Adios Traumwohnung!

Heute geben wir unsere Wohnung ab. Wer schon einmal bei uns daheim war, weiss, dass diese Wohnung ein absoluter Glückstreffer war. Die Lage war perfekt, die Dachterrasse ein Traum und das Raumgefühl aussergewöhnlich. Wir müssen oft darüber lachen; aber den Menschen muss sie auch gefallen haben, denn wer in der Wohnung war, ging selten schnell wieder.

Viele fragen uns, ob wir die Wohnung während unserer Reise nicht untervermieten wollen. Das war zunächst auch der Plan. Denn wer Zürich kennt: In der Stadt gibt es weniger freie Wohnungen als Badetuch-Plätze am oberen Letten im Hochsommer. Sogar Leute, die auswandern, behalten ihre Wohnung hier, damit sie im Notfall immer zurückgehen könnten. Eine schöne Wohnung an guter Lage gibt man in Zürich einfach nicht ab, das tut man nicht!

Noch vor sechs Monaten hätte ich wohl angefangen zu heulen beim Gedanken daran, unsere Wohnung zu kündigen (k, vllt habe ich es in einem schwachen Moment einmal getan). Doch irgendwann, bei einem unserer vielen Planungsspaziergänge, stellte einer von uns die Frage: „Sollen wir die Wohnung nicht besser aufgeben?“ In diesem Moment war der Gedanke daran nicht traurig, sondern befreiend.

Hier die besten Gründe dafür, deine Wohnung für eine Langzeitreise zu kündigen:

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Wir in der leeren Wohnung. 

Wie flexibel bin ich wirklich?

Hätten wir unsere Wohnung untervermietet, würde wohl schon unser ungefähres Rückreisedatum feststehen. Es fühlte sich nicht richtig an, dieses schon festzulegen. Ich habe mir bildhaft vorgestellt, in Südamerika anzukommen und schon gestresst zu sein, weil wir zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder am Hafen sein müssen. Wir gehen doch auf diese Reise, um keine Pläne zu haben. Das bringt mich zum nächsten Punkt.

Auch Untermieter haben Pläne

Was, wenn der Untermieter nach sechs Monaten kündigt? Wäre schliesslich sein gutes Recht. Die Vorstellung, dass einer unserer Freunde oder die Familie wegen unserer Abwesenheit einen solch grossen Aufwand auf sich nehmen und einen neuen Untermieter finden müsste, wollten wir gar nicht erst zulassen.

Das liebe Geld

Wir haben auch unsere Jobs gekündigt. Wir wissen nicht, wie unsere finanzielle Situation aussehen wird, wenn wir wiederkommen. Unsere Wohnung ist zwar ein absoluter Traum, aber einer, der seinen Preis hat. Das Risiko, unser Restgeld schon in den ersten beiden Monatsmieten ausgeben zu müssen, ist zu gross.

Freude und Chancen für alle

Wir wussten, dass es Menschen gibt, die unsere Wohnung genauso schätzen würden wie wir selbst. Es wäre recht egoistisch gewesen, sie nur wegen unserer Sicherheitsbedenken unterzuvermieten und nicht anderen die Chance zu geben, diese Wohnung mit eigenem Leben zu füllen. Wir haben sie deshalb ausschliesslich in unserem erweiterten Freundeskreis ausgeschrieben und ein absolut perfektes Nachmieterpaar gefunden. Zu sehen, dass sie sich genauso freuen wie wir uns vor zwei Jahren, macht wirklich Spass und tut gut.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Apropos Sicherheitsbedenken. Es ist immer dasselbe Thema. Es kommt darauf an, von welcher Perspektive aus man das Ganze betrachtet. Würden wir die Wohnung behalten: Hätten wir dann eine Wohnung oder wären wir an eine gebunden? Und bedeutet keine Wohnung zu haben automatisch, dass wir nie wieder eine finden?

Was will ich?

Das ist der vielleicht wichtigste Punkt. Wer kann schon sagen, was er nach so einer Reise will? Vielleicht ziehen wir nie mehr in eine Wohnung? Vielleicht kommen wir gar nicht zurück? Vielleicht haben wir bei der Rückkehr zwei Faultiere und ein Wildschwein dabei und bräuchten viel mehr Platz? Es wäre irgendwie anmassend, unseren zukünftigen Ichs vorzuschreiben, wo sie wohnen müssen – das sollen sie ruhig selbst entscheiden.

Und so haben wir die Wohnung verlassen, schon sechs Wochen vor Abreise. Somit  haben wir den ganzen Stress nicht am Ende und leben bereits aus unseren Rucksäcken. Zum Glück nehmen uns gute Freunde und Familie während dieser Zeit auf. Danke dafür!

Adios Zwinglistrasse, du warst so gut zu uns <3

 

1 Kommentare

  1. Wow, das ist wirklich eine harte Entscheidung, die ihr beiden da getroffen habt! Chapeau. So sagt man glaube ich (auch) bei euch. 😉 Eine Entscheidung, die mir auch so unendlich schwer fiele. Auch wenn sie sich derzeit bei uns nicht stellt… Fiel es euch letztlich schwer dort auszuziehen oder überwog die Vorfreude auf das Neue, Ungewisse und das Abenteuer die Trauer?
    Wünsche euch weiterhin eine gute Reisevorbereitung!
    Viele Grüße in die Schweiz,
    Mario

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