Burning Man I – Vorbereitung und Anreise

Wir sind zurück aus der Wüste! Der Aufenthalt hat sich aus verschiedenen Gründen etwas verlängert, darum hat man jetzt eine Weile nichts mehr von uns gehört. Doch es geht uns fantastisch und ich schreibe diese Zeilen am frühen Morgen von einem Walmart-Parkplatz in Reno, Nevada.

Den Burning Man zu besuchen ist immer ein grosser Kraftakt: was Vorbereitungen angeht, die körperlichen Herausforderungen vor Ort, das mentale Verarbeiten dieser Erfahrung und auch der Exodus, also das Verlassen des Festivals. Für alle, die es nicht so genau wissen: Der Burning Man ist eine temporäre Stadt Namens Black Rock City in der Black-Rock-Wüste in Nevada. In diesem Jahr waren mehr als 70’000 Menschen dort. Das Kunstfestival dauert sieben Tage, am Samstag wird schliesslich eine riesige Holzfigur, der Man, verbrannt. Besonders zu erwähnen ist, dass der Burning Man auf zehn Prinzipien beruht – es gibt kein Programm, das machen die Besucher selbst; es gibt auch keine Abfallkübel, jeder bringt sein Zeug für eine Woche selbst mit und nimmt seinen Müll auch wieder mit nach Hause; und es gibt kein Geld, das Festival basiert auf einer Schenkwirtschaft; um nur einige zu nennen.

Wir waren also da. Und das haben wir erlebt:

Vorbereitung

Gabriella war das erste Mal 2011 am Burning Man. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie kalt die Nächte damals im Zelt waren. Zum Glück sind wir dieses Mal mit dem Van unterwegs! Doch auch das braucht einiges an Vorbereitung. Pro Person werden an die sieben Liter Wasser pro Tag empfohlen zum Trinken und Kochen. Nicht zu vergessen: Es ist eine Wüste, am Tag wird es locker über 40 Grad heiss. Wir füllten also unseren 57-Liter-Wassertank und nahmen noch einmal mehrere Gallonen in Kanistern mit. Viel Essen haben wir vorgekocht, denn am Burning Man will man nicht zu viel Zeit mit Kochen vergeuden.

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Für immer genügend kaltes Bier haben wir ausserdem noch eine Kühlbox zusätzlich zu unserem Kühlschrank gekauft (Eis ist eines der einzigen Dinge, die man vor Ort kaufen kann). Und da auf dem riesigen Festival-Gelände ohne Velos nichts geht, nennen wir jetzt zwei Klappvelos unser eigen, die perfekt in den Bereich zwischen Cockpit und Bett passen.

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Ansonsten: Ein paar Kostüme (Radical Self-expression ist auch eines der Prinzipien), viel Lichterketten und Blinkzeug (man will in der Nacht gesehen werden!) und einen Haufen Feuchttüchli (denn Duschen wird man dort nicht). Für Luz haben wir noch blaues Malerklebeband gekauft, um die Ritzen und Dichtungen vor dem alkalischen Staub vor Ort zu schützen.

Die Anreise

Die Gates öffneten in diesem Jahr bereits um Mitternacht zwischen Samstag und Sonntag. Wir kamen von Lake Tahoe her, wo Luz nur drei Tage vorher noch eine Panne hatte. Wir waren gerade über den Pass, als Sandro bemerkte, dass die Tanknadel verdächtig schnell in die Leere schoss. Wir stiegen kurz aus und sahen, dass sich das Benzin wie ein Wasserfall über den Boden verteilte. Mit den letzen Tropfen gelang es uns noch, uns auf einen Kaufhaus-Parkplatz zu retten, von wo aus wir einen Mechaniker suchten.

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Wir schliefen auf dem Parkplatz und schoben Luz am nächsten Tag mit Hilfe von etwa einem Dutzend Menschen zum Mech. Es war nur eine gerissene Leitung, alles gut.

Der Lake Tahoe State Campground begrüsste uns mit einem „Welcome Burners“-Schild. Die Hosts dort sind beide fast 70 Jahre alt und gehen bereits seit zehn Jahren zum Man. Sie lieben es, wenn viele Burner vorher bei ihnen Halt machen und alle zusammensitzen, um Velos und Hüte und alles andere zu dekorieren und anzumalen.

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Wir machten uns also am Samstag auf in Richtung Black Rock City, besuchten auf dem Weg noch einen sehr hübschen Ort namens Truckee, fuhren rüber nach Nevada, besuchten den atemberaubenden Pyramid Lake und machten unseren Weg mit hunderten anderen nach Black Rock City.

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Es war noch nicht ganz Mitternacht und wir mussten noch warten und unsere Tickets holen, die im Box Office hinterlegt waren. Die Stimmung war schon recht ausgelassen – auch, als wir zum ersten Mal im Staub begraben wurden. Der Burning Man ist berüchtigt für seine Sandstürme, wobei der Sand so fein ist, dass man in hier als Staub bezeichnet. Und wenn der Wind stark weht, dann kann es gut sein, dass man vor lauter Staub die eigene Hand nicht mehr vor Augen sieht. Das ist keine Übertreibung! Wir kämpften uns also zum Box Office, erhielten unsere Tickets und verbarrikadierten uns im Van. Das war ein schöner Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartete.

Gegen 2 Uhr nachts kamen wir in unserem Camp an: das VW-Bus-Camp! Es standen schon an die 15 VW-Busse da, viele weitere würden noch ankommen, doch alle waren schon am schlafen. Wir konnten nicht ans schlafen denken, entfalteten unsere Velos und machten uns auf zur ersten Playa-Rundfahrt. Der Man war noch nicht ganz fertig gebaut und der Tempel auch nicht. Aber das machte nichts. Irgendwie war es schön, die Stadt noch im Aufbau zu sehen, während man sich selbst noch an das Ausmass und die Unglaublichkeit dieses Ortes gewöhnt.

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Lest im nächsten Teil:
Das VW-Bus-Camp
Das Festival
Wir bleiben!
Exodus