Burning Man III – Wir bleiben! und Exodus

Dieser letzte Teil kommt direkt aus dem Yosemite National Park, wo wir einige Pannen hinter uns haben, von denen wir euch bald erzählen. Jetzt gehts auf nach San Francisco, aber vorher:

Wir bleiben!

Bereits am Samstag begannen die ersten Camps, ihre Zelte abzubrechen. Sonntags tuckerten dann schon ziemlich viele Leute wieder nach Hause, obwohl der Tempel erst am Sonntagabend abgebrannt wird. Wir wussten, dass sonntags und montags die Schlange beim Ausgang superlang sein wird. Man wartet locker vier bis acht Stunden. Da wir das Glück hatten, nicht ins Büro zurückhetzen zu müssen, haben wir uns schon länger vorher entschieden, bis mindestens Dienstag zu bleiben.

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Und wir wurden belohnt! Während sich die Stadt am Montag zusehends leerte, verbrachten wir einen fantastischen Tag mit dem besten Wetter der Woche: Die Sonne schien und es war kein Stäubchen in der Luft. Wir verabschiedeten viele Camp-Freunde, radelten noch ein letztes Mal ins Center Camp, das noch bis 15 Uhr geöffnet hatte, und auf die offene Playa. Die meisten Kunstwerke waren entweder abgebrannt worden oder bereits abgebaut. Und als wir so halb wehmütig unsere letzte Runde drehten, fiel uns recht viel MOOP (Matter Out Of Place) auf, der noch herumlag. Wie ihr bereits wisst, ist der Burning Man ein Festival ohne Abfallkübel – jeder nimmt seinen Müll wieder mit nach Hause. Hier waren offensichtlich einige Dinge beim Partymachen verloren gegangen. Wir stellten also unsere Velos ab und sammelten noch seelenruhig ein Stündchen den MOOP von der Playa. Gefunden haben wir, neben Zigistummeln, zwei voll funktionsfähige Kondome, Leuchtarmbändli, ein Polaroidfoto einer Frau mit Hut und eine Mini-Flaschenpost.

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Es war schön, zuzusehen, wie alles langsam wieder dorthin verschwand, wo es hergekommen war. In unserer ersten Nacht waren die meisten grossen Bauten noch lange nicht fertig gewesen und auch die Stadt war noch nicht sehr dicht besiedelt gewesen. Jetzt war es wieder so.

Noch etwa 20 VW-Busse waren an diesem Abend da, also wurde noch ein Potluck veranstaltet. Mittlerweile konnten wir von unserem Camp aus bis zur Playa und hinten bis zum Flughafen sehen, so viele Leute waren schon gegangen. Beleuchtet wurde unser Znacht vom Treffen der feuerspuckenden Art-Cars, welche sich jeweils montagabends treffen, um ihr überschüssiges Propan in die Welt hinaus zu ballern. Immer noch sehr eindrücklich!

Wir wurden informiert, dass die Überbleibsel des VW-Bus-Camp am Ende jeweils noch eine Nacht bei den nahegelegenen heissen Quellen verbringen. Da wir immer noch über genügend Zeit verfügten, waren wir natürlich dabei. Und so verliessen wir Black Rock City über einen Nebeneingang am Dienstagmittag mit zehn anderen Vans.

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Sehr dankbar für das warme Wasser, verbrachten wir einen gemütlichen Tag bei Bier, Yoga und ausgiebigem Baden. Für Sandro und mich war es das erste Bad nach ganzen zwölf Tagen gewesen! In der Nacht konnten wir sogar die restlichen Lichter von Black Rock City sehen.

Exodus

Wir wachten früh auf am Mittwochmorgen. Und wir waren ready. So fuhren wir nach zehn Tagen auf der Playa über die berüchtigte Jungo Road zurück nach Reno. Die Stimmung war perfekt, das Wetter auch und Luz fuhr wie eine Eins – auch nicht selbstverständlich nach eineinhalb Wochen Salzwüste (etwa ein Dutzend VW-Busse wären auf der Playa stehen geblieben, hätte man sie nicht zum VW-Bus-Camp gebracht, wo sie erstklassige Erste Hilfe erhielten und doch noch heimfahren konnten).

Apropos
Was wir im ersten Teil noch vergessen hatten zu erzählen: Bei der Hinfahrt war Gabs am Steuer. Auch hier: Das Wetter war top, der Pyramid Lake leuchtete in den schönsten Abendfarben, wir waren super drauf. Plötzlich ganz viel Licht von hinten. Das Licht war rot und blau. Du kannst dir denken, wer es war. Gabs fährt zur Seite und hat Angst, dass sie zu schnell unterwegs war. Sandro: „Ok, darüber habe ich gelesen. Jetzt legst du deine Hände ans Steuer, wo er sie sehen kann und sei einfach nett – vielleicht auch ein bisschen unterwürfig.“ Gabs lässt die Scheibe runter. Der Typ kommt lockeren Schrittes, sagt Hallo, fragt, wie es uns geht, ob wir zum Burning Man fahren, alles sehr nett, auch von seiner Seite. Und schnell stellt sich heraus, dass der Herr unsere Nummernschilder interessant fand und mal nachfragen wollte. EASY. Sandro kramt unsere Zollpapiere und Gabs’ Führerschein hervor, die er zum Glück mit all unseren Dokumenten ständig mit sich herumträgt und griffbereit hat (<3). Die Polizei entlässt und mit einem „Have a great Burn!“

An diesem Ort sind wir also noch einmal vorbeigefahren. Zurück in Reno wollten wir eigentlich nur liegen und Kafi trinken, aber es gab viel zu tun! Wir haben Abfall entsorgt bei sehr sympathischen Whole-Foods-Mitarbeitern. Wir haben Luz eine gehörige Aussenwäsche verpasst. Wir waren in der Laundry und haben alles in die Maschinen geschmissen, was legal war. Wir haben innen gesaugt und von Hand alle Rillen abgestaubt. Wir waren bei „Black Rock Bicycles“ (die vermieten Velos für den Burning Man und machen alte auch wieder fit) und haben einen Träger für unsere Klappvelos gekauft und montiert.

Am Ende war so ziemlich alles sauber, ausser wir selbst (Hot Springs schön und gut, aber Shampoo wär schon noch nett). Und da wir noch einmal in Reno bleiben mussten und auf dem Walmart-Parkplatz schlafen würden, war eine Dusche etwa so weit weg wie in der Wüste. Wir versuchten es in einem Hallenbad, doch dieses war zu. In unserer Verzweiflung fuhren wir zu einem Burner Hostel in Downtown. Wir wollten dort nicht schlafen, aber wir dachten, wenn jemand eine Idee hat, dann ein Haus voll Burnern. Und wir erhielten nicht nur den besten Tipp, sondern auch eine herrliche Umarmung beim Ausgang. Der Tipp hiess Truckee und war nur zehn Minuten entfernt. Der Truckee ist der Hausfluss von Reno, stets umringt von Parks und mit einer langsamen Flussgeschwindigkeit. Uns war zu diesem Zeitpunkt wirklich alles recht. Und so stiegen wir bei Sonnenuntergang in unsere Badesachen, packten unser (100% natürliches und biologisch abbaubares) Shampoo und setzten uns in den Truckee. Die Leute rundherum schauten, wenn, dann amüsiert. Die hatten offensichtlich schon Schrägeres im Leben gesehen. Eine warme Riesenpizza rundete unseren Tag perfekt ab.

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Hier haben wir gebadet. Das Prinzessinnen-Tüchli hat Gabi am Burning Man geschenkt bekommen und sie trägt es nun mit Stolz.

Am Ende verbrachten wir fast drei Tage in Reno, bis wir alles erledigt hatten. Was zu sagen bleibt: Reno wird unterschätzt! Die Gegend um den Fluss ist wirklich hübsch, es gibt wunderschöne Cafés und wir haben es wirklich genossen.

5 Kommentare

  1. Danke für diese tollen Berichte, ihr zwei! … Aber vor allem finde ich toll, dass ihr noch da geblieben seid, um den Abfall aus der Wüste zu sammeln! Daumen hoch!!! 🙂
    Ganz liebe Grüße von uns und von Herman an Luz!
    Sabine und Micha

  2. Martha Casucci

    Hallo liebe Gabi

    Gespannt verfolgen wir Eure Reise…….
    Viel Glück und Gesundheit bei allem was kommen mag 🙂

    Martha und Mario Casucci aus Schaan

    • Hallo ihr beiden! Schön, euch an Bord zu haben 😉 Liebe Grüsse ins Land!

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