Kategorie: Ecuador

Vom Erfolg unseres eBooks

Die Idee entstand, wie so vieles im Leben, aus reiner Notwendigkeit und purem Eigennutz. Niemals hätten wir uns und unsere Erfahrungen für wichtig genug empfunden, um ein eBook darüber zu schreiben. Auch wenn das Schreiben sozusagen unser Beruf ist. Wir dachten, mit dem Insty-Profil und einigen halbherzigen Blogposts würden wir die neugierigen Menschen daheim zur Genüge auf dem Laufenden halten. Problematisch wurde es erst, als es eben nicht mehr nur Mama und die Schwester waren, die das Zeug mit Interesse lasen, sondern viel, viel mehr. Schon bei 10K verbrachten wir einen nicht unwesentlichen Teil des Tages mit Fragen beantworten: Ist das nicht gefährlich? Wie findet man einen mega guten Camper? Wie könnt ihr euch das leisten? Du siehst, das sind keine Fragen, die man mal eben so mit nope oder yeah beantwortet. Und wenn man nett ist, so wie wir, dann nimmt man sich die Zeit auch gerne.

Natürlich hast du bereits auf das folgende Wort gewartet: aber. Aber: Irgendwann beantworteten wir dieselben Fragen wieder und wieder und wieder und obwohl wir versuchten, sie in Posts allgemeingültig zu beantworten, wurden sie dann eben nach einiger Zeit doch wieder übersehen. So beschlossen wir, als Zeitspar-Service an uns selber, ein eBook zu schreiben, in dem wir die 100 häufigsten Fragen unserer lieben Online-Gemeinschaft beantworten würden. Der Aufwand war mit Übersetzung ins Englische, Aufsetzen der Website, PayPal und Versand doch etwas grösser ausgefallen als geplant, aber wir können guten Gewissens sagen, dass es sich sehr gelohnt hat.

Einerseits können wir nun bequem an unser eBook weiterverweisen, denn mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit haben wir hereinflatternde Fragen bereits darin beantwortet. Andererseits hat es sich auch finanziell gelohnt. Aus Entscheidungsbequemlichkeit und einer kleinen Portion Verlegenheit heraus, entschieden wir uns dafür, das eBook auf Spendenbasis zu publizieren. Trotzdem, oder gerade deswegen, kam alles an Spenden herein zwischen 0 und 200 Schweizer Franken. Natürlich, die hohen Beträge waren meist Freunde oder Familie, aber Obacht: wir erhielten doch oft über 50 Franken von Wildfremden, was ziemlich crazy ist, wenn du mich fragst.

Zum Two-Years-On-The-Road-Jubiläum gabs dann eine zweite Version, natürlich viel besser und gescheiter, weil auch wir in dem Jahr dazwischen viel gescheiter und erfahrener geworden sind. Diesmal professioneller, mit einem top Cover und generell höherem Anspruch. Insgesamt wurden unsere eBooks (das erste ist nun nicht mehr verfügbar) über 1500-mal heruntergeladen. Davon haben sich etwa die Hälfte gratis bedient, und alle anderen spendeten pro Person an die 5 Franken im Schnitt. Das ist nicht nur toll für uns, sondern auch für die Projekte, an die 10 Prozent des Umsatzes geht.

Jetzt muss ich natürlich noch den Bogen spannen zum Titel. War das eBook denn nun erfolgreich? Nun, wenn wir eines gelernt haben in den letzten 27 Monaten unterwegs, dann, dass Zeit etwa 93 Prozent von allem ausmacht, was wirklich zählt. Stell dir vor, wie viel Zeit wir gespart haben! Halt Stop, ich rechne es kurz aus. Es sind: 475 Tage seit unserem Einjährigen, als das erste eBook veröffentlicht wurde. Wenn wir jeden Tag im Schnitt nur 15 Minuten gespart haben, was meist mehr war, dann haben wir 7’125 Minuten oder knapp 119 Stunden Lebenszeit gewonnen. Natürlich könnte man hier anfügen, dass wir diese Zeit bestimmt ins Schreiben der eBook gesteckt haben. Aber wir haben ein paar Franken zusätzlich verdient und ehrlicherweise arbeiten wir lieber konzentriert ein paar Tage oder Wochen, als 15 Minuten täglich. Also von hier aus gesehen war das eBook ein Grosserfolg.

Bist du jetzt mega heiss auf unser eBook geworden? Hier lang bitte. 
Dieser Text erschien auch auf RonOrp

Wie viel Geld braucht ihr?

Die haben doch bestimmt reiche Eltern, sonst kann man sich sowas gar nicht leisten! Was wurde uns nicht schon alles nachgesagt. Gleichzeitig erhalten wir via Social Media oft die Frage: Wie viel kostet das eigentlich, so zu reisen wie ihr?

Die Antwort auf diese Frage lautet je nach Person, die man fragt, anders. Auf der Panamericana sind die Lebensentwürfe genauso unterschiedlich wie in jeder Stadt der Welt. Da gibt es Rentner, die sich ein 100’000-Franken-Wohnmobil auf LKW-Basis massschneidern lassen und mitsamt Waschmaschine jahrelang und sehr komfortabel reisen. Da gibt es Hippies, meist Argentinier, die mit irgendeinem Gefährt, das sie im Hinterhof des Onkels fanden, unterwegs sind und dabei Kunsthandwerk verkaufen. In Antigua, Guatemala, trafen wir ein Paar, das gemeinsam mit den zwei Katzen in einem 2CV umherreiste.  Dazwischen findet sich alles andere – und wir. Zwei normale Menschen mit einem alten aber sehr fahrtüchtigen und praktischen Camper, die lange auf diesen Traum der Langzeitreise gespart haben und nun von unterwegs aus arbeiten.

Auch wir fragten uns anfangs, wie viel Geld wir wohl monatlich wohl brauchen würden. Wir schrieben also einige Menschen an und erkundigten uns nach ihrem Budget. Viele wichen der Frage aus und verwiesen auf die ganzen Variablen wie: Benzinverbrauch des Autos, Verschiffungskosten (die nach Volumen des Fahrzeugs verrechnet werden), eigene Vorlieben, Wildcamping oder Campingplatz, Reiseroute, und so weiter.

Heute, nach bald zwei Jahren können wir mit gutem Gewissen sagen: Mit 2000 Franken im Monat ist man dabei, inklusive allem. Das heisst, wenn man ungefähr unterwegs ist wie wir. Wir kochen oft selbst, kaufen eigentlich nur auf dem Markt ein, unser Camper ist vergleichsweise klein, wir campen ab und zu wild, versichert sind wir durch eine internationale Krankenversicherung (das heisst, wir sind abgemeldet in der Schweiz) und wir reisen recht langsam. Wir gehen auch regelmässig zum Mechaniker, essen bewusst gut auswärts und sind insgesamt nicht knausrig oder immer auf den günstigsten Preis aus. Am Ende ist es immer die Balance, die es ausmacht.

In Lateinamerika haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, je nach Land nicht mehr als 20 – 30 Franken täglich auszugeben. Dazu gehört Essen, Einkäufe, Übernachten und die kleinen Dinge wie Maut, Grenzgebühren oder Kaffee. So behalten wir unsere täglichen Ausgaben mehr oder weniger im Griff. Dazu kommen grössere Ausgaben wie Benzin, Mechaniker, Versicherungen aller Art, Verschiffungen, Ausflüge. In den USA waren unsere Ausgaben natürlich viel höher. Aber da wir in Lateinamerika oft keine 2000 Franken pro Monat brauchen, gleicht sich das auf die Länge der Reise in etwa aus.

Brad und Sheena van Orden sind ein Paar aus den USA, das seine Ausgaben während der dreijährigen Weltreise im VW-Bus akribisch notiert hat. Auf ihrer Website drivenachodrive.com teilen sie alle Tabellen dazu. Sie verschifften ihren Bus mehrere Male von Kontinent zu Kontinent und reisten nicht nur durch Länder mit günstigen Lebenskosten. Ihre Reise kostete monatlich im Schnitt 3000 Franken, was überraschend wenig ist für die unglaubliche Strecke, die sie mitsamt Verschiffungen und Motorschaden hinter sich gebracht haben. Wer auf einem oder zwei Kontinenten bleibt, ist mit 2000 Franken monatlich sehr gut bedient.

Fahren mit 2000 monatlich gut und fröhlich in der Weltgeschichte herum: die Vanabundos.

Galapagos günstig auf eigene Faust bereisen

Galapagos. Da kommen einem zuerst Riesenschildkröten in den Sinn – und dann ziemlich schnell die Tatsache, dass die Inseln ohnehin nur im Cruise-Schiff zu bereisen sind. Für fünf Tage zahlt man da schnell mal 3000 Franken pro Person. Geld, das wir nicht haben. Geld, von dem wir auf dem Festland monatelang leben können. Doch je näher Ecuador kam, desto klarer wurde uns, dass die Inseln durchaus individuell erlebbar sind. Steigt man in einem Hostel in Quito ab, berichten die meisten Backpacker mit sonnenverbrannten Nasen und leuchtenden Augen von ihren Erfahrungen auf den Vulkaninseln.

So begannen wir, uns im Internet schlau zu machen. Und durchaus: es gibt viele bezahlbare Unterkünfte und Hostels auf den grossen Galapagosinseln. Flüge gibt es ab Quito oder Guayaquil für etwa 250 Dollar hin und zurück (vom Festland werden nur die Inseln Santa Cruz und San Cristobal angeflogen), wenn man klug und früh genug bucht. Wir waren etwas spontan und haben nur ein paar Tage vorher gebucht. Wir entschieden uns für einen Gabelflug: hin nach Santa Cruz und zurück von San Cristobal. Damit erspart man sich die zwei- bis dreistündige Bootsfahrt, die ziemlich ungemütlich ist und viele Menschen seekrank macht (so auch mich).

Wir reisten also nach Santa Cruz, deren Hafenort überraschend gross ist und verbrachten drei Nächte dort. Dann mit dem Boot nach Isabela für weitere drei Nächte. Ein kleiner Geheimtipp: Von Isabela aus hätten wir zwei der üblen Bootsfahrten nach San Cristobal nehmen müssen. Diese kosten pro Fahrt 30 Dollar und es hätte den ganzen Tag gedauert. Durch einen Zufall hörten wir aber von Direktflügen im Mini-Flugzeug, welche für Touristen je nach Verhandlung zwischen 120 und 170 Dollar kosten. Die Aussicht auf einen Flug im Neunplätzer und die Inseln von oben zu sehen, machte unsere Entscheidung einfach. Ich durfte sogar auf dem Co-Pilotensitz Platz nehmen. Das waren magische 45 Minuten. Und so verbrachten wir drei weitere Nächte in San Cristobal, bis es dann zurück nach Quito ging. Alle Unterkünfte, die wir besuchten, kosteten um die 20 Dollar pro Person. Teilweise haben sie auch offene Küchen – so kann man sich das Essen ab und zu selber zubereiten, wenn man Geld sparen will. Auswärts essen ist im Vergleich mit dem Festland ziemlich teuer, aber wenn man nicht wählerisch ist, findet man in lokalen Restaurants Almuerzos und Menus für 5 Dollar.

Ist man erst einmal auf Galapagos, gibt es unzählige Dinge zu tun. Einerseits kann man vieles auf eigene Faust und zu Fuss oder mit dem Wassertaxi erkunden: Strände wie aus dem Bilderbuch, mit Seehunden und anderen Tierchen schnorcheln, Wanderungen, Riesenschildkröten, Iguanas beobachten, Informationszentren besuchen. Auf der anderen Seite finden sich alle drei Meter Agenturen, die Touren aller Art anbieten. Wir haben zwei grössere Bootstouren gemacht: die Tuneles-Tour auf Isabela und die 360°-Tour auf San Cristobal. Beide hatten alles Nötige inbegriffen, dauerten fast den ganzen Tag und kosteten um die 120 Dollar pro Person. Auf den ersten Blick viel Geld, aber meine Güte, hat sich das gelohnt! Wir sahen unglaubliche Landschaften, erkundeten einsame Traumstrände und schnorchelten uns ins Wildlife-Delirium. Hätten wir die Hände ausgestreckt, hätten wir zwei Meter lange Haie und 1.80 Meter grosse Wasserschildkröten berühren können. Vom Boot aus sahen wir riesige Mantarochen und Delfine. Wir hatten so viele unglaubliche Begegnungen, dass ich wohl nie mehr in einen Zoo gehen kann.

Generell muss das Portemonnaie schon recht locker sitzen auf Galapagos. Der Eintritt in den Park kostet für alle 100 Dollar, dann auf jeder Insel noch einmal zehn und das Wassertaxi, das einen zum grossen Boot bringt, kostet auch immer ein paar Cents. Aber besser man regt sich nicht auf und geniesst die Tatsache, dass man gerade Mitten im Pazifik auf ein paar einzigartigen Vulkaninseln sitzt. Der grosse Vorteil, den wir gegenüber einem Cruise sehen (neben dem finanziellen): Man ist selbstständig und muss nicht einem vorgegebenen Programm folgen. Ausserdem waren wir so zehn Tage auf Galapagos, doppelt so lange wie der Durchschnittscruise.  

Was wir gemacht haben:

Santa Cruz, Puerto Ayora
Las Grietas (gratis)
Darwin Research Center (gratis)
Tortuga Bay  (gratis)
Lavatunnel (gratis)
El Chato Schildkrötenreservat (fast gratis)
Puerto Ayora erkunden (gratis)

Isabela, Puerto Villamil
Tour zu den Tuneles
Concha de Perla (gratis)
Laguna Salinas (gratis)

San Cristobal, Puerto Baquerizo
360°-Tour inkl. Kicker Rock
Galapaguera (gratis)
La Loberia (gratis)
Playa Mann (gratis)
Puerto Chino (gratis)
El Ceibo Treehouse (fast gratis)
Beobachten von und schwimmen mit Seehunden überall (gratis)

 

Dieser Beitrag erschien auch auf 20minuten.ch. 

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Co-Pilotin, halbängstlich, halbaufgeregt: Gabs.

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Wasser wie aus dem Film: Galapagos.

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Grösser und paarungsfreudiger als gedacht: Galapagos-Schildkröten.