollen. Das heisst für uns lesen, lernen, Skills aneignen, Musik machen und dem Geist den Raum geben, um versteckte Interessen auszuleben. Man kann es sich vorstellen wie eine Weiterbildung, nur dass wir selbst entscheiden, worin wir uns fortbilden. Wir sehen diese Reise als Anfang des Lebens, das wir leben wollen.

4. Adios Ängste
Am Anfang hatten wir Angst vor so ziemlich allem und waren extrem unsicher. Doch wenn man mal unterwegs ist, legen sich die meisten Ängste von selbst ab, weil es nicht anders geht. Wir wollten auf keinen Fall durch Mexico City fahren: prompt die falsche Strasse erwischt und mitten durch die Stadt gefahren. Kein Problem. Viele Leute haben uns vor gefährlichen Regionen in Mexiko gewarnt. Wir hatten dort die beste Zeit. Je länger wir unterwegs sind, desto weniger Angst haben wir – vor allem auch vor der Zukunft.

5. Langsam reisen
Wir haben früh gemerkt: Wenn wir schnell unterwegs sind, geben wir viel Geld aus. Wenn wir aber längere Zeit an Orten bleiben, weniger fahren und uns die Zeit nehmen, um preiswertere Übernachtungsplätze oder Lebensmittel zu suchen, brauchen wir im Schnitt viel weniger Geld. Das heisst: Wenn wir langsamer sind, können wir für nur wenig Geld mehr viel länger unterwegs sein. Ausserdem können wir so Orte, die uns sehr gut gefallen, viel besser kennenlernen und zu unserem temporären Zuhause machen. Deshalb sind wir in acht Monaten auch nur bis Mexiko gekommen. Dabei waren wir fast drei Monate allein in Baja California und einen Monat lang in Zipolite.

6. Durchziehen
Gabriellas Grossmutter hat mehrere Mal gesagt: Ich finde diese Reise wirklich keine gute Idee.Herzig, aber nicht gerade das, was man hören will. Nicht alle teilen die Euphorie und Vorfreude mit einem und das ist nicht immer leicht. Vor allem, wenn Fragen gestellt werden, welche einen selbst verunsichern: Aber warum gleich den Job kündigen? Was passiert mit deinem CV? Willst du die Wohnung nicht doch behalten? Ist das nicht gefährlich? Es ist wichtig, dass man sich nicht hineinreden lässt. Denn spätestens wenn man unterwegs ist, finden alle: Ihr macht es richtig!

7. Abmelden
Wir haben uns abgemeldet und das würden wir sofort wieder tun. Einerseits, weil wir nicht wissen, wie lange wir unterwegs sein werden. Und andererseits, weil Weltreisekrankenkassen sehr viel günstiger sind. Zudem wird Sandro so nicht im Militär aufgeboten, während wir gerade in Guatemala auf einen Vulkan steigen oder so.

8. Lächeln und winken
Ein alter VW-Bus mit dekorierten Velos und einem Schweizer Nummernschild fällt auf. Unsere Strategie, wenn wir angestarrt werden (und uns dabei unwohl fühlen): winken und geradeaus ins Gesicht grinsen. So einfach, so effektiv. Jedes einzelne Mal.

9. Social Media
Die sozialen Medien können fantastisch sein, wenn man nicht seine ganze Zeit in der Facebook-Timeline verplempert. Zum Beispiel gibt es viele Facebook-Gruppen für Panamericana-Reisende oder Digitale Nomaden, die sehr hilfreich sein können bei Fragen und Unsicherheiten. Die App iOverlander und ihre Community hat uns schon oft an tolle Übernachtungsplätze geführt. Auf Instagram haben wir viele andere Van-Reisende kennengelernt und daraufhin auch unterwegs getroffen. Oder Menschen haben uns auf Instagram entdeckt und zu sich nach Hause eingeladen für ein Essen oder eine warme Dusche.

10. Du auch
Hier kommt die wichtigste Erkenntnis von allen. Wir hatten am Anfang dieser Idee kein Geld auf der Seite, keine Ahnung von Autos und waren geplagt von Ängsten. Doch jetzt sind wir hier und wissen manchmal selbst nicht, wie wir das gemacht haben. Aber wir sind überzeugt: Wenn wir zwei Amateure das können, dann kann es wirklich jede und jeder.

Falls sich nach diesen Punkten noch mehr Fragen aufgetan haben: Wir arbeiten gerade an einem E-Book, in welchem wir 100 Fragen beantworten, welche wir zur Reise gestellt bekommen haben. Es wird vermutlich im Juli zum Einjährigen auf unserer Website vanabundos.com veröffentlicht werden.

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Seid ihr schon Alkoholiker?

Also wenn ich jahrelang auf Reisen wäre, würde ich wohl jeden Tag trinken. Seid ihr nicht schon lange Alkoholiker?

Eine häufig gestellte Frage, die durchaus Berechtigung hat, wenn man uns vor dieser Reise kannte. Alkohol war unser ständiger Begleiter. Nach der Arbeit, an jedem Wochenendtag, zum Runterkommen, zum Wachbleiben, zum Stress abbauen. Es war nicht so, dass wir ihn gebraucht hätten, aber er gehörte dazu. Das verurteilen wir heute auch nicht, denn wir hatten immer sehr viel Spass.

Tatsächlich trinken wir jetzt sehr viel weniger. Nicht nur seltener, sondern vor allem mengenmässig. Für manche von uns ist es eine ganz neue Erfahrung, nach einem langen Tag nur ein einziges (kleines) kühles Bier zu trinken.  Weiterlesen

Alles zu Mexico

Nun sind wir schon fast einen Monat nicht mehr in Mexico. Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Wir haben uns zutiefst in das Land verliebt und wären fast nicht in der emotionalen Lage gewesen, die Grenze zu überqueren. Jetzt, mit etwas Abstand, wird einem klarer, warum das so ist. Darum hier eine kleine, persönliche Zusammenfassung zu unserem halben Jahr in Mexico.

Aufenthaltsdauer Mensch
Wer nach Mexico einreist, erhält problemlos 180 Tage Aufenthalt. Wir haben die Dauer fast komplett ausgereizt. Tatsächlich sind wir ungefähr eine Woche vor Ablauf zum Migrationsamt und haben gefragt, ob wir nicht verlängern könnten. Man teilte uns nett mit, dass es keinen legalen Weg gibt, das zu tun. Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, aus- und einige Tage später wieder einzureisen. Aus heutiger Sicht sind wir froh, dass es nicht funktioniert hat, sonst wären wir wohl stracks zurück nach Zipolite gefahren und nie wieder von der Hängematte aufgestanden. Weiterlesen

Existenzangst im Einkaufszentrum

Wir sitzen gerade in San Marcos am Lago Atitlan. Vorne im Dorfzentrum macht eine Art Guggenmusik ziemlich viel Lärm. Das Leben fühlt sich richtig gut an. Heute zumindest. Gerade habe ich mit einer guten Freundin telefoniert und ihr erzählt, wie gut es mir geht. Ausserdem, dass ich vor etwa zwei Wochen einen kleinen Nervenzusammenbruch hatte. Und wieso soll man nicht auch Nervenzusammenbrüche mal mit dem weiten Internet teilen. Denn anscheinend gibt es Leute, die denken, wir seien immer fröhlich. Weiterlesen

Trinkhalme sind wie Krieg

Plastik-Trinkhalme sind wie Krieg: böse, überflüssig und es gibt viel zu viel davon. Im Internet findet man Zahlen zum Verbrauch. 40 Milliarden Stück pro Jahr alleine in Deutschland. 50 Millionen täglich in den USA. Wollen wir mal versuchen, das auf die Welt hochzurechnen? So weit kann ich gar nicht zählen. Dass in den USA zu jedem Pups ein Halm mitgegeben wird, kann ich bestätigen. Auf meiner Reise durch Mexiko und nun Guatemala ist es nicht besser. Das Schlimme in diesen Ländern ist aber vor allem der Müll, der an vielen Orten herumliegt. Trinkhalme sind immer dabei. Am Meer, am Strassenrand, überall, wo Kokosnüsse getrunken werden (und das ist wirklich überall). Weiterlesen

Wir sind noch da!

Herzliche Grüsse aus Guatemala! Dass man (zumindest auf diesem Kanal) nichts von uns hört, hat einen grossen Grund. Unser Laptop ist seit einigen Wochen kaputt. In Mexiko konnten wir ihn nicht flicken lassen, weil die da ziemlich lahm waren und wir das Land verlassen mussten. Denn unsere 180 Tage Aufenthaltsdauer waren gezählt. Nach den Visa-Schwierigkeiten mit Belize entschieden wir uns, direkt nach Guatemala zu reisen. Das hiess aber, innert drei Tagen 1400 Kilometer runterzufahren. Weiterlesen

Wir sind die Freelancer, die du brauchst!

Die Zeit ist gekommen. Wir haben wir die Schnauze voll vom ständigen Leben unter Palmen, am Meer und an der Sonne und können uns nichts Besseres vorstellen, als die Tage am Laptop zu verbringen – ein Satz, den noch nie jemand gesagt hat. Und doch steckt für uns ein wenig Wahrheit darin.

Acht Monate leben wir nun schon on the road. Eine Zeit, in der wir viel miteinander diskutiert und hinterfragt haben. Diese Reise ist bereits ganz anders, als wir sie uns vorgestellt hatten: Wir sind viel langsamer unterwegs, machen Lieblingsorte zum temporären Zuhause und geniessen die Ambivalenzen, die sich dadurch ergeben (Stadt – Land, Wald – Meer, Kälte – Wärme, supersozial – absolut unkommunikativ). Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass wir fähig sein wollen, diese Art von Leben weiterhin zu führen, abgesehen von dieser Reise von Nord- nach Südamerika. Damit meinen wir nicht die Palmen (wobei wir sie natürlich nicht ablehnen!), sondern die Spontaneität, die Möglichkeit, dort zu sein, wo wir gerade am liebsten sein wollen (und wenn es die Schweiz ist) und dabei das zu tun, was wir lieben und gut können. Weiterlesen

Augenöffner

Eine der äusserst schönen Seiten dieser Reise ist, dass wir sehr viel Zeit haben zum Lesen. Oft haben wir keine Internetverbindung, sind irgendwo weit weg von Städten und Menschen und dann gibt es nichts besseres, als in einem Buch zu versinken (bzw. im Kindle bzw. im iPad).

Ich weiss gar nicht mehr, wie ich auf „Half the Sky – How to change the World“ von Nicholas D. Kristof und Sheryl Wudunn gekommen bin und warum ich es genau runtergeladen habe. Irgendwie habe ich das Gefühl, es hat mich gefunden. Der Titel ist etwas irreführend, aber wohl bewusst so gewählt, damit sich jeder angesprochen fühlt.

Es geht um Frauen und um Menschenrechte. Vor allem geht es darum, dass Millionen Frauen auf dieser Welt fehlen. Weil ihre Leben in vielen Kulturen weniger wert sind und sie darum weniger medizinische Versorgung erhalten. Weil sie beim Gebären sterben oder derart verletzt werden, dass es bald danach geschieht. Weil sie abgetrieben werden, bevor sie zur Welt kommen. Weil sie verkauft und zwangsprostituiert werden, bis sie an AIDS oder an Kummer sterben oder sich selbst das Leben nehmen. Weiterlesen

Einbruch und Visa-Probleme in Chetumal

Vielleicht ist uns das alles passiert, weil wir gar nicht wirklich hier sein wollten. Viel lieber wären wir noch in Zipolite, wo alles gut ist, oder in den Bergen in San Cristobal, wo es fast alles gibt, was wir lieben. Nach Chetumal sind wir nur gekommen, um mein (Gabs‘) Visum für Belize zu erledigen. Vieles in uns hat sich dagegen gesträubt, aus Bürokratie-Gründen hierher zu kommen.

Wie auch immer. Auf jeden Fall kommen wir nach einer ziemlich langen 6-Stunden-Fahrt in Chetumal an und verhungern fast. Wir haben beide schon ein komisches Gefühl beim Hineinfahren. Wir suchen uns ein lokales Café und parkieren Luz um die Ecke. Weil wir ihn aber gerne in Sichtweite haben, steht Sandro nach fünf Minuten auf, um ihn auf den freigewordenen Parkplatz vor dem Café zu fahren. Er kommt zurück und sagt: „Komisch, die Fahrertür war offen. Ist aber nichts passiert.“ Ich hab wohl sowas gesagt wie „ok“ und wir essen und spazieren noch etwas herum. Zurück beim Auto bemerke ich, dass das Innere des Handschuhfachs auf dem Boden liegt. Hier drinnen war jemand. Wir feiern noch eine halbe erfolgreiche Sekunde, da wir denken, die Diebe wären nur auf unsere kaputte Kamera und das Handy im Handschuhfach hineingefallen. Aber als Sandro sagt: „Shit, die Kameratasche ist weg“, ist klar, dass das alles andere als lustig ist.  Weiterlesen

Hängengeblieben in Zipolite

Ok, heute noch. Aber morgen gehen wir wirklich!

Wir so. Jeden Tag. Angefangen hat alles mit der langen Fahrt von Mexico City nach Oaxaca City. Eigentlich begann es mit einer missglückten Google-Suche und einem äusserst unfähigen Taxifahrer in Mexico City, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall fuhren wir also nach Oaxaca City, wo unsere Freunde Laura und Rafi schon auf uns warteten. Ein hübsches Städtchen, doch das Meer hatte eine stärkere Anziehungskraft nach zwei Wochen in der grossen Stadt.

Wir stellten uns also für eine Nacht in irgendeine Strasse und hofften, die getrunkenen Gin Tonics in der kurzen Nacht wegschlafen zu können. Um drei Uhr erwache ich allerdings völlig verstört, als das Auto auf einmal zu fahren beginnt. Jemand hatte sich an unseren Surfbrettern zu schaffen gemacht und Sandro fand es eine gute Idee, einfach wegzufahren. Zwei Ecken weiter hielt er an und wir schliefen weiter. War uns so zwar noch nie passiert, aber irgendwann musste es ja geschehen. Das Problem: Oaxaca City ist ein verdammtes Nest. Zwei Stunden später erwache ich erneut und stehe fast im Bett, weil Sandro mit dem Fuss voll gegen die Hinterscheibe getreten hat. Da war doch tatsächlich einer an den Velos dran! Dieses Mal parkieren wir nicht um, sondern schlafen irgendwie gar nicht mehr richtig ein. Der schönste Moment war, als um halb sieben Uhr morgens tatsächlich der Müllwagen neben uns parkierte und für zwanzig Minuten lang einen unglaublichen Lärm veranstaltete. Wir gaben auf. Weiterlesen

Ich bin nicht musikalisch

Malen kann ich auch nicht. Geduld ist nicht meine Stärke. Ich muss immer das letzte Wort haben.

Diese Sätze sah ich immer als gegeben an. Als etwas, das nun mal so ist, wie es ist. Ich habe nicht gerade darunter gelitten, doch gut angefühlt hat es sich auch nicht. Ist ja auch kein gutes Gefühl, wenn man dem eigenen Freund beim Gitarre spielen zuschaut und sich dabei einredet, dass man das niemals könnte, weil kein Talent oder zu dumm oder genetisch bedingt. Weiterlesen