Burning Man II – VW Bus Camp und die Woche

Diese Zeilen schreibe ich nun auf dem Parkplatz eines Whole Foods, wo wir übernachtet haben. Reno entpuppt sich als recht hübscher Ort, wenn man weiss, wohin! Hier also der zweite Teil unserer 10 Tage am Burning Man.

Das VW-Bus-Camp

Irgendjemand in Portland hatte uns vom VW-Bus-Camp am Burning Man erzählt. Da wir nur zu zweit unterwegs sind, erschien es uns am sinnvollsten uns irgendwo zu integrieren. Und von den letzten paar Wochen wussten wir, dass die VW-Bus-Community überaus herzlich und offen für neue Menschen ist. Unkomplizierter gings am Ende kaum noch. Jeder VW Bus, der es ins Camp schafft, wird aufgenommen. Schlussendlich waren wir über 50 Busse und Vans. Etwa 25 T3, 25 T2 und einige wenige T1.

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Das Camp hat eine lange Tradition, viele kommen bereits seit über 15 Jahren gemeinsam zum Burning Man. Die Stimmung ist stets super, man besucht sich gegenseitig in den Vorzeltern, es gibt regelmässig Potlucks. Und an der Front steht die „Leopard Lounge & Tequila Bar“, wo sich müde Burner die Füsse massieren lassen und einen Shot erhalten. Dort gibt es täglich Live-Musik. Wir haben viele wunderbare Menschen im Camp kennengelernt und sind sehr froh um unsere Entscheidung. Gary, der Commissioner, ist immer froh, wenn neue Leute ins Camp kommen und hat viele Geschichten aus den letzten Jahren und Jahrzehnten zu erzählen. Geblieben ist uns auch Annette und ihr Mann, eine Bayerin, die bereits seit vielen Jahren in den USA lebt. Oder Teco und Samba, die vor zwei Jahren einen alten brasilianischen VW Bus in Peru gekauft haben und alles hochgefahren sind – quasi unsere Reise umgekehrt.

Das Festival

Wo sollen wir da anfangen. Oder aufhören! Die Kamera kann leider tatsächlich nicht allzu viel erzählen, da wir sie nur einmal wirklich mitgenommen haben. Nur die Lomo war dabei und dieser Film wird wohl noch nicht so schnell entwickelt werden. Die ersten zwei oder drei Tage waren wir auf jeden Fall viel unterwegs. Die Stadt ist riesig und an jeder Ecke gibt es etwas zu erleben: Bars, Kunst, Musik, Workshops, Talks, schräge Kostüme, Art Cars, riesige Bauten und die Wüste selbst. 

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Gabs ging ab und zu ins Yoga, während Sandro versuchte, das Staubvorkommen im Bus zu minimieren.

Eines unserer liebsten Kunstprojekte in diesem Jahr war auf jeden Fall das Lighthouse, ein wunderschön schräger Leuchtturm mit fantastisch detailliertem Interieur. Dieser wurde am Samstag in der Nacht schliesslich verbrannt.

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Die Catacombs of Veils waren wohl das grösste, was neben dem alljährlichen Man und Tempel jemals gebaut wurde. Ein Riesenprojekt, an dem man aussen hochklettern und innen unter Gongtönen in die Katakomben absteigen konnte. Die Catacombs wurden am Freitagmorgen verbrannt. Wir wussten das nicht, doch wir hatten uns am Donnerstag entschieden, den Sonnenaufgang sehen zu wollen und so spazierten wir genau hin. Der erste Sonnenstrahl erblickte die Playa und in diesem Moment wurden die Katakomben angezündet. Es war nicht nur eindrücklich, wie immer, wenn etwas Grosses brennt, sondern wir durften zusehen, wie sich Dutzende von kleinen Windhosen von dem Brand lösten und in die offene Playa zogen.

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Gabi hat natürlich den Space Whale geliebt, der direkt vor dem Center Camp stand. Man konnte sich unter ihn legen und entweder Walgesänge hören oder Vorträge zum Thema Physik und All. Eine fantastische Installation, die wir uns am liebsten auf den Bus geschnallt hätten.

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Das diesjährige Thema des Festivals war „Da Vinci’s Workshop“, entsprechend war der Man dem vitruvianischen Menschen nachempfunden. Er war nicht besonders hoch, dafür hätte er von Menschenhand gedreht werden können, wenn es denn funktioniert hätte. Hat es leider nicht. Aber das machte nichts. Rund um den Man herum wurde zudem eine Piazza erbaut, in der viele verschiedene Dinge passierten: Da waren Metallbauer am Werk und Trommler und Gaukler und Maler und es war ein sehr buntes Treiben.

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Wir sind ja nicht unbedingt die mega Techno-Partypeople, auch wenn wir viel getanzt haben in dieser Woche. Aber ab und zu tut es auch gut, dem ständigen Bass zu entfliehen und dafür haben wir uns regelmässig zum Trash Fence begeben, also zum Abfall-Zaun. Er heisst so, weil der den wenigen umherfliegenden Müll sammelt und gleichzeitig ist er die Stadtgrenze, die man nicht verlassen soll. Wir setzten uns also dorthin, die ganze Stadt und den Tempel vor Augen und verteilten Vodka-Shots an diejenigen, die an uns vorbeiradelten. So entstanden viele schöne Begegnungen und wir konnten zur Ruhe kommen und um uns wieder ins Getümmel zu schmeissen. Übrigens hält sich seit Jahren das Gerücht, dass Daft Punk am Trash Fence spiele – wir haben sie auf jeden Fall nicht gesehen.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAWenn es sonst sehr heiss war oder wir rumhängen wollten, gingen wir ins Center Camp, den Musikern und Vorträgen lauschen oder teilten Maté im Camp.

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Am Samstag wird jeweils der Man verbrannt. Wir – superklug – gingen schon zwei Stunden vorher hin, ein paar Bierli im Sack, in die erste Reihe. Das Wetter war tip top, bis der Dust Storm uns frontal erwischte. Wir konnten einander nicht mehr in die Augen schauen. Zum Glück trug Sandro an diesem Tag einen Kaftan, welchen wir wie ein Zelt über uns drüberspannten. Nach langen Aushaltens entschieden wir uns schliesslich in eine der hinteren Reihen zu sitzen, beide weiss vom Staub von oben bis unten. Haha! Es hat sogar kurz geregnet – von wegen Wüste.

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Überhaupt war es in diesem Jahr sehr oft sehr staubig, dafür waren aber die Nächste superwarm. Wir konnten problemlos die halbe Nacht halbnackt unterwegs sein, das war sehr schön und unerwartet.

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Was ich noch sagen wollte: Man sagt, Burning Man zu erklären, ist, wie einem Blinden die Farben zu erklären – es geht nicht. Diese Blogbeiträge sind ein Versuch, die Erfahrungen mit dem Bus für uns zu ordnen, aber es wäre wohl unmöglich, die Tragweite des Ganzen in Worte zu fassen. Und das wollen wir auch gar nicht. Geht und erlebt es selbst!

Lest im nächsten Teil:
Wir bleiben!
Exodus