10 Dinge, die wir heute besser wissen

Diese Liste erschien zuerst (leicht gekürzt) im Friday Magazin unter dem Titel So fühlt sich Aussteigen wirklich an. Wir wurden gefragt, die zehn wichtigsten Erkenntnisse und Tipps für die Langzeitreise aufzulisten. Bitteschön:

1. Startdatum festlegen
Das war die schwierigste und wichtigste Entscheidung von allen. Es ist so essentiell, ein Abreisedatum zu fixen. Vorher bringt Planen nicht viel und das Leben hat ganz viele Chancen, dazwischen zu funken. Wir wären wohl heute noch in Zürich in der Hoffnung, noch mehr Geld sparen zu können.

2. Ballast abwerfen
Wir haben unsere (wirklich tolle) Wohnung gekündigt und das Meiste verkauft oder weggegeben. Trotzdem haben wir noch einige Sachen bei unseren Eltern eingelagert. Heute würden wir nicht mit der Wimper zucken, wenn jemand das Zeug aus Versehen abfackelt. Seit wir mit unserem Mini-Haus auf Rädern unterwegs sind, haben wir gemerkt, wie wenig man wirklich zum Leben braucht. Und je weniger man hat, desto weniger will man besitzen.

3. Zeit nutzen
Für uns ist diese Reise sehr viel mehr als eine Reise. Es ist Zeit, die wir uns nehmen, um zu tun was wir wollen. Das heisst für uns lesen, lernen, Skills aneignen, Musik machen und dem Geist den Raum geben, um versteckte Interessen auszuleben. Man kann es sich vorstellen wie eine Weiterbildung, nur dass wir selbst entscheiden, worin wir uns fortbilden. Wir sehen diese Reise als Anfang des Lebens, das wir leben wollen.

4. Adios Ängste
Am Anfang hatten wir Angst vor so ziemlich allem und waren extrem unsicher. Doch wenn man mal unterwegs ist, legen sich die meisten Ängste von selbst ab, weil es nicht anders geht. Wir wollten auf keinen Fall durch Mexico City fahren: prompt die falsche Strasse erwischt und mitten durch die Stadt gefahren. Kein Problem. Viele Leute haben uns vor gefährlichen Regionen in Mexiko gewarnt. Wir hatten dort die beste Zeit. Je länger wir unterwegs sind, desto weniger Angst haben wir – vor allem auch vor der Zukunft.

5. Langsam reisen
Wir haben früh gemerkt: Wenn wir schnell unterwegs sind, geben wir viel Geld aus. Wenn wir aber längere Zeit an Orten bleiben, weniger fahren und uns die Zeit nehmen, um preiswertere Übernachtungsplätze oder Lebensmittel zu suchen, brauchen wir im Schnitt viel weniger Geld. Das heisst: Wenn wir langsamer sind, können wir für nur wenig Geld mehr viel länger unterwegs sein. Ausserdem können wir so Orte, die uns sehr gut gefallen, viel besser kennenlernen und zu unserem temporären Zuhause machen. Deshalb sind wir in acht Monaten auch nur bis Mexiko gekommen. Dabei waren wir fast drei Monate allein in Baja California und einen Monat lang in Zipolite.

6. Durchziehen
Gabriellas Grossmutter hat mehrere Mal gesagt: Ich finde diese Reise wirklich keine gute Idee.Herzig, aber nicht gerade das, was man hören will. Nicht alle teilen die Euphorie und Vorfreude mit einem und das ist nicht immer leicht. Vor allem, wenn Fragen gestellt werden, welche einen selbst verunsichern: Aber warum gleich den Job kündigen? Was passiert mit deinem CV? Willst du die Wohnung nicht doch behalten? Ist das nicht gefährlich? Es ist wichtig, dass man sich nicht hineinreden lässt. Denn spätestens wenn man unterwegs ist, finden alle: Ihr macht es richtig!

7. Abmelden
Wir haben uns abgemeldet und das würden wir sofort wieder tun. Einerseits, weil wir nicht wissen, wie lange wir unterwegs sein werden. Und andererseits, weil Weltreisekrankenkassen sehr viel günstiger sind. Zudem wird Sandro so nicht im Militär aufgeboten, während wir gerade in Guatemala auf einen Vulkan steigen oder so.

8. Lächeln und winken
Ein alter VW-Bus mit dekorierten Velos und einem Schweizer Nummernschild fällt auf. Unsere Strategie, wenn wir angestarrt werden (und uns dabei unwohl fühlen): winken und geradeaus ins Gesicht grinsen. So einfach, so effektiv. Jedes einzelne Mal.

9. Social Media
Die sozialen Medien können fantastisch sein, wenn man nicht seine ganze Zeit in der Facebook-Timeline verplempert. Zum Beispiel gibt es viele Facebook-Gruppen für Panamericana-Reisende oder Digitale Nomaden, die sehr hilfreich sein können bei Fragen und Unsicherheiten. Die App iOverlander und ihre Community hat uns schon oft an tolle Übernachtungsplätze geführt. Auf Instagram haben wir viele andere Van-Reisende kennengelernt und daraufhin auch unterwegs getroffen. Oder Menschen haben uns auf Instagram entdeckt und zu sich nach Hause eingeladen für ein Essen oder eine warme Dusche.

10. Du auch
Hier kommt die wichtigste Erkenntnis von allen. Wir hatten am Anfang dieser Idee kein Geld auf der Seite, keine Ahnung von Autos und waren geplagt von Ängsten. Doch jetzt sind wir hier und wissen manchmal selbst nicht, wie wir das gemacht haben. Aber wir sind überzeugt: Wenn wir zwei Amateure das können, dann kann es wirklich jede und jeder.

Falls sich nach diesen Punkten noch mehr Fragen aufgetan haben: Wir arbeiten gerade an einem E-Book, in welchem wir 100 Fragen beantworten, welche wir zur Reise gestellt bekommen haben. Es wird vermutlich im Juli zum Einjährigen auf unserer Website vanabundos.com veröffentlicht werden.

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1 Kommentare

  1. (Wieder mal) Super gut und sehr sympathisch geschrieben! Man möchte euch sofort alles nachmachen 🙂

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Sandra

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