Kategorie: Inside Vanlife

Vom Erfolg unseres eBooks

Die Idee entstand, wie so vieles im Leben, aus reiner Notwendigkeit und purem Eigennutz. Niemals hätten wir uns und unsere Erfahrungen für wichtig genug empfunden, um ein eBook darüber zu schreiben. Auch wenn das Schreiben sozusagen unser Beruf ist. Wir dachten, mit dem Insty-Profil und einigen halbherzigen Blogposts würden wir die neugierigen Menschen daheim zur Genüge auf dem Laufenden halten. Problematisch wurde es erst, als es eben nicht mehr nur Mama und die Schwester waren, die das Zeug mit Interesse lasen, sondern viel, viel mehr. Schon bei 10K verbrachten wir einen nicht unwesentlichen Teil des Tages mit Fragen beantworten: Ist das nicht gefährlich? Wie findet man einen mega guten Camper? Wie könnt ihr euch das leisten? Du siehst, das sind keine Fragen, die man mal eben so mit nope oder yeah beantwortet. Und wenn man nett ist, so wie wir, dann nimmt man sich die Zeit auch gerne.

Natürlich hast du bereits auf das folgende Wort gewartet: aber. Aber: Irgendwann beantworteten wir dieselben Fragen wieder und wieder und wieder und obwohl wir versuchten, sie in Posts allgemeingültig zu beantworten, wurden sie dann eben nach einiger Zeit doch wieder übersehen. So beschlossen wir, als Zeitspar-Service an uns selber, ein eBook zu schreiben, in dem wir die 100 häufigsten Fragen unserer lieben Online-Gemeinschaft beantworten würden. Der Aufwand war mit Übersetzung ins Englische, Aufsetzen der Website, PayPal und Versand doch etwas grösser ausgefallen als geplant, aber wir können guten Gewissens sagen, dass es sich sehr gelohnt hat.

Einerseits können wir nun bequem an unser eBook weiterverweisen, denn mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit haben wir hereinflatternde Fragen bereits darin beantwortet. Andererseits hat es sich auch finanziell gelohnt. Aus Entscheidungsbequemlichkeit und einer kleinen Portion Verlegenheit heraus, entschieden wir uns dafür, das eBook auf Spendenbasis zu publizieren. Trotzdem, oder gerade deswegen, kam alles an Spenden herein zwischen 0 und 200 Schweizer Franken. Natürlich, die hohen Beträge waren meist Freunde oder Familie, aber Obacht: wir erhielten doch oft über 50 Franken von Wildfremden, was ziemlich crazy ist, wenn du mich fragst.

Zum Two-Years-On-The-Road-Jubiläum gabs dann eine zweite Version, natürlich viel besser und gescheiter, weil auch wir in dem Jahr dazwischen viel gescheiter und erfahrener geworden sind. Diesmal professioneller, mit einem top Cover und generell höherem Anspruch. Insgesamt wurden unsere eBooks (das erste ist nun nicht mehr verfügbar) über 1500-mal heruntergeladen. Davon haben sich etwa die Hälfte gratis bedient, und alle anderen spendeten pro Person an die 5 Franken im Schnitt. Das ist nicht nur toll für uns, sondern auch für die Projekte, an die 10 Prozent des Umsatzes geht.

Jetzt muss ich natürlich noch den Bogen spannen zum Titel. War das eBook denn nun erfolgreich? Nun, wenn wir eines gelernt haben in den letzten 27 Monaten unterwegs, dann, dass Zeit etwa 93 Prozent von allem ausmacht, was wirklich zählt. Stell dir vor, wie viel Zeit wir gespart haben! Halt Stop, ich rechne es kurz aus. Es sind: 475 Tage seit unserem Einjährigen, als das erste eBook veröffentlicht wurde. Wenn wir jeden Tag im Schnitt nur 15 Minuten gespart haben, was meist mehr war, dann haben wir 7’125 Minuten oder knapp 119 Stunden Lebenszeit gewonnen. Natürlich könnte man hier anfügen, dass wir diese Zeit bestimmt ins Schreiben der eBook gesteckt haben. Aber wir haben ein paar Franken zusätzlich verdient und ehrlicherweise arbeiten wir lieber konzentriert ein paar Tage oder Wochen, als 15 Minuten täglich. Also von hier aus gesehen war das eBook ein Grosserfolg.

Bist du jetzt mega heiss auf unser eBook geworden? Hier lang bitte. 
Dieser Text erschien auch auf RonOrp

Müllfreies Reisen

In der Schweiz wird Müll nicht wirklich als Problem gesehen. Man trennt, die Abfuhr kommt pünktlich dienstags vorbei und überall wird in den frühen Morgenstunden der Müll der letzten 24 Stunden weggefegt. Auf Reisen kann es dann durchaus zum Kulturschock kommen.

Wir sehen unterwegs täglich, wie Müll aus Autofenstern geschmissen wird, wie er nach der Flut am Strand liegen bleibt, wie alles mehrfach in Plastiksäckchen abgepackt wird. Die meisten Länder verfügen vielleicht über eine Müllabfuhr, aber nicht über Verbrennungsstationen. Und so landet der Müll, wenn auch korrekt entsorgt, auf Deponien. Und von dort aus tragen sie Regen, Vögel und der Wind hinaus in die Natur.

Das einzige und mindeste was wir tun können, um dem entgegenzuwirken ist: weniger Müll produzieren. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. In einer Gesellschaft, in der es günstiger ist, Einweg-Plastikteller zu benutzen, anstatt abzuwaschen, ist es sogar eine Herausforderung.

Hier einige Tipps und Utensilien, die uns unterwegs helfen, weniger Müll zu produzieren. Aber selbstverständlich sind sie auf jede Lebenssituation anwendbar.

Müllfrei einkaufen ftw!

Müllfrei kochen ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Mehrweg & Behälter

Zuallererst: Nachhaltigkeit mit Dingen erreichen zu wollen, ist natürlich nicht komplett ironiefrei. Mir geht es jedoch darum, bewusster zu konsumieren und gerade dem Einwegwahnsinn entkommt man nur, wenn man Mehrwegbehälter besitzt – und diese unter Umständen auch extra dafür kauft. Besser ist natürlich immer Second-hand.

Folgendes haben wir in unserem Repertoire: To-Go-Kaffeebecher, Tupperware, Einmachgläser, Beutel und Stofftaschen in jeder Grösse, Wasserflaschen, Metall-Trinkhalm. Wir haben natürlich einiges an Platz in unserem VW-Bus. Wer mit dem Rucksack reist, könnte sich zum Beispiel eine Wasserflasche, einen grösseren Jutebeutel und einen To-Go-Kaffeebecher mitnehmen. Letzterer funktioniert auch gut, um Essen zu transportieren.  

Taschen ftw!

Behälter ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Nein sagen

Sin bolsa, por favor (ohne Säckchen, bitte) ist der Satz, den wir wohl am regelmässigsten benutzen hier in Lateinamerika. Auf dem Markt verschwinden die Tomaten schon fast auf magische Weise in einer Geschwindigkeit im Plastik, da muss man schon vorbereitet sein und von Anfang an mit der mitgebrachten Tasche wedeln.

Vor einigen Wochen bedankte sich ein Verkäufer gar bei uns dafür, dass wir das Säckli nicht wollten, mit: Danke, dass ihr unsere Umwelt nicht verschmutzt! Es ist zudem sinnvoll, auf lokalen Märkten einzukaufen, wo man noch Nein sagen kann zum Plastik – in Supermärkten ist vieles ja schon vorher abgepackt. Damit unterstützt man gleichzeitig die lokale Landwirtschaft und Bevölkerung.

Wir versuchen auch, in jedem Land sofort das Wort für Strohhalm zu lernen (obwohl alles Spanisch sprechende Länder sind, ist das Wort immer verschieden), um es proaktiv in der Bar abzubestellen. Kokosnüsse lassen wir meist in unsere eigene Flasche abfüllen oder wir bringen unseren eigenen Metall-Trinkhalm mit.

Metallhalm ftw!

Coconut ftw!

 

 

 

 

 

 

 

Materialauswahl

Glas-, Papier- und Kartonverpackungen dem Plastik vorziehen. Am besten ist natürlich Unverpacktes. Solche Läden gibt es meist in grösseren Städten (auch in Asien und Lateinamerika) und lassen sich online leicht finden. In diesen Geschäften finden sich oft auch unverpackte Seifen und dergleichen.

Wer hat schon einmal eine Zahnbürste am Strand gesehen? Jeder. Dabei gibt es mittlerweile wunderbare Alternativen zur Plastikzahnbürste – zum Beispiel aus Bambus. Selbst wenn diese ungewollt in der Natur landen sollten, verrotten sie.

Spaziergänge mit Mission

Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, gerade Strandspaziergänge mit Müllsammeln zu verbinden. Meist liegt irgendwo ein Plastiksack oder ein grösserer Behälter herum, den wir dann beim Spazieren füllen. Und auf Laufrunden betreiben wir den neuen – und endlich mal sinnvollen – Trend #plogging: Joggen und Müllsammeln. Das trainiert gleich den ganzen Körper. Ein kleiner Beitrag für den Müll, den wir bereits in unseren Leben produziert haben.

#plogging ftw!

Verständnis

Es ist leicht, wütend zu werden, wenn man sieht, wie Menschen ihren Abfall nach Parties am Strand liegen lassen. Oder wenn sie Styroporteller aus dem Autofenster werfen. Das Problem ist, dann müsste man sich ständig aufregen, und das ist nicht sehr gesund. Wir haben gelernt, dass es genauso wichtig ist, Verständnis für die lokale Bevölkerung zu haben. Oft wissen sie es nicht besser oder sie haben es nie gelernt. Oder sie haben wichtigere Probleme, um die sie sich kümmern müssen. Das einzige, was wir tun können, ist selbst unser bestes zu geben und zu hoffen, dass unsere Mitmenschen mit der Zeit nachziehen.

Zu guter Letzt ist es auch sehr wichtig, Verständnis mit sich selbst zu haben. Natürlich vergessen wir oft, den Strohhalm abzubestellen und manchmal sind unsere Beutel nach dem Marktbesuch so voll, dass wir für die letzten Kartoffeln doch noch einen Plastiksack dazunehmen müssen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sondern darum, sich bewusst zu machen, was um einen herum passiert und sein möglichstes zu tun. Wenn das jede*r täte, wie würde unsere Welt dann wohl aussehen?

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Matter, die ihn auf English auf ihrem Blog veröffentlichten. 

«Schnell uf es Kafi»

Ortsunabhängige Selbstständigkeit hat viele Vorteile, jedoch auch einen grossen Nachteil. Unsere grösste Herausforderung ist der Kafi, auf den wir nicht sponti können.

Unsere Kunden finden uns via Social Media oder weil sie uns persönlich kennen. Mindestens genauso oft aber gehen wir auf potenzielle Kunden zu und offerieren unsere Dienste. Auf unserer Website ist klar ausgeschildert, dass wir von unterwegs aus arbeiten. Momentan bedeutet das: aus unserem VW-Bus in Ecuador. Für uns ist das kein Problem. Internet gibt es mittlerweile überall, lokale SIM-Karten auch, und die Inspiration, die wir von unseren ständig wechselnden Arbeitsplätzen mitnehmen, ist unbezahlbar.

Nun liest natürlich nicht jede*r jeden Satz auf der Website und so passiert es, dass wir immer mal wieder auf einen Kaffee eingeladen werden – kurz uf es Kafi! Das ist in unserem Fall natürlich nicht ganz so einfach. Und doch sagt es so viel über unsere lieben Heimatländer (Schweiz und Liechtenstein) aus. Der Blick in die Augen, ein paar halbgute Witze verteilen, locker über die Arbeit plaudern, und schon weiss man, ob man mit einer Person arbeiten will oder nicht. Es geht gar nicht so sehr darum, was die Person kann, sondern vielmehr darum, wer und wie sie ist. Wie sie sich anfühlt.

Das ist selbstverständlich eine schöne Sache. Auch wir haben lieber mit echten Menschen zu tun als mit einem Bildschirm oder einem Telefonhörer. Und doch hinkt die Schweiz in Sachen ortsunabhängigem Arbeiten noch ziemlich weit hinter Ländern wie Deutschland oder den USA her. In Deutschland verlangt niemand von einem Freelancer in München, mal schnell für einen Kaffee nach Berlin zu fahren. Aber von Bern nach Zürich ist das natürlich wunderbar möglich – ich war eh gerade in der Nähe! In der Schweiz ist man fast überall in der Nähe.

Nun, wie lösen wir das? Wir versuchen, den Kontakt auch ohne Kafi so persönlich wie möglich zu gestalten. Wir telefonieren oder skypen lieber einmal mehr als zu wenig. Zudem ist unsere Landesabwesenheit nicht ausschliesslich Nachteil. Unsere Kunden schätzen unsere Weit- und Weltsicht und arbeiten genau deshalb mit uns zusammen. Wir schreiben nicht von Dingen, von denen wir nur gehört haben – wir haben sie selbst erlebt.

Und doch fragen wir uns manchmal, was wohl alles möglich wäre, wenn wir daheim wären – und all die Kaffees tränken. Würde das Geschäft besser laufen? Würden die Kunden weniger zögern, uns zu engagieren? Wir wissen es nicht. Aber die optimalste Lösung wäre es wohl, einige Wochen oder Monate im Jahr vor Ort in der Schweiz zu sein um die Menschen zu treffen. Sobald dieser Erstkontakt hergestellt ist, ist auch das Vertrauen da, wenn wir wieder davonfahren.

Auf der anderen Seite müssen wir auch bekennen: Es geht uns ziemlich gut. Beklagen tun wir uns auf keinen Fall, im Gegenteil. Wir haben die Freiheit, uns diese Fragen stellen zu können, weil es uns bis jetzt sehr gut gelingt, on the road selbstständig und ortsunabhängig zu arbeiten. Dafür sind wir dankbar. Und freuen uns trotzdem, unsere Kunden im kommenden Jahr dann persönlich in der Schweiz zu treffen – aber dann lieber auf ein Bier!

Unsere kleine Kommunikationsagentur mit grossem Herzen für Storytelling, Enkeltauglichkeit und Reisen heisst Büro Luz

Wifi gibt es auch hier: Kolumbien.

Jetzt sind sie auch noch vegan!

Als erstes möchte ich klarstellen, dass mir natürlich bewusst ist, wie gross die Projektionsfläche ist, die ich mit diesem Text aufstelle. Zwei Menschen in einem alten VW-Bus, bereits über 20 Monate unterwegs, sie ab und zu Yogalehrerin, er Musiker – und zu allem Überfluss leben sie jetzt auch noch vegan. Was noch schlimmer ist: Jetzt will sie uns ihre extreme Lebensweise wahrscheinlich auch noch aufbinden. Keine Angst! Das will ich nicht. Ich werde versuchen, so neutral wie möglich über unsere Erfahrungen zu sprechen, die natürlich nie neutral sein können, weil es sich ja um mein Leben handelt. Doch meine Absichten sind keine bösen.

Veganismus. Das Wort klang auch für uns noch sehr extrem und fremd. Das, obwohl ich Vegetarierin bin, seit ich selbst entscheiden darf, was ich zu mir nehme. Sandro hat sich bis vor einem Jahr noch die Cervelat nach Mexiko mitbringen lassen. Was in der Zwischenzeit passiert ist, lässt sich wohl am besten beschreiben mit: schrittweiser, ungewollter Entwöhnung.

Lieber kein Käse

Sandros Fleischkonsum hatte sich bereits auf ein seltenes Minimum reduziert. Und spätestens in Guatemala, wo das Fleisch am Stück in einem Holzhäuschen hängt und die Fliegen mit dem Palmblatt weggewedelt werden, war es um den guten Mann geschehen – auf die schlechte Art und Weise.

Ihnen muss ich ja nicht erklären, dass der Käse ausserhalb der Schweiz nicht zu gebrauchen ist. Da kauft man lieber gar keinen. Das ist es, was wir taten. Wozu zu viel Geld für einen Käse ausgeben, der ohnehin nach nichts schmeckt? Und wo der fehlende Käse anfangs noch ein klaffendes Loch in unserer Geschmackserinnerung hinterlassen hatte, war bald keines mehr.

Da blieben noch die Eier. Supermärkte meiden wir, so gut es geht, um die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Das Problem war dann irgendwann, dass die lokale Bevölkerung ihre Eier nur in 24er-Kartons kauft. Etwas zu viel für uns.

Pommes und Salat

Natürlich, neben all diesen praktischen Gründen, die zu unserer neuen Ernährungsweise führten, gab es parallel auch andere: Gedanken, die wir uns machten, zum Beispiel. Und Informationen, die wir uns miteinverleibten. Die Tatsache, dass wir uns besser fühlen. Ist ein Klischee, stimmt aber zu 100 %.

Schwierig ist es übrigens überhaupt nicht. Wir essen ohnehin recht simpel und frisch. Und auswärts haben wir noch immer irgendetwas gefunden. Ich kenne ja das Vegi-Notfall-Menü Pommes und Salat schon sehr gut, das funktioniert auch als Veganer. Auch die lokalen Spezialitäten lassen sich oft in veganen Versionen finden, wenn man sich die Zeit nimmt. Die haben wir ja glücklicherweise. Es gibt auch eine super App, mit der man vegetarische und vegan-freundliche Restaurants auf der ganzen Welt findet.

Und das als Argentinierin

Was noch lustig ist: jedes Land bisher brüstet sich damit, extrem viel Fleisch zu essen. Und dass es quasi unmöglich sei, als Veganer zu überleben. Doch wir fanden bereits in den kleinsten Dörfern und Vororten von grossen Städten vegane Restaurants. Gerade hier in Kolumbien ist es eine wahre Freude. In der Altstadt Cartagenas zum Beispiel kocht eine Handvoll Grossmütter bereits seit über 15 Jahren vegan-vegetarisch. In den meisten Städten haben sich irgendwo die Hare Krishna niedergelassen und kochen fantastische vegane Mittagsmenüs. In kleineren Orten sind es kleine lokale Familienrestaurants, in denen gesund gekocht wird – was hier so viel heisst wie Vegi-Zeug.  

Übrigens: Ich wuchs in einer argentinischen Familie auf. Wenn ich krank war und mit meiner Mama telefonierte, meinte sie immer: Iss doch bloss ein kleines Stückchen Fleisch, das wird dir gut tun! Als ich Vegi wurde, nahmen sie mich nicht sehr ernst. Wenn die gewusst hätten, was noch auf sie zukommt!

Essen als Veganer mengenmässig viermal so viel und kochen zwölfmal besser als vorher: die Vanabundos.

Essen als Veganer mengenmässig viermal so viel und kochen zwölfmal besser als vorher: die Vanabundos.

Eine analoge Überraschung

Nachdem uns in Mexico die Kameratasche aus dem Van geklaut wurde, blieb uns genau ein analoger Film übrig. Wir wussten nicht, was drauf war, und fuhren ihn fröhlich durch ganz Mittelamerika. Unser Besuch in der Schweiz ermöglichte es uns dann endlich, den Film entwickeln zu lassen. Und oh wie schön: Fotos von unseren ersten Wochen unterwegs rund um Seattle mit unseren Freunden Noëlle und Andi sind drauf und viele vom Burning Man Festival.

Hier alle Fotos, auf denen etwas zu erkennen ist bzw. keine Nippel gezeigt werden – wir schreiben das Jahr 2016:

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Kolumbien im Herzen

Auf Instagram stolperte ich letztens über eine Bar auf Bali, welche sich Pablo’s nennt. Im Logo Pablo Escobar, dargestellt wie ein christlicher Heiliger. Ich war irgendwie schockiert. Einige Wochen zuvor hatten wir eine höchst aufschlussreiche Free Walking Tour in Medellin mitgemacht. Die Schreckensherrschaft Escobars wurde zwar thematisiert, doch seinen Namen sprach der Guide nicht einmal laut aus. Er nannte ihn den bekannten Kriminellen dieser Stadt. Bis auf einige wenige (wie zum Beispiel der Mann, der bis heute täglich das Grab seines patrons fegt, weil er damals ein Haus geschenkt bekommen hatte), hegt kein Kolumbianer positive Gefühle zu diesem Teil der Vergangenheit des Landes. Praktisch jeder Bewohner Medellins hat schon einmal einen Toten gesehen und Familienmitglieder verloren. Sie könnten nicht weiter weg sein von dem Hype, der durch die Netflix-Serie ausgelöst wurde. Stellen Sie sich vor, man würde diesen Menschen erzählen, dass jemand in Bali eine Bar nach dem bekannten Kriminellen Medellins benannt hat.

Gleichzeitig wird das Klischee, Kolumbien bestehe aus nicht viel mehr als Drogen und Kriminellen, natürlich gestärkt. Eine Tatsache, derer sich die Einheimischen sehr bewusst sind. Wir werden oft darauf angesprochen. Sie sagen uns dann, wir sollen unseren Freunden und Familien erzählen, dass Kolumbien schöne Landschaften und Städte habe. Dass Botero und Marquez übrigens auch Kolumbianer gewesen seien. Sie laden uns zum Bier ein und bitten uns, von ihrer Gastfreundlichkeit zu berichten.

Dabei müssten sie das gar nicht. Kolumbien hat sich auf der Liste unserer Lieblingsländer auf den ersten Platz zu Mexiko gesellt. Warum?

Die Menschen

Es ist ein Klischee, dass auf Reisen alle Menschen so nett sind. Aber in Kolumbien sind sie wirklich besonders herzlich und aufgeschlossen. Wir können das sagen, nach über eineinhalb Jahren unterwegs. Auf unseren Fahrten in Kolumbien werden wir alle paar Minuten angehupt, weil die Menschen sich über die fremden Nummernschilder, die ihr Land bereisen, ausserordentlich freuen. Sie winken aus den Autos, zeigen Daumen hoch und sprechen uns in Staus durch das Fenster an. Wo immer wir aufkreuzen, steht bald eine interessierte Gruppe von Menschen um den Bus und fragt uns über uns und unsere Reise aus. Bei unseren zwei Pannen halfen uns fremde Menschen ohne zu zögern. Sogar die Tankwarte wünschen uns täglich, dass Gott uns segne.

Die Vielfalt

Man hat alle zwei Stunden das Gefühl, in einem neuen Land zu sein. Kolumbiens Natur und Landschaften sind unglaublich vielfältig und atemberaubend schön. Die Karibikküste des Nordens, die tiefgrüne Kaffeeregion, die trockenen Paramo-Ebenen mit ihren Kakti oder der Amazonas: hinter fast jeder Kurve wartet die pure Pracht.

Die Dörfer

Aussergewöhnliche Schönheit findet sich auch in den Dörfern und Städtchen des Landes. Die Kolonial-Architektur ist einzigartig und sie wird glücklicherweise erhalten und gepflegt. Gerade wenn man glaubt, das hübscheste Dorf gefunden zu haben, findet man ein hübscheres. Einige unserer Lieblinge: Barichara, Guatapé, Jardin, Filandia, Mongui, Salento und unser absoluter Favorit Villa de Leyva (wohin wir dreimal zurückgekehrt sind).

Die Städte

Cartagena, Medellin, Bogota, Cali: wir liebten sie alle. Und das, obwohl Stadtbesuche mit dem Camper oft etwas mühsam sind. Aber das war es absolut wert. Cartagena war wunderbar als Startpunkt in Kolumbien: fast schon etwas zu herausgeputzt, aber lebendig und im Getsemani-Quartier lässt es sich super länger verweilen. Bogota macht auf den ersten Blick nicht unbedingt an: 10 Millionen Einwohner und dazu auf 3000 Metern über Meer. Doch alleine schon die Dichte an Weltklasse-Museen macht Bogota zu einer top Destination. In Cali lässt sich das authentische Leben in einer kolumbianischen Stadt erleben, ohne vielen anderen Touristen über den Weg zu laufen. Und Medellin: dorthin werden wir kommende Woche zum dritten Mal zurückkehren. Diese Stadt fühlt sich nach ewigem Frühling an mit der Coolness einer jeden Weltstadt.

Sicherheit

Da sich einige bestimmt fragen, wie wir so verrückt sein können, Kolumbien im Camper zu bereisen, weil es doch sicher mega gefährlich ist, möchte ich noch festhalten: Kolumbien gilt mittlerweile als sehr sicheres Reiseland. Wir fühlten uns überall wohl und hatten nie Probleme. Im Gegenteil.

Nicht ganz fünf Monate bereisen wir Kolumbien nun. Wir befinden uns gerade in Popayan, ziemlich weit im Süden. Ecuador ist nur noch einen Fahrtag entfernt. In einem Monat läuft unser (bereits einmal verlängertes Visum) aus. Nun könnten wir bereits den Sprung nach Ecuador machen. Doch gerade gestern entschieden wir, noch einmal nordwärts zu fahren. Es fühlt sich an, als wären wir noch nicht bereit, dieses wundervolle Land zu verlassen. Also drehen wir in den kommenden Wochen eine Ehrenrunde via Cali, Salento und Medellin – einige unserer vielen, vielen Lieblingsorte.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.

Wo wir sogar die Tankstellen abfeiern: Kolumbien.

 

Die Freiheit, alles zu tun

Am Ende eines Jahres kann man sich fast nicht retten vor all den klugen Sprüchen in den Sozialen Medien: A new year, 365 blank pages. Doch sind die Tage des neuen Jahres wirklich so unvorgeschrieben, wie wir glauben wollen? Da ist der Job, welcher schon fast 300 davon ziemlich planbar macht. Ostern. Dann die Ferien im Sommer. Geburtstage, die gefeiert werden wollen.

Wie es sich anfühlt, tatsächlich vor 365 weissen Seiten zu stehen, erfahren wir gerade am eigenen Leib. Wir haben nichts geplant für 2018. Das meine ich ganz wörtlich: nichts. Da ist keine Route, keine Länderliste, die abgehakt werden muss, keine Sehenswürdigkeiten, die auf einer Bucket List stehen. Bis jetzt hat sich in diesem Jahr noch kein Besuch angemeldet. Festivals stehen auch nicht auf dem Programm. Als Selbstständige wissen wir nicht, wie unsere Auftragslage in diesem Jahr aussehen wird. Wir müssen keine Party schmeissen für Sandro, der kommende Woche 38 wird. Wir müssen auch an keinen Geburtstagsparties teilnehmen, weil wir ja in Südamerika hocken, weit weg von unserem Sozialleben in der Schweiz. Wir wissen nicht einmal genau, was wir morgen tun.

Was löst diese Beschreibung unseres 2018 in Ihnen aus? Denken Sie, dass es Ihnen Angst machen würde? Natürlich haben auch wir manchmal Angst vor dem Ungewissen, wir sind ja keine Hippies. Das Schweizer Sicherheitsdenken ist immer noch sicher verankert in unserem Bewusstsein, auch wenn es sich in den letzten anderthalb Jahren etwas gelockert hat. Vor allem finanziell stehen wir vor der Herausforderung, unser Leben auf Reisen so weiterzuführen wie bisher. Wir leben bereits seit einem halben Jahr von dem Geld, das wir als Selbstständige unterwegs verdienen und hoffen, das auch weiterhin so hinzukriegen.

Auf der anderen Seite steht die pure Aufregung! Wie oft geschieht das schon in einem Menschenleben? Dies ist vielleicht die einzige Chance, die wir haben, so ein Jahr voller echter leerer Seiten zu beschreiben. Quasi aus einem Nichts ein Alles zu machen. Wir können spontan und flexibel sein, wenn wir das denn wollen. Wir können uns auch jetzt hinsetzen und eine Route planen: Flüge checken für Galapagos und entscheiden, ob wir zu Machu Picchu laufen oder fahren.

Doch was wollen wir eigentlich? Mit dem Flow weiterziehen oder lieber schon die Eckpunkte voraussehen? Wir wissen es nicht, wir standen noch nie vor so einem Jahr. 2017 war einfach und verplant: voll von Besuchen aus der Schweiz und sinnbefreiten Visaregelungen in Mittelamerika. Diese ersten Wochen 2018 setzen wir uns deshalb bewusst mit uns selbst auseinander: Um herauszufinden, was wir eigentlich wirklich wollen, wenn wir die Freiheit haben, alles zu tun. Bis dahin geniessen wir weiterhin dieses wunderbare Kolumbien vom Dschungel bis in die Wüste und wieder zurück.

Übrigens kommen wir gerade vom Weihnachtsbesuch in der Schweiz. Nur zwei Dinge kamen uns daheim komisch vor: Dass überall Schweizerdeutsch gesprochen wird und dass die Menschen ziemlich gross sind. Hier in Lateinamerika waren wir es unbewusst gewohnt, die längsten zu sein. In Zürich gehen wir unter.

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Sie haben keinen Plan: Gabriella und Sandro.

Dieser Text erschien zuerst auf 20minuten.ch.

Das kommt Sandro Spanisch vor

Die Geschichte geht so: Sandros Vater ist spanischer Herkunft, aber Sandro hat nie wirklich Spanisch sprechen gelernt. Höchste Zeit also, diese Lücke auf der Reise zu schliessen – zumal wir uns praktisch nur in spanischsprachigen Ländern bewegen. Und was bietet sich hier am besten an? Einfach darauf lossprechen und schauen, was passiert. Durch Sandros passiven Wortschatz und Gespür für Sprachen ging das in diesem letzten Jahr on the road ganz passabel, und seine Skills haben sich seit Mexico schon merklich verbessert. Trotzdem kam es dann und wann immer wieder zu lustigen Momenten, wenn es halt mal nicht so mit dem Spanisch klappen wollte. Ein paar lustige Szenen wollen wir dir nicht vorenthalten:

Sandro am Bankschalter:

An einem Bankschalter in Cartagena, beim Begleichen einiger Rechnungen für die Hafengebühren, ging Sandro schnurstracks zum Schalter und erklärte der Dame Folgendes: Quisiera pagar mis fracturas – zu Deutsch: ich möchte gerne meine Knochenbrüche bezahlen. Er hatte fracturas mit facturas verwechselt.

Sandro beim Aufladen der Prepaid-Karte fürs Handy:

Auch hier war wieder ein unschuldiges r Schuld. Cargar heisst aufladen, cagar hingegen heisst kacken. Hola, quiero cagar mi movil – Ich würde gerne mein Handy scheissen.

Sandro im Restaurant:

Ruf dem Kellner Schrimp zu und schaue, was passiert. Oder: der feine Unterschied in der Aussprache zwischen camarero (Kellner) und camaron (Schrimp) – buen provecho!

Nach einem Jahr lustiger Anekdoten war es nun an der Zeit, Sandros Spanisch auf ein nächstes Level zu hieven – quasi weg von der Strasse. Wir machten zwei Wochen lang Halt in Medellin und Sandro besuchte zwei Wochen lang jeweils nachmittags das Centro Catalina, die dortige Partnerschule von Boa Lingua. Die vier Stunden Privatunterricht pro Tag haben sich gelohnt: Er konnte viele Unsicherheiten aus dem Weg räumen und die ein oder andere Baustelle in der Grammatik (Stichwort Subjuntivo) schliessen. Es gefiel ihm so gut, am liebsten wäre er länger geblieben.

Aber leider müssen wir weiter, nämlich in Richtung Schweiz, zumindest über Weihnachten.

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In Zusammenarbeit mit Boa Lingua.

24/7 zusammen – wie hält man das als Paar aus?

Wenn wir Freunde zu Besuch haben oder wenn ich mit einer Freundin telefoniere, kommt diese eine Frage immer mal wieder: Wie haltet ihr das aus, ständig zusammen zu sein? Ist es nicht viel zu eng in eurem Bus? Habt ihr überhaupt noch etwas zu besprechen?

So lange miteinander unterwegs zu sein klingt tatsächlich sehr viel schlimmer, als es ist. Ja, wir haben jeden einzelnen Tag und fast jede Nacht (ausser als meine Schwester zu Besuch war – da haben wir Frauen im Bus und Sandro im Zelt geschlafen) zusammen verbracht. Und nein, wir streiten nicht ständig. Hier kommen unsere Erkenntnisse in Sachen Paarbeziehung und Langzeitreise.

  • Wir reden so viel miteinander wie nie. Einerseits, weil Kommunikation extrem wichtig ist. Andererseits, weil wir Dinge erleben, die im Gespräch viel besser verarbeitbar sind. Beim Fahren hören wir zwar oft Podcasts, aber die meiste Zeit verbringen wir in Unterhaltung über Pläne, Erlebtes und Dinge, die wir sehen. Wir staunen zusammen.
  • Die Gefahr, als Paar zu einer einheitlichen Masse zu verschwimmen, ist natürlich gross. Umso wichtiger ist es, dass jeder sein eigenes Leben lebt. Also beispielsweise eigene Telefonate mit Daheim führt und nicht immer zu Zweit. Sandro zieht sich fast täglich zurück, um Gitarre zu spielen oder zu joggen.
  • Alle denken, wir stehen uns im Bus auf den Füssen herum. Tatsächlich verbringen wir vergleichsweise sehr wenig Zeit im Bus. Campen heisst in erster Linie, Zeit im Freien zu verbringen. Und dort läuft man eigentlich nie Gefahr, sich eingeengt zu fühlen.
  • Die meisten kennen das aus Beziehungen: Man streitet, Türen werden geknallt, einer schläft auf dem Sofa. Das Türenschlagen ist für uns leider nur begrenzt möglich bei der schlecht geölten Schiebetür. Und ein Sofa haben wir auch keins. Wir sind also sozusagen gezwungen, uns vor dem Schlafengehen zu versöhnen. Und wenn wir das mal nicht geschafft haben, schweigen wir uns eben nebeneinanderliegend an. Was meist ohnehin so lächerlich ist, dass wir uns doch noch versöhnen.
  • Über die kleinen Dinge streiten wir eigentlich nicht mehr. Wir haben beide unsere Rollen, in die der andere nicht reinredet. Sandro schaut, dass wir immer Bargeld dabei haben, regelt Besuche beim Mechaniker, plant Routen, macht morgens Kaffee. Ich halte die Vorräte voll, lese alles Wissenswerte über das Reiseland, aktualisiere Podcasts und schreibe Texte wie diesen hier. Alles, was wir gemeinsam machen, besprechen wir.
  • Wir haben das Glück, ein ziemlich ähnlicher Schlag von Mensch zu sein. Wir mögen die meisten Sachen, die der andere mag und haben vergleichbare Routinen. Auch streiten wir beide nicht gerne. Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine Ausnahmesituation, als Paar so unterwegs zu sein. Wir haben schon viele Paare im Streit erlebt, die so unterwegs sind wie wir. Da fliegen die Fetzen quasi aus der Wohnwagentüre auf den Campingplatz und alles, was einem als Nachbar bleibt, ist, im richtigen Moment mit einem kühlen Bier bereitzustehen. Wir sitzen alle im selben Boot.

Eigentlich ist es wie überall im Leben. Wer seine Erwartungshaltungen im Griff hat und sich selbst gut genug kennt, um nicht alles am Partner auszulassen, wird es auch auf der Langzeitreise wunderbar gemeinsam deichseln. Schlussendlich ist es ein Geschenk, mit dem Lieblingsmenschen so viel Zeit verbringen zu dürfen. Wenn ich daran denke, wie oft wir aneinander vorbeigelebt haben, als wir beide noch Vollzeit arbeiteten – bin ich jetzt durchaus dankbar, diese Erlebnisse gemeinsam zu machen.

Seit einem Monat befinden wir uns nun in Kolumbien, dem wohl schönsten Land bisher für Überlandreisende. Hier bleiben wir bis 2018. Und dazwischen geht es auf einen Weihnachtsbesuch in die Schweiz. Auf den Winter freuen wir uns nicht wirklich, dafür umso mehr auf unsere Liebsten!

Dieser Text erschien zuerst in 20 Minuten.

 

8 Tipps zum Wild- und Urban-Camping

Du hast einen Camper, aber kein Geld? So übernachtest du gratis in der Stadt und auf dem Land.

Dieser Text erschien zuerst auf redbull.com

Frag einfach

Klingt offensichtlich, muss man aber erst mal machen! Wenn dir ein Fleckchen Erde für eine oder zwei Nächte zusagt, kannst du dich nach dem Besitzer umsehen. Wenn du offen und nett auf ihn zugehst, ist es meist kein Problem – egal wo auf der Welt. Vorteil: Sicherheit. Anwohner fragen ist auch eine gute Möglichkeit, um abzuchecken, ob ein angepeilter Ort sicher ist.

Ressourcen anzapfen

iOverlander und freecampsites.net sind zwei gute Apps bzw. Websites, in die Camper aus aller Welt gute Wildcampingplätze eintragen.

Genau hinschauen

Camping in der Stadt kann zunächst etwas angsteinflössend sein. Aber wenn du dich mal daran gewöhnt hast und gut schläfst, ist es ziemlich cool. Du hast dir also einen tollen Strassenparkplatz in einer Stadt gewählt und planst, dein Haus auf Rädern nach Einbruch der Dunkelheit aufzusuchen und darin zu schlafen. Sieh dich zuerst nochmal um: Stehst du auch nicht unter einer Strassenlampe? Die sind nämlich zu vermeiden, wenn du nicht im Spotlight stehen willst (um nicht erkannt zu werden, aber auch, um überhaupt schlafen zu können). Wenn du keine Toilette im Camper hast, dann halte schon einmal nach einem Café oder so Ausschau, das du dann am Morgen aufsuchen kannst.

Rein mit allem

Es gibt (fast) nichts Schlimmeres, als im Van zu liegen und nicht schlafen zu können, weil man Angst hat, dass die Velos oder die Surfbretter, die aussen angemacht sind, geklaut werden können. Tatsache ist: Es ist eine berechtigte Angst. Stelle deshalb sicher, dass dein Zeug wirklich sicher befestigt ist, oder finde eine andere Lösung und lege die Bretter zum Beispiel jeweils über Nacht hinein. Du wirst viel ruhiger schlafen.

Cockpit offen lassen

Wenn du einen Van hast, dann finde eine Möglichkeit, einen Sichtschutz zwischen Cockpit und Wohnraum zu installieren. Wenn du dann noch die Fenstervorhänge zumachst und das Licht ausschaltest, wird niemand vermuten, dass hinten jemand drinliegt.

Obacht bei Hitze

Wenn es in der Nacht zu heiss ist, um Fenster und Türen zu schliessen, ist es meist sinnvoller, sich einen sicheren Übernachtungsplatz zu organisieren. Denn wenn es zu heiss zum schlafen ist, die Löcher aber aus Sicherheitsgründen zu bleiben müssen, macht es wirklich keinen Spass mehr.

Auf Achse bleiben

So wunderbar ein Übernachtungsplatz auch ist: Bewege dich immer mal wieder weiter. Vor allem in Städten. Anwohnern fällt gut und gerne auf, wenn da seit zwei Nächten ein Van vor ihrem Haus steht. Besser regelmässig wieder die Strasse oder Nachbarschaft wechseln, wenn man in einer Stadt ist. Das erhöht auch die Sicherheit.

Halte Ausschau

Sei aufmerksam, wo du andere Camper ausserhalb von öffentlichen Campingplätzen siehst. In den USA beispielsweise übernachten viele Reisende auf Walmart-Parkplätzen, wo sie fast im ganzen Land geduldet werden. In Lateinamerika sind Tankstellen mit Nachtparkplätzen für LKW-Fahrer eine gute Möglichkeit.

Du findest diese Tipps nützlich, hast aber noch einige offene Fragen? In unserem eBook beantworten wir die 100 häufigsten Fragen zu uns, der Reise und unserem Van! Lies hier alle 100 Fragen, die beantwortet werden. Das eBook ist spendenbasiert zu haben.

Wildcamping in Costa Rica.

Wildcamping in Costa Rica.

Pannen auf dem Weg nach Südamerika

Nicht, dass wir uns nicht schon daran gewöhnt hätten, mit Verspätungen, langsamen Prozessen und Unerwartetem umzugehen. Nach über 14 Monaten unterwegs bringt uns nichts mehr so schnell aus der Ruhe. Denn am Ende hat noch alles irgendwie funktioniert.

In Panama verbrachten wir die Zeit vor der Verschiffung nach Kolumbien hauptsächlich an der Pazifikküste. Las Lajas ist der längste Strand Zentralamerikas: 20 Kilometer nur Palmen und Sand, quasi unbewohnt. Wir stellten uns vor das einzige Hostel weit und breit und erholten uns von Strassenlärm und zu vielen Menschen. Friedlich. Bis auf die eine Nacht, in der wir um 2 Uhr morgens geweckt wurden, weil in Mexiko ein Erdbeben einen potenziellen Tsunami ausgelöst haben könnte. Glücklicherweise war die Hostelbar noch offen: Wir schnappten uns ein Bier und verfolgten die Nachrichten. Um uns hatten wir keine Angst, aber wir hatten wirklich keine Lust, dass eine etwas höhere Welle unseren Bus überschwemmt. Einige Stunden später wurde die Warnung aufgehoben und wir gingen bei Sonnenaufgang wieder schlafen.

In Panama City starteten wir sofort mit dem Papierkram um die Verschiffung. Als erstes stand ein Besuch bei der Polizei zur Inspektion an. Wartezeit: 90 Minuten. Inspektionszeit: vier Sekunden. Wir befuhren den Puente de los Americas; die Brücke, die Nord- mit Südamerika verbindet. Wir besuchten den Panama-Kanal und stellten aufgeregt fest, dass unser Büssli ja schon einmal hier gewesen war, bei der Verschiffung von Europa an die US-Westküste vor über einem Jahr.

Colon liegt etwa 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt und ist Hauptumschlagsplatz für Container und Frachten aller Art. Da unser Auto nicht in einen normalen Container passt, haben wir uns entschieden ihn via Roll-on-Roll-off zu verschiffen. Das heisst, man stellt das Auto in den Hafen, er wird auf den Frachter gefahren und dann wieder runter. Das Problem: Die Schlüssel stecken während der mindestens drei Tage in den Häfen am Auto – jeder kann ihn betreten. Zu diesem Zweck hatten wir uns noch in Las Lajas von einem netten pensionierten Holländer namens Rudi eine provisorische Trennwand hinters Cockpit bauen lassen. Die Türen hinten wurden mit Vorhängeschlössern versehen.

Wir holten Dokumente und Stempel bei vier verschiedenen Stationen am Hafen ab. Am Ende wurde der Wagen noch von einem Drogenhund und einem Inspektor durchsucht. Bei dieser Gelegenheit entdeckte der Mann einen Federhut, den wir noch von unserem letztjährigen Besuch am Burning Man Festival herumfuhren. Es un pollo? Ist das ein Huhn? Er klang nicht einmal überrascht. Dieser Inspektor hatte wohl schon einiges in seinem Leben gesehen, da kam ihm ein Huhn im Schrank nicht völlig absurd vor.

Den Flieger von Panama City nach Cartagena verpassten wir. Einen Tag vorher hatte es einen Stromausfall am Flughafen von Panama City gegeben, darum warteten jetzt doppelt so viele auf ihre Weiterreise. Dazu kamen all die Leute, deren Flugzeug nach Mexiko nicht abhob, da es abermals ein Erdbeben gegeben hatte. Wir warteten geduldig in unserer Schlange, wohl etwas zu geduldig. Am Check-in-Schalter angekommen, war unser Flug bereits beim Boarden. Wir hatten allerdings grosses Glück und bekamen noch die letzten beiden Sitze für den Abendflug. Zehn Stunden am Flughafen von Panama City: Nicht gerade ein Wunschtraum, aber es gibt Schlimmeres.

Nun sind wir schon eine Woche in Cartagena. Das Schiff hatte wegen der Hurricanes in der Karibik Verspätung, darum erreichte unser Bus Kolumbien erst gestern. Wir hoffen, ihn übermorgen (mitsamt Inhalt) abholen zu können. Kostenpunkt: um die 1300 Dollar, exklusive Flüge und Hotel. Und dann: Wartet ein neuer, riesiger Kontinent auf uns!

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Am Flughafen in Panama City. 

Selbstständig machen auf Reisen

14 Monate werden wir bereits unterwegs sein, wenn unser Bus Ende September auf einen riesigen Tanker gefahren und von Panama City nach Cartagena in Kolumbien verfrachtet wird. Der Preis für diesen einen Tag auf See wird demjenigen von Europa in die USA (vier Wochen) ziemlich nahe kommen. Eine Investition, sozusagen. In unsere Reise, die sich ab dann auf dem Südamerikanischen Kontinent abspielen wird.

Nach all den Grenzübergängen in ziemlich knapper Zeit und eher kurzen Routen in Mittelamerika, freuen wir uns auf Weite und Aufenthaltsdauern von 90 Tagen pro Land. Doch um ehrlich zu sein: Wir verspüren gerade keine grosse Lust auf das Abenteuer Verschiffung. Der Aufwand, das Geld, Behörden – all das wegen eines klitzekleinen, unbefahrbaren Abschnitts zwischen Panama und Kolumbien von 110 Kilometern, der sich Darien Gap nennt.

Es hat wohl damit zu tun, dass wir gerade einen sehr schönen Reise-Rhythmus gefunden haben. Wir sind vergleichsweise langsam unterwegs, bleiben oft eine Woche am selben Ort, lesen und lernen viel. Dazu arbeiten wir seit einigen Monaten von unterwegs – da wir nun, anstatt der geplanten eineinhalb Jahre, mindestens zweieinhalb Jahre bis Argentinien unterwegs sein werden.

Die Frage nach der Finanzierung einer solchen Reise ist eine oft gestellte. Natürlich haben wir gespart, doch diese Ersparnisse waren auf eineinhalb Jahre ausgelegt. Nun finden wir gerade heraus, wie es ist, sich selbstständig zu machen – und das auf einem anderen Kontinent. Zum einen haben wir ein eBook geschrieben, in welchem wir die 100 häufigsten Fragen zu unserer Reise beantworten. Dies lief trotz Spendenbasis ziemlich gut an. Zum anderen freelancen wir als Journalisten und im Text- und Contentbereich, was sich aus der Distanz als nicht ganz einfach erweist. Doch langsam kommt die Sache ins Rollen. Und: Es macht Spass! Wir lieben es, Cafés aufzusuchen und einige Stunden zu arbeiten. Die einzige Herausforderung ist natürlich die Internetverbindung an abgelegenen Orten. Gerade befinden wir uns im panamesischen Las Lajas. Dieser 20 Kilometer lange Strand ist völlig leer, es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Wir haben ein Hostel gefunden, welches uns vor dem Haus campen lässt – und dabei den Jackpot ergattert: fantastisches Wifi! Das hier sind wirklich Traumbedingungen, was natürlich alles andere als selbstverständlich ist.

Ihr seht, da ist nicht nur die Verschiffung, um die wir uns in der kommenden Woche kümmern müssen und werden. Da ist auch ein kleines Freelance-Business, das aufgebaut werden will. Es ist aufregend und lehrreich und natürlich, manchmal verunsichernd. Doch jetzt ist die Ausgangslage ideal: wir haben die Zeit, die Musse, tiefe Lebenskosten und alle Freiheiten der Welt.

Noch vor einem Jahr hätten wir nicht gedacht, dass wir uns unterwegs so intensiv mit diesen Fragen beschäftigen würden. Selbstverständlich gehört diese vermeintliche Unsicherheit auch ein Stück weit dazu. Aber alleine die Tatsache, dass wir diesen Schritt wagen, gibt uns ein gutes Gefühl. Weil wir tun, anstatt nur darüber nachzudenken – und zwar weit ausserhalb unserer Komfortzone.

Dieser Text erschien zuerst in 20 Minuten

Lieblingskommentar:

Andi Fire: Stimmt,aber bitte nicht pleite nach Hause kommen und die Sozialwerke in Anspruch nehmen.

Alles zu Nicaragua

Aufenthaltsdauer

Vom 90-Tage-Kontingent der CA4-Länder blieben uns für Nicaragua: etwas mehr als vier Wochen.

Route

El Paraiso – Leon- Las Penitas – Granada – Laguna de Apoyo – Masaya – Managua – Granada – Playa Maderas – San Juan del Sur – Ometepe

Ein paar Notizen 

Der Grenzübergang war eher chaotisch, und zwischenzeitlich standen wir auch mal ohne Pässe da, weil ein Grenzbeamter den Pass von Liechtenstein noch nie gesehen hatte, schnurstracks abmarschierte ohne verlauten zu lassen, wie lange diese Abklärungen dauern würden. Es ging dann aber alles fix über die Bühne, Gabs setzte sich ans Steuer und wir fuhren direkt nach Leon. Dort haben wir uns bei der Feuerwehr auf dem Parkplatz eingemietet – für 3 Franken pro Nacht. Easy. Das Kolonialstädtchen ist recht hektisch, hübsch, und irgendwie haben wir uns gleich wohlgefühlt, dort Freunde aus den USA getroffen und lustige Kinofilme geschaut (Baywatch, Super Woman).

Am Strand von Las Penitas haben wir ein paar Tage übernachtet, am eBook gearbeitet und die Weiterreise geplant. Die führte uns zum Beispiel zweimal nach Granada, einer Disney-Land-Kolonialstadt wo wir auf dem Parkplatz des Roten Kreuzes übernachtet haben (für zwei Franken pro Nacht = mehr Budget für coole Cafés), oder an die Laguna de Apoyo, einem fantastischen Flecken Erde direkt an einem Vulkankratersee mit dem klarsten Wasser, das wir jemals ausserhalb der Karibik gesehen haben.

Zudem durften/konnten/mussten  wir:

– das erste Mal in unserem Leben in einen aktiven Vulkankrater schauen (Masaya)
– im Bus zwei Tage in einer Autogarage auf einer Autohebebühne übernachten (in Managua, wo wir neue Stossdämpfer einbauen liessen)
– Fieber haben (Sandro in Playa Madeiras einen Tag, Gabs auf der Isla de Omepete länger als drei)
– den Bus auf einem kleinen Schiff auf die Vulkan-Insel Ometepe und wieder zurück verschifft
– hat Gabi in Playa Madeiras ein Opossum in einer Mülltonne befreit und es so vor dem sicheren Tod in der Büchse bewahrt <3

Und in San Juan del Sur haben wir einfach Zmittag gegessen.

Sicherheit

Auch in Nicaragua fühlten wir uns sicher – unsere Route führte uns auch immer an Plätze, wo wir nicht wildcampierten, also eigentlich immer mit Securitypersonal über Nacht easy verweilen konnten. Es wird von „unzähligen korrupten Polizeikontrollen berichtet“ – wir haben keine einzige gesehen.

Wasser

Uns wurde abgeraten, im nördlichen Teil von Nicaragua Leitungswasser zu trinken. Zudem erhielten wir den Hinweis, das Gemüse und Obst besonders gründlich zu waschen sei, weil es in der Regenzeit vermehrt zu Verschmutzungen der landwirtschaftlichen Flächen kommen könnte und ebenfalls das Grundwasser davon betroffen sei. Deshalb haben wir die bewährten 20-Liter-Behälter an Tankstellen gekauft und in unseren Wassertank abgefüllt. Für 2-3 Franken kommt man hier problemlos an Wasser. Erwischt hat uns der Käfer aber trotzdem, wir konnten aber nicht herausfinden, was es schlussendlich genau war.

Preise

Die nicaraguanische Währung ist der Cordoba. Das Preisniveau war in etwa mit Honduras und El Salvador vergleichbar und damit immer noch recht günstig. Das Warenangebot ist etwas grösser als in den beiden Länder zuvor – hier meinen wir vor allem das Supermarktangebot. Benzin ist günstig – rund ein Franken pro Liter.

Fazit

Nicaragua ist ein fantastisches Overlander-Land, das einfach zu bereisen ist. Hübsche Kolonialstädte, fantastische Strände (in der low season hat man überall viel Platz, vor allem an den Stränden) und sehr einfache Möglichkeiten, Vulkane zu besichtigen. Während fast 10 Tagen mussten wir uns von unseren Magen-Darm-Zirkus erholen, was unsere Reisepläne etwas beeinträchtigt hat. Besonders gut gefallen hat uns der progressive Vibe: das erste Mal sahen wir junge Paare zusammen auf der Strasse, sehr lebendige Fester mit feierlichen Reden zum Aufbruch im Land und die vielen Ökostromwindanlagen – ein absolut vorbildlicher Schritt, den Nicaragua hier im Rahmen des CO2-Veringerungs-Abkommens macht. Das einzig Komplizierte war dann die Ausreise nach Costa Rica – dies nur deshalb, weil der Grenzübergang sich auf ca. 2km erstreckt und es sehr schwierig ist, an die richtigen Checkpoints zu kommen. Für 5 Dollar spart man sich mit einem Helferlein eine Menge Zeit und Nerven.

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Ometepe.

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Adios Ometepe.

Wie Instagram die Camperreise bereichert

Früher traf man sich auf dem Campingplatz. Später in Foren. Heute ist Instagram die wohl grösste Plattform für Menschen, die im eigenen Fahrzeug verreisen und darin leben. Welche Rolle kann die App spielen, wenn man sie bespielt?

Nächste Destinationen: El Salvador und Honduras. Ein noch weitgehend blinder Fleck in unserer Wahrnehmung. Ist es nicht ziemlich gefährlich dort? Was gibt es zu sehen, zu essen, zu erleben? Mal schauen, wo andere Panamericana-Reisende waren. Ich öffne Instagram und scrolle durch die Profile von Menschen, die wir unterwegs kennengelernt haben und solchen, deren Gesicht und Gefährt uns nur durch die App bekannt geworden sind. Da gibt es solche, die beide Länder auf schnellstem Weg durchfahren und andere, die Wochen und Monate dort verbracht haben. Letztere zeigen Fotos von kühlen Bierflaschen vor eindrücklichen Sonnenuntergängen, dem Meer und allerlei Dschungelgetier. Die Übernachtungsplätze sehen schön aus. Ich denke: Wenn die da waren, dann müssen wir uns keine Sorgen machen. Weiterlesen

Kleine Tipps und Tricks

Viele Leute meinen, wir wissen gar nicht mehr, welcher Tag gerade ist. Die Wahrheit ist: Wir wissen es wohl noch besser als vorher! Dass wir immer in den Kalender schauen sollten, wurde uns bewusst, als wir eines samstags von San Francisco aus auf dem Highway 1 in Richtung Süden fuhren. Natürlich hatte halb Kalifornien dieselbe Idee an diesem schönen Sommertag.

Seitdem achten wir immer darauf, nicht am Wochenende zu fahren. Das hat den Vorteil, dass man dem Wochenendverkehr entgeht, aber auch zu vielen Menschen an Stränden, auf Wanderwegen oder in Städten. Weiterlesen

Dort sind doch alle kriminell!

Nach einigen Monaten unterwegs von Nord- nach Südamerika haben wir ein Muster festgestellt. Egal wohin wir unterwegs sind, wir werden immer davor gewarnt. In den USA warnte man uns eindringlich vor Mexiko (O-Ton von einer eigentlich netten Frau: “Die sind alle kriminell!”), die Mexikaner warnten uns jeweils vor dem nächsten Bundesstaat und erst recht vor Guatemala, die Guatemalteken vor El Salvador, und so weiter. Anfangs nimmt man die Warnungen ernst und fährt mit einem komischen Gefühl weiter. Aber je öfter wir sie hören, desto weniger beunruhigen sie uns, denn es ist tatsächlich noch nie etwas eingetreten. Weiterlesen

Alles zu Honduras

Aufenthaltsdauer

Leider nur knapp zehn Tage. Da man insgesamt nur 90 Tage Aufenthalt in Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador erhält, mussten wir auf diesem Teil der Route etwas Gas geben.

Route

San Ignacio – Gracias – Lago de Yojoa – Tegucigalpa – Danli – El Paraiso

Ein paar Notizen 

Weil Honduras auf dem Weg nach Nicaragua sowieso durchquert werden muss, haben wir uns dafür entschieden, nicht direkt östlich nach El Salvador durchzubolzen, sondern über den Süden von Honduras nach Nicaragua zu fahren – wenn man schon mal da ist. Zudem hatten wir keinen Bock, an einem Tag von El Salvador auszureisen, in Honduras ein- und auszureisen und direkt nach Nicaragua zu fahren – ein Grenzübergang pro Tag ist genug.  Auch hier: nach El Salvador waren wir etwas entspannter was die „Gefährlichkeit“ dieses Landes betrifft. Fakt ist, dass sich die oft zitierte Mord-Statistik vor allem auf zwei, drei Orte im Norden (Richtung Karibik) beschränkt.

Wir fuhren nach dem eher langwierigen Grenzprozedere direkt nach Gracias. Die Fahrt zeigte uns Honduras bereits von einer sehr schönen Seite: weite, hügelige Landschaften, Pinienwälder, Strassen in bestem Zustand – so macht Roadtrippen Spass. Nach einer recht langen Anfahrt kehrten wir in der Finca Bavaria in Gracias ein. Der Stellplatz ist bei Overlandern beliebt, weil er direkt im Herzen des Kolonialstädtchens liegt. In Gracias haben wir vier Tage verbracht und waren vor allem für unser eBook produktiv. Dabei haben wir uns in der Regel vormittags in einem Kaffeeturmhaus und den Rest des Tages sonstwie im Städtli verbracht. Gracias wird nicht von so vielen Touristen besucht und wir spürten, dass wir etwas auffielen. Wir erlebten dort einige Stromausfälle, was in Sachen eBook schreiben etwas mühsam war, uns aber auch zwang, Pausen einzulegen. Am letzten Tag war das auch der Grund, weshalb wir nicht nochmals ins Turmkaffee gingen: kein Strom, also kein Internet.

Wir entschlossen uns, direkt in die nahe gelegenen Thermalbäder zu fahren. Ein richtiger Entscheid, denn wir hatten die ganze Anlage für uns! Wir chillten und setzten unsere Dusch-Zeitrechnung wieder zurück auf 0. Kaum Kaffee bestellt nach dem Bade, fuhren vier Schulbusse ein: Horden von Schülern stürmten die Bäder – wir suchten das Weite. Das nächste Ziel war der Lago de Yojoa: ein beliebter Ausflugsort. Der idyllisch gelegene See liegt am Fusse von diversen Minen und wird deshalb oft noch von Schwermetallen belastet – mit Baden haben wir also nicht gerechnet. Eine gemütliche vierstündige Anfahrt bis zum See, einkaufen unterwegs und ab zum ersten Campground, inmitten des Dschungels. Sah aus wie in Disneyland: Wanderwege, alle Bäume beschriftet, viele schöne Brüggli über Flüsse – hübsch! Aber eher für ältere Semester, wie wir finden. Hier auf diesem Platz wurden wir nach dem Regen von tausenden fliegenden Ameisenfaltern gejagt: nur mit dem T-Shirt fuchtelnd gelang es uns, in den Bus zurückzukehren: ein paar Dutzend Viecher schafften es trotzdem in den Van und wir hatten etwas Arbeit im Nahkampf.

Am nächsten Tag spazierten wir 300 Meter zurück auf dem Weg und fanden einen etwas attraktiveren Ort zum übernachten: eine riesige Wiese, geschützt von einem Wärter, direkt vor einer lokalen Brauerei. Recht hip und für Backpacker ausgestaltet, haben wir uns gleich wohlgefühlt. Zurück zum Luz, Sachen gepackt: adieu et merci, ab zum Bier! Wir genossen den easy Vibe, das gute Essen und die feinen Biere – natürlich. Werkelten weiter am eBook und planten die nächsten Tage. Eine weitere vierstündige Fahrt stand vor uns und führte an der Hauptstadt Tigucicalpa vorbei: sollte. Wir haben es wiedermal geschafft, wie in Mexico City und Guatemala City, die falsche Ausfahrt zu erwischen und durchquerten die Stadt zweimal, bis wir endlich rausfanden. Danach gings nach Danli – einem Vorort, wo viele Grenzgänger übernachten bevor sie nach Nicaragua einreisen.

Benzin, Strassen und Autofahren

Auch hier gilt praktisch dasselbe wie für El Salvador: Benzin hat ess überall, im gleichen preislichen Segment, die Strassen sind top. Honduras ist viel grösser als El Salvador und bietet deshalb etwas spektakulärere Weitsichten bei den schönen Passfahrten, die ziemlich an die Schweizer Berge erinnern! Verkehr absolut moderat.

Sicherheit

Die Sicherheitsleute stehen weiterhin überall gut präsent vor Lokalen, Tankstellen, Geldautomaten. Aber ansonsten, weil man es sich ja gewöhnt ist, gibt es nichts weiteres zu berichten. Wir fühlten uns sehr wohl!

Wasser

Trinkwasser zu kaufen ist praktisch an jeder Ecke möglich. Leitungswasser ist okay für Abwasch oder Duschen – aber kann nicht unbehandelt getrunken werden..

Preise

Die hondurianische Währung heisst Lempira. Das Preisniveau ist mit El Salvador vergleichbar und damit recht günstig. In Gracias assen wir jeweils für umgerechnet 2 Dollar pro Teller zu Mittag inklusive Getränk (siehe Foto unten).

Fazit

Honduras hat viel mehr zu bieten, als was wir hätten sehen und erleben können! Wir haben uns wegen der 90-Tage-Regel nur eine Woche im Land aufgehalten und dies eigentlich nur an zwei Orten – die haben uns aber fantastisch gefallen. Die Ruinen von Copan haben wir ausgelassen, weil es nicht auf dem Weg lag und wir nach Mexiko und Guatemala doch schon mehr als eine Handvoll Ruinen gesehen hatten.

Fotos haben wir leider fast keine gemacht. Wie immer, wenn wir ganz im Moment leben. Gäbe es Instagram nicht, würden wir wohl nie welche schiessen. Schreiben ist einfach viel eher unser Medium, sorry!

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Vegi und fein. Zwei Franken für dieses Tablett.

 

So ist das Leben im Van wirklich

#Vanlife ist das Trendwort des Jahres. Doch wie viel hat das wahre Leben mit jenem auf Instagram zu tun? Antworten nach einem Jahr on the road in Nord- und Mittelamerika.

(diesen Artikel schrieb Gabriella im Juli 2017 für das Online-Magazin ze.tt)

Ein Jahr ist es her, seit mein Freund und ich unseren Bulli am Hafen in Seattle abgeholt haben, um ihn nach Südamerika zu fahren. Diese Zeilen schreibe ich nach 25’000 Kilometern aus Nicaragua. Ungefähr so viel haben wir noch vor uns, wenn wir irgendwann in Patagonien ankommen wollen. Daheim in der Schweiz wartet nichts auf uns: die Jobs haben wir gekündigt, Wohnung und Möbel abgegeben. Weiterlesen

Wie ich mich in diesem Jahr verändert habe

Selten erhält man die Möglichkeit, ein vergangenes Jahr so klar zu sehen, wie wenn man ein Jahr weg war. Nicht nur das Jahr, die Erlebnisse, an sich, sondern auch sich selbst, als Person.

Ich glaube nicht, dass sich mein Charakter sehr verändert hat in dieser Zeit. Er hat sich höchstens geschärft. Mein Tun aber, meine Einstellung zu gewissen Dingen, das hat sich massiv verändert. Weiterlesen